Im nächsten Jahr feiert die NZZ ein Jubiläum, sie wird 225 Jahre alt
Bütler: das Jubiläum steht im Jahr 2005 an.
Nimmt man dieses Jubiläum gleich zum Anlass, um einen Generationenwechsel an der Spitze der NZZ einzuleiten? Ist derlei in Planung?
Bütler: Nein, Ablösung der Generationen hat nichts mit dem Jubiläum zu tun. Wir haben nicht vor, eine Generation pauschal abzulösen. Wir planen personelle Schritte, wenn sie fällig werden, sodass Kontinuität gewahrt bleibt.
de Stoppani: Sie machen uns älter als wir sind. Hugo Bütler und ich sind gerade 59 Jahre alt. Ich weiss nicht, ob ich Ihre Frage als Kompliment auffassen soll.
Bütler: Mit anderen Worten: Wenn Sie diese Frage stellen, liegen Sie daneben.
Seit langem ist der Chefredaktor gleichzeitig der Vorsitzende der Geschäftsleitung. Doch die NZZ hat sich stark gewandelt in den fast 225 Jahren ihrer Existenz; sie hat sich von einem Einzelprodukt zu einer Gruppe mit diversen Interessen entwickelt. Ist es für Sie, Herr Bütler, überhaupt machbar, gerade in diesen harten Zeiten beide Ämter zugleich auszuüben, oder bräuchte es heute nicht einen vollamtlichen CEO an der Spitze?
Bütler: Das ist sicher hier kein Thema, wenn schon wäre es Sache des Verwaltungsrates. Es steht aber nicht auf der Traktandenliste.
Aber es ist doch eine sehr grosse Belastung, die bedeutendste Zeitung der Schweiz inhaltlich zu führen und gleichzeitig das gesamte Konglomerat finanziell und strukturell zu überschauen. Wie schaffen Sie das?
Bütler: Wir waren früher zu zweit in der Geschäftsleitung, heute sind wir zu fünft. Die operative Führung der Gruppe wurde der Entwicklung entsprechend verstärkt. Die Doppelfunktion, die schon der Chefredaktor vor meiner Zeit ausübte, hat mit dem Grundverständnis dieser Gruppe zu tun. Sie dürfen sich keine falschen Vorstellungen machen: Meine Kollegen wissen, dass der kommerzielle und technische Teil in erster Linie in ihrer Verantwortung liegt. Bei unternehmerischen Entscheiden bilden wir uns immer eine gemeinsame Auffassung.
In Deutschland war die Führungsstruktur bei ähnlich gelagerten Zeitungen ein Thema in dieser Pressekrise, bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und bei der Süddeutschen Zeitung. Bei der SZ setzte man einen Sanierer an die Spitze.
Bütler: Bei der SZ gab es meines Wissens Uneinigkeiten in der Besitzerfamilie; das war der Kern des Problems, nicht die Führungsstruktur. Die FAZ hat nicht dieselbe Konstellation. Dort gibt es mit fünf Herausgebern eine wesentlich andere Situation.
Zusammengefasst: Es sind keine Veränderungen in der Führungsstruktur geplant?
Bütler: Nein.

