Am Mittwochabend lädt Ringier zum «exklusiven VIP-Event» im Zürcher Restaurant Terrasse. Man wolle «das stärkste News-, Sport- und Unterhaltungsangebot des Landes neu definieren», heisst es in der Einladung, die auf das Gründungsjahr 1969 verweist – und verspricht «die Enthüllung». Was genau präsentiert wird, lässt Ringier offen. Dass der SonntagsBlick am Sonntag nicht mehr in dieser Form erscheinen wird, gilt in der Branche längst als ausgemachte Sache (persoenlich.com berichtete). Das bestätigt sich auch intern: Wie persoenlich.com aus Personalkreisen erfuhr, geht man bei Ringier davon aus, dass am Sonntag künftig kein gedrucktes Blick-Produkt mehr erscheinen wird.
Die Gerüchte um die Zukunft des Sonntagstitels laufen seit Monaten. CH Media berichtete im April erstmals über eine mögliche frühere Auslieferung. Mitte Juli sorgte die Republik-Meldung zu einer angeblich beschlossenen Einstellung für Aufsehen. Ringier dementierte ein «Aus» intern, bestätigte aber die Prüfung von Samstag-Termin und Namensänderung. Ende Juli spekulierte Weltwoche-Autor Kurt W. Zimmermann über das Konzept – darunter ein Umfang von 100 bis 120 Seiten und ein bürgerlich-liberaler Kurs –, während Peter Rothenbühler in einem offenen Brief in derselben Ausgabe Frank A. Meyer für den Niedergang des Blatts mitverantwortlich machte.
Für die verbleibenden zwei Sonntagstitel ist die Kostenfrage zentral: Laut Republik-Recherchen teilen sich SonntagsZeitung, NZZ am Sonntag und SonntagsBlick bislang die Kosten für die Frühzustellung, die von der Presto Presse-Vertriebs AG – einer Post-Tochter mit rund 5700 Zustellerinnen und Zusteller – organisiert wird. Ein Ausstieg des SonntagsBlick würde diese Kosten für die beiden verbleibenden Titel entsprechend erhöhen.
«Wichtiger eigenständiger Lesetag»
persoenlich.com hat bei der NZZ und Tamedia nachgefragt. «Die SonntagsZeitung ist seit bald 40 Jahren eine feste Grösse am Sonntag, und wir sind überzeugt, dass der Sonntag auch künftig ein wichtiger eigenständiger Lesetag bleibt», so Edi Estermann, Head of Corporate Communications bei Tamedia. Gerade am Wochenende gebe es ein starkes Bedürfnis nach vertiefter Einordnung und Zeit für Qualitätsjournalismus jenseits des täglichen Nachrichtentakts, so Estermann weiter – man wolle die SonntagsZeitung entsprechend kontinuierlich weiterentwickeln, auch als Werbeplattform. «Aktuell gibt es keine Pläne, die Erscheinungsweise der SonntagsZeitung zu verändern», so Estermann. Zu möglichen Veränderungen bei anderen Medienhäusern äussere man sich hingegen nicht. Die SonntagsZeitung ist mit 368'000 Leserinnen und Lesern gemäss letzter Wemf-Erhebung zwar weiterhin die auflagenstärkste Sonntagszeitung der Deutschschweiz, verzeichnete zuletzt aber selbst einen signifikanten Rückgang (Vorjahr: 431'000).
Auch die NZZ hält am Sonntag fest. «Für die NZZ am Sonntag sind aktuell keine Änderungen vorgesehen. Wir halten am bisherigen Erscheinungstag, dem Sonntag, fest», schreibt Karin Heim, Leiterin Unternehmenskommunikation der NZZ. «Die NZZ am Sonntag bleibt für uns strategisch wichtig, und wir sehen nach wie vor ein starkes Bedürfnis nach hochwertigem Sonntagsjournalismus», so Heim weiter. Auf die konkrete Nachfrage zu den möglichen Vertriebsfolgen einer SonntagsBlick-Umstellung wollte sie sich nicht näher äussern: Man kommentiere «keine hypothetischen Szenarien». Die NZZ am Sonntag kommt laut Wemf auf 322'000 Leserinnen und Leser – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr (331'000), der jedoch statistisch nicht signifikant ist.
Was Ringier am Mittwoch tatsächlich präsentiert, dürfte auch bei Tamedia und NZZ mit Spannung erwartet werden. Der SonntagsBlick selbst kommt laut Wemf noch auf 265'000 Leserinnen und Leser – deutlich weniger als die beiden Konkurrenztitel.
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09.09.2026 09:04 Uhr
09.09.2026 08:08 Uhr

