Von einem «Friedensabkommen» war die Rede, ja von einer «historischen Einigung». Aus damaliger Sicht erschien der Superlativ gerechtfertigt. Mit einem Jahr Distanz fällt die Bilanz nüchterner aus. Am 15. Mai 2025 unterzeichneten SRG-Generaldirektorin Susanne Wille und Verlegerpräsident Andrea Masüger am SwissMediaForum eine Grundsatzvereinbarung (persoenlich.com berichtete). Der Tenor: Öffentlicher Rundfunk und private Medien ziehen künftig am gleichen Strick und stärken gemeinsam den Medienplatz Schweiz. Der Deal: Die Verleger begraben das Kriegsbeil, die SRG beschränkt sich selbst, indem sie mit einer ganzen Reihe von Massnahmen auf das Geschäft der Verleger Rücksicht nimmt.
Die Palette reicht von einer Zeichenbeschränkung für Online-Artikel über die Verpflichtung, Online-Marketingbudgets mehrheitlich auf privaten Medienplattformen einzusetzen, bis zur Koordination der KI-Strategie mit den Verlagen. Im Gegenzug versprach der Verlegerverband Schweizer Medien, die Halbierungsinitiative abzulehnen.
Die Weko streicht zusammen
Doch schon wenige Monate später folgte ein Dämpfer. Nachdem die beiden Parteien ihre Vereinbarung dem Sekretariat der Wettbewerbskommission zur Prüfung vorgelegt hatten, meldete die Behörde im Dezember 2025 zu mehreren Punkten kartellrechtliche Vorbehalte an. Betroffen waren die Zeichenbeschränkung für SRG-Onlinetexte, die Zurückhaltung bei der Publikation von Inhalten auf Plattformen wie YouTube und Instagram sowie die verstärkte Rücksichtnahme bei der Vergabe von Sportrechten an private Anbieter. Auch der geplante VSM-Beitritt der SRG wurde aus dem Vertragstext gestrichen. An der prinzipiellen Bereitschaft der SRG zu einem Beitritt ändere das aber nichts, sagt SRG-Mediensprecherin Gianna Blum auf Anfrage von persoenlich.com. Einige Massnahmen sind inzwischen in Kraft. Seit Februar 2026 stellt die SRG den privaten Medien Ton- und Bildmaterial zur Verfügung. Die Regelung zum Online- und Social-Media-Marketing gilt seit dem 1. April.
Der VSM hätte die Grundsatzvereinbarung auch dann unterzeichnet, wenn er gewusst hätte, was nach einem Jahr davon übrig bleibt. «Es war immer ein mögliches Szenario, dass nicht alle Elemente umgesetzt werden», sagt Andreas Zoller, Leiter Public Affairs und Mitglied der Geschäftsleitung des VSM. Immerhin hätten VSM und SRG das Weko-Sekretariat von sich aus um eine Beurteilung gebeten. Über das Ergebnis sei man gleichwohl erstaunt gewesen – insbesondere darüber, dass die Behörde bei der Marktbetrachtung die Rolle der internationalen Tech-Plattformen komplett ausgeblendet habe.
Gemeinsamer Nenner: Druck von aussen
Wie geht es also weiter mit einer zusammengestrichenen Vereinbarung? Aktuell stehe die Konkretisierung jener Punkte im Vordergrund, die von der Weko nicht beanstandet wurden, heisst es von Seiten der Verleger. Die SRG betont derweil, dass die Grundkonstellation unverändert bleibt. «Der Medienplatz Schweiz steht unter Druck. Wir stehen vor Herausforderungen, denen wir nur gemeinsam begegnen können: das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien stärken, die Medienvielfalt erhalten, verhindern, dass Werbegelder ins Ausland abwandern.» Darin seien sich SRG, VSM und Médias Suisse als unterzeichnende Parteien weiterhin einig, so Blum. Auch pflegt man den gegenseitigen Austausch. «Die Gespräche mit der SRG laufen konstruktiv weiter», erklärt Zoller.
Klar ist aber auch: Der Verlegerverband wird andere Hebel bemühen, um die ursprünglich in der Grundsatzvereinbarung genannten Einschränkungen des SRG-Angebots doch noch zu erreichen. «Eine andere Chance, weitere Optimierungen am dualen Mediensystem vorzunehmen, bietet aber auch die Erneuerung der SRG-Konzession», drückt sich VSM-Mann Zoller diplomatisch aus.
Mit der Minne, welche die Spitzen von Verlegern und SRG vor einem Jahr verströmten, dürfte es dann nicht mehr weit her sein. Nach der Ablehnung der Halbierungsinitiative signalisierte SRG-Generaldirektorin Wille deutlich, dass sie an einem Vollprogramm festhalten will. Derweil machen sich mit Tamedia/TX Group und CH Media zwei Schwergewichte des Verlegerverbands für substanzielle Einschränkungen der SRG stark, wie sie am diesjährigen SwissMediaForum erneut unterstrichen.
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13.05.2026 06:15 Uhr

