Was ist von der Genossenschaft «Project R» und dem geplanten Magazin «Republik» zu halten? Dieser Frage widmete sich der «Medienclub» am Dienstagabend unter dem Titel «Project R – David gegen Goliath».
Dass Goliath durchaus mit David auch am gleichen Strick ziehen kann, verriet Christian Dorer, Chefredaktor der Blick-Gruppe, gleich zu Beginn der Sendung. Er hat die «Republik» nämlich auch unterstützt und am ersten Crowdfunding-Tag 1000 Franken eingezahlt – als Privatperson. «Unsere Branche hat ganz andere Herausforderungen, als ein neues Projekt zu bekämpfen. Im Gegenteil: Wir Journalisten müssen froh sein, wenn es neue Projekte gibt», so Dorer. Nur, ihn störe an diesem Projekt, dass die Initianten gegen die etablierten Verlage schiessen, «als würde es heutzutage keinen guten Journalismus geben.»
Christof Moser, Co-Gründer der «Republik», konterte: «Wir haben nie die Journalisten angegriffen, sondern kritisieren das Mediensystem.» Darin gebe es Fehler, zum Beispiel die Kommerzialisierungsstrategie wie bei Ringier. «Grosse Verlage steigen aus dem Journalismus aus und investieren in Handelsplattformen», so Moser. «Ich bin froh um jede Beteiligung, mit der wir Geld verdienen und in den Journalismus investieren können», erwiderte Dorer.
Es folgte schliesslich viel bereits Gehörtes – häufig auch gleichzeitig von allen zusammen. So stellte Satiremacher Viktor Giacobbo als Medienkonsument eine zunehmende Vermischung zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung fest. Sowohl Dorer als auch Markus Somm, Verleger und Chefredaktor der «Basler Zeitung», dementierten vehement – alles sei schliesslich immer klar deklariert. So blieb nach langer Diskussion in diesem Punkt Aussage gegen Aussage, Meinung gegen Meinung.
Auch die Diskussion über die sinkenden Einnahmen bei den Verlagen brachte wenig Erhellendes. «Im Print verlieren wir, im Digitalen legen wir zu. Aber unter dem Strich ist ein Minus da», bestätigte Dorer. Trotz der fehlenden Mittel gelinge es aber trotzdem, tagtäglich guten und unabhängigen Journalismus zu machen. «In den letzten 20 Jahren gab es eine Überausstattung in den Redaktionen. Allen ging es gut», blickte Somm zurück. «Man braucht aber gar nicht so wahnsinnig viele Leute, um eine gute Zeitung zu machen.» Viele würden gar nicht mal merken, wenn Zeitungen Journalisten abbauen, so Somm.
Wer sind die Investoren?
Etwas hitziger wurde die Diskussion, als es um die Investoren der «Republik» ging. In einem Einspieler kam Daniel Meili zu Wort, der zusammen mit seinen Brüdern 1,5 Millionen in das Medienprojekt investiert. «Ich erhoffe mir, dass es eine Nische gibt, wo gut recherchierter Journalismus entsteht, der sich nicht nach der Windfahne richtet.» Auf die Frage, wie unabhängig ein solches Projekt sein könne, wenn Investoren Millionen in ein solches investieren, antwortete Meili: «Das Projekt ist so aufgestellt, dass die Investoren in keiner Art und Weise die Mehrheit haben. Sie bekennen sich dazu, dass sie sich nicht in den redaktionellen Teil einmischen.»
Auf wiederholtes Nachfragen von Moderator Fischlin nach weiteren Investoren verwies Moser – mehrmals in der Sendung – auf die «Republik»-Homepage. «Wir werden bis im Herbst das transparenteste Aktienregister haben, das man sich überhaupt vorstellen kann», versicherte er. Bewusst habe man aber auf einen einzelnen Mäzen verzichtet. Man wollte ein Modell, das sich am Publikum orientiert. «Das ist doch dummes Zeugs. Ihr habt einen Mäzen und das ist Daniel Meili», ereiferte sich Somm und bezeichnete die Unabhängigkeit – weil werbefrei – als heuchlerisch. «Die Investoren haben bei uns nur 20 Prozent Mitspracherecht», so Moser. Worauf Somm antworte: «Du weisst im Kopf, was Meili gut findet.»
Vierte Gewalt existiert bereits
Als sehr dick aufgetragen bezeichnete Franz Fischlin den Werbespot der «Republik». Dorer stimmte zu: «Die geforderte vierte Gewalt im Staat funktioniert ja bereits heute schon.» Und Somm ergänzte später in der Sendung: «Unser Mediensystem ist eines der besten und tüchtigsten, das es auf der Welt gibt. Es gibt vielleicht noch zu wenig Pluralismus und zu viel Mainstream.» Und diesem Mainstream werde sich auch die «Republik» anschliessen.
Gegen den Schluss der Sendung folgten noch einige Kraftausdrücke. Als «birreweich» bezeichnete Giacobbo die Unsitte «computergenerierter» Umfragen zu jedem Artikel, wie zum Beispiel: «Fanden Sie es gut, dass es einen Stromunterbruch gab?» Auf diesen Einwand ging niemand der Studiogäste ein. Stattdessen bezeichnete Moderator Fischlin die kürzlich von der «Republik» verbreitete Meldung, Ringier und NZZ hätten Schreibverbote gegen das Crowdfunding erlassen, als «Bullshit». Dorer zählte schliesslich auf, welche Ringier-Titel ausführlich über die «Republik» berichtet haben und schloss mit «Fake News».
«Journalisten müssen wieder frecher werden. Sie müssen den Gegenwind spüren», wünschte sich Somm zum Schluss der Sendung. «Was vor 30 Jahren eine gute Geschichte war, ist auch heute noch eine gute Geschichte», bilanzierte Dorer. Giacobbo ist derweil überzeugt, dass in 30 Jahren alle Medien digital seien, «aber das Buch wird es noch geben». Und Moser: «In 30 Jahren werden wir vielleicht Markus Somm einladen können, für uns zu schreiben. Weil wir doch nicht so konformistisch sind, wie er uns jetzt unterstellt.»
Und vielleicht diskutieren im «Medienclub» in 30 Jahren dann auch mal Frauen mit.
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17.05.2017 17:40 Uhr
17.05.2017 13:55 Uhr
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