Dass Ringier eine Vorverlegung des SonntagsBlick auf den Samstag prüft, ist seit Monaten bekannt (persoenlich.com berichtete). Seit die Republik letzte Woche über eine mögliche Einstellung der Sonntagsausgabe berichtete, wird in der eher nachrichtenarmen Sommerzeit intensiv darüber diskutiert. Die Republik hatte spekuliert, das Blatt könnte künftig als «Blick am Wochenende» erscheinen.
Ringier verweist auf Anfragen bislang lediglich auf «bekannte Branchengerüchte» und sagt, man kommuniziere, «wenn es etwas anzukündigen gibt». Auch Ladina Heimgartner, CEO von Ringier Medien Schweiz, betonte in einem internen Schreiben, das persoenlich.com vorliegt, es sei bis heute nichts entschieden.
«Wochenzeitung mit tagesaktuellen Ergänzungen»
Medienjournalist Kurt W. Zimmermann will dennoch nun wissen, wie das Konzept konkret aussehen soll: Das Blatt solle mit einem Umfang von 100 bis 120 Seiten erscheinen, national ausgerichtet, konzipiert als Wochenzeitung mit tagesaktuellen Ergänzungen und gedruckt auf höherwertigem Papier als bisher, schreibt er in der aktuellen Ausgabe der Weltwoche. Der politische Kurs solle bürgerlich-liberal sein. Bis Ende August soll laut Zimmermann das Konzeptpapier vorliegen, danach entschieden Verwaltungsratspräsident Michael Ringier und CEO Marc Walder über die Umsetzung.
Zur Einordnung: Die Ausgabe von letztem Sonntag zählte insgesamt 88 Seiten. Zusammengezählt liessen sich davon rund sechs Seiten als Fremdinserate identifizieren. Der von Zimmermann genannte Rahmen von 100 bis 120 Seiten wäre eine moderate Ausweitung gegenüber heute, müsste aber, anders als in den Neunzigerjahren, als das Blatt laut Zimmermann bis zu 200 Seiten dick und «zugepflastert mit Inseraten und Werbebeilagen» war, überwiegend redaktionell statt werblich gefüllt werden.
Wie persoenlich.com feststellte, wurden nach der Republik-Publikation die Domains blick-am-wochenende.ch und blickamwochenende.ch registriert – beide über einen anderen Registrar als die etablierten Ringier-Domains blick.ch und sonntagsblick.ch, was eher gegen eine offizielle Reservierung durch den Verlag spricht. Auch sonntagsblick.ch selbst leitet schon heute lediglich auf blick.ch weiter. Wer hinter den beiden neuen Domains steckt, ist aus den öffentlichen Daten nicht ersichtlich.
Uneinigkeit über die Ursachen
Zimmermann, in den Neunzigerjahren Chefredaktor der SonntagsZeitung, macht für den «Niedergang» des SonntagsBlick vor allem den digitalen Strukturwandel sowie den «links-grünen Kurs» unter Ex-Chefredaktor Gieri Cavelty (2017 bis 2023) verantwortlich, unter dem die Auflage von 220'000 auf 90'000 gefallen sei (heute 75'000). Zum Vergleich nennt er eine einstige Höchstauflage von 370'000 Exemplaren.
In derselben Weltwoche-Ausgabe sieht der frühere SonntagsBlick-Chefredaktor Peter Rothenbühler das anders: In einem offenen Brief macht er Frank A. Meyer, den langjährigen Kolumnisten und Chefpublizisten bei Ringier, für den «Untergang» des Blatts mitverantwortlich – unter anderem wegen der Borer-Affäre und einer Anti-SVP-Kampagne unter Meyers Ägide. (cbe)

