23.02.2006

Blick Online

Verstoss gegen die IVW-Richtlinien für Werbung

Blick Online präsentiert sich im Internet als beliebteste Schweizer Medienwebsite. Im Durchschnitt verzeichne man täglich 240'000 Visits und monatlich 49 Millionen Page Impressions, verspricht blick.ch seinen Werbekunden. Der Ringier-Titel beruft sich dabei auf die deutsche Medienforschungsanstalt IVW. Zu Unrecht, wie "persoenlich.com" recherchiert hat. Die IVW forderte Blick Online am Donnerstag auf, den IVW-Hinweis schnellstmöglich zu entfernen.
Blick Online: Verstoss gegen die IVW-Richtlinien für Werbung

Die IVW, das deutsche Pendant zur Wemf, wurde durch Werbekunden von Blick Online auf die Verfehlung des Ringier-Titels aufmerksam gemacht. Diese liessen angesichts enttäuschender Click-Through-Raten bei der IVW nachprüfen, ob die auf Blick Online kommunizierten Zahlen nach IVW-Standard korrekt ausgewiesen werden. In Berlin wusste man jedoch nichts vom Ringier-Titel. "Blick Online gehört nicht zu unseren Mitgliedern" beschied man den verdutzten Werbekunden. Dass blick.ch nicht von ihr geprüft werde, bestätigte die Informationsgemeinschaft am Donnerstag auch gegenüber "persoenlich.com".

Indem der Blick im Internet auf die IVW verweist, verstösst er gegen deren Richtlinien für Werbung mit Auflagenzahlen. Lediglich mit den von der IVW ausgewiesenen Zahlen darf geworben werden. Die Werbemedienforschungsanstalt in Berlin hält ein Missverständnis von Seiten Ringiers für möglich, aber dazu "müsse man schon beide Augen zudrücken", wie der zuständige IVW-Mitarbeiter findet. Die IVW forderte am Donnerstag von Blick Online, den IVW-Hinweis schnellstmöglich zu entfernen. Der Ringier-Konzern erklärte sich bereit, dieser Forderung bis Ende Monat nachzukommen.

Blick Online läuft auf dem Server des Technologie-Dienstleisters "Tomorrow-Focus". Dieser zählt die Besucher auf der Site. Er tut dies laut Ringier gemäss IVW-Standards. Ob die Nutzungszahlen allerdings korrekt erhoben werden, können Werbekunden nicht überprüfen. Die Zahlen werden nicht von unabhängiger Stelle ermittelt. Blick Online-Verlagsleiter Bernhard Wüthrich verneint diesen Sachverhalt gegenüber "persoenlich.com" nicht. Aber: "Die IVW überprüft auch die Focus-Gruppe. Die Nutzungszahlen unserer Website werden auf die selbe Art und Weise gemessen, können aber nicht nach IVW ausgewiesen werden, da Blick Online eine Schweizer Website ist", so Wüthrich gegenüber "persoenlich.com".

Doch weshalb eigentlich lässt die Betreiberin der mutmasslich bestbesuchten Medienwebsite des Landes ihre Nutzungszahlen nicht wie fast alle seine Konkurrenten vom Schweizer Erhebungsinstitut Wemf beglaubigen? Bernhard Wüthrich: "Blick Online macht mit bei Ma Comis und machte sich ein Bild von Net-Audit. Die zusätzlichen Kosten für Net-Audit wurden in Frage gestellt, da nicht klar war, welche Internetwährung sich in Zukunft am Markt durchsetzt." Da sich der Entscheid weiter verzögert habe, habe Ringier -- aufbauend auf der Mitarbeit für eine neue Internetwährung -- vor drei Monaten mit Net-Audit im Test begonnen.


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