14.10.2009

"Blick"

Vom Revolverblatt zur respektierten Tageszeitung

Ein Rückblick.

In 50 Jahren hat sich "Blick" vom verachteten "Revolverblatt" zu einer der grössten Schweizer Tageszeitungen hochgearbeitet. Lange Zeit Nummer eins punkto Auflage, hat die Boulevardzeitung nun mit Internet und Gratiszeitungen eine harte Konkurrenz erhalten.

Mit der Lancierung der ersten Boulevardzeitung der Schweiz (sieht man von der kurzlebigen Illustrierten "Actualis" 1940/41 ab) reagierte das Verlagshaus Ringier auf die gesellschaftlichen Veränderungen der fünfziger Jahre - Stichworte Wohlstand, Konsumgesellschaft, elektronische Massenmedien. Vorbild war die 1952 gegründete deutsche "Bild"-Zeitung.

Am 14. Oktober 1959 erschien der erste "Blick" mit der Titelseite "Der Diener ist nicht der Mörder". Das Blatt legte das Schwergewicht auf Unglücksfälle, Verbrechen, Sport, Unterhaltung - und zunehmend auf Sex. Es übertrug erstmals in der Schweiz die Bildsprache des neuen Mediums Fernsehen in den Printbereich.

Dafür wurde "Blick" geächtet, boykottiert, gelegentlich auch öffentlich verbrannt (so bei der verfrühten Meldung über den Tod von Papst Johannes XXIII 1963) - aber von immer mehr Leuten gelesen. Ohne Konkurrenz im Boulevard-Bereich wurde er zur leserstärksten Zeitung der Schweiz mit einer Auflage von 380'000 Exemplaren Mitte der achtziger Jahre. Für viele Leser war der "Blick" Zweit-Zeitung. 1969 wurde der ebenfalls erfolgreiche "Sonntags-Blick" lanciert. Regionalausgaben in Zürich und Basel scheiterten dagegen.

Seit den neunziger Jahren im Sinkflug

Der Wandel der Medien-Landschaft in den neunziger Jahren mit Internet- und Gratiszeitungen machen dem "Blick" zunehmend zu schaffen. Seine Auflage sinkt seither kontinuierlich (auf zurzeit rund 215'000 Exemplare). "20minuten" verdrängte ihn 2003 vom Platz eins der leserstärksten Zeitungen. Der "Blick" begegnete den Herausforderungen mit einer Anpassung des Formats (Tabloid seit 2004) und einem inhaltlichen Kurswechsel Richtung "gehobenem" Boulevard. Mit mehr Politik und Kultur wollte man ein neues Publikum ansprechen. Da dies das Sinken der Auflage nicht stoppen konnte, besinnt sich die Zeitung zurzeit auf Bewährtes: Rückkehr zum alten Format und - teilweise - zurück zum klassischen "Busen, Blut und Büsi"-Boulevard. (sda)


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