Weltweit sitzen nach Angaben von Reporter ohne Grenzen (ROG) derzeit mindestens 348 Medienleute wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. Dies seien sechs Prozent mehr als vor einem Jahr, teilte die Organisation am Dienstag mit.
«Die Repression gegen Journalisten nimmt weltweit mit rasender Geschwindigkeit zu», sagte Christophe Deloire, Generalsekretär von ROG International zur Veröffentlichung des ersten Teils ihrer Jahresbilanz. Und vor den Toren Europas habe eine «veritable Hexenjagd» Dutzende von Journalisten ins Gefängnis gebracht und die Türkei zum «grössten Gefängnis des Journalismus» gemacht.
Innerhalb von einem Jahr habe das Regime von Erdogan den Medienpluralismus vernichtet, und die Europäische Union bleibe stumm. Allein in den Gefängnissen der Türkei sässen derzeit weit über 100 Journalisten in Haft.
Bei 41 von ihnen sei nach sorgfältiger Prüfung durch ROG ein Zusammenhang der Haft mit ihrer journalistischen Tätigkeit eindeutig. Bei Dutzenden weiteren sei er nicht auszuschliessen, habe sich bislang aber nicht mit Sicherheit feststellen lassen. Denn oft erfahren laut ROG selbst die Verhafteten und ihre Anwälte über längere Zeit nicht, was genau die Justiz ihnen zur Last lege.
Dutzende Entführungen
Die meisten inhaftierten Medienschaffenden gibt es demnach in der Türkei, in China, Syrien, Ägypten und dem Iran. Darunter seien neben 187 professionellen Journalisten auch 146 Blogger und Bürgerjournalisten sowie 15 sonstige Medienmitarbeiter.
Entführt seien weltweit derzeit 52 Medienleute - ausnahmslos in Syrien, im Jemen oder im Irak. 21 von ihnen befänden sich in der Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Allein in der irakischen Millionenstadt Mossul hielten IS-Terroristen seit fast zwei Jahren zehn Journalisten und Medienmitarbeiter in ihrer Gewalt.
ROG wirbt bei den Vereinten Nationen für die Einsetzung eines UNO-Sonderbeauftragten für den Schutz von Journalisten, um die Verantwortlichen für solche Verbrechen zur Rechenschaft zu ziehen und den «verheerenden Kreislauf der Straflosigkeit zu durchbrechen». Dieser sollte die Bemühungen der verschiedenen UNO-Institutionen zum Schutz von Journalisten koordinieren, bestehende völkerrechtliche Vorschriften durchsetzen und auf diese Weise die Zahl von Übergriffen und Gewaltakten gegen Journalisten wirksam verringern. (sda)

