Die Edipresse entzieht der Publicitas den exklusiven Vermarktungsauftrag. Ab Anfang 2010 will das Medienhaus die verlagseigenen Zeitungen selbst vermarkten. "persoenlich.com" hat sich mit Théo Bouchat, CEO von Edipresse Schweiz, über den geplanten Alleingang unterhalten. Bouchat: "Wir haben lange Zeit mit der Publicitas gearbeitet. Die Verschlechterung des Marktes, die Neuausrichtung der Publicitas und selbstverständlich auch finanzielle Gründe haben zum Entscheid geführt." Das Interview:
Herr Bouchat, Edipresse hat die Exklusivpacht der Publicitas gekündigt. Warum?
Markt- und Kundennähe ist uns sehr wichtig. Das verlangen auch unsere Kunden mehr und mehr. Hinzu kommt, dass wir uns über die Weiterführung des P-Vertrages Ende 2009 entscheiden mussten. Und dieser Entscheid ist jetzt bekannt.
Wann hat sich die Trennung abgezeichnet? Ist die wirtschaftliche Lage dafür verantwortlich?
Wir haben mit der Publicitas in den letzten 18 Monaten verschiedene Zusammenarbeits-Modelle geprüft. Am Ende sind wir zum Schluss gekommen, dass eine "Halb-Halb"-Lösung nicht gut wäre. Wir haben lange Zeit mit der Publicitas gearbeitet. Die Verschlechterung des Marktes, die Neuausrichtung der Publicitas und selbstverständlich auch finanzielle Gründe haben zum Entscheid geführt.
Wird der Alleingang in der Vermarktung die Lage des Medienhauses nachhaltig verbessern?
Wir machen das sicher nicht, um unser Resultat zu verschlechtern.
Waren Sie mit dem Service der Publicitas unzufrieden?
Nein. Wir stellten allerdings fest, dass die Position des All-Media Vermittlers für einen grossen Printverlag und seine Kunden nicht immer einfach ist.
Die Edipresse will weiterhin mit der Publicitas zusammenarbeiten. Wie sieht eine Zusammenarbeit konkret aus?
Wir gehen davon aus, dass die Publicitas ein wichtiger Markt-Akteur bleiben und eine wichtige Rolle spielen wird. In unserem Fall jedoch nicht mehr auf exklusiver Basis. Wie sich diese zukünftige Zusammenarbeit entwickeln wird, ist noch offen.
Die Edipresse versucht es in Eigenregie. Sie rechnen mit 100 neuen Mitarbeitern. Werden Sie diese von der Publicitas übernehmen?
Edipub, unsere eigene Regie für die hauseigenen Zeitschriften, hat gezeigt, dass sie erfolgreich und zur vollen Zufriedenheit der Kunden arbeiten kann. Wir wollen also darauf bauen und diesen Erfolg auf unsere Zeitungen übertragen. Von den etwa 100 Mitarbeitern, sind also etwa 30 schon im Haus. Die anderen werden neu angestellt und vermutlich von der Publicitas kommen.
Reden wir kurz über die Medienkrise. Edipresse hat in den letzten Monaten schon mehrere Male Entlassungen kommuniziert. Werden noch weitere folgen?
Wir passen uns dauernd an die neuen Gegebenheiten an. Geplant sind derzeit noch keine Entlassungen.
Man hört, die Edipresse Schweiz könnte noch in diesem Jahr von der Tamedia übernommen werden.
Wenn das so wäre, könnte ich Ihnen sicher nichts sagen.
Zudem hört man, dass die Edipresse mit der Tamedia bezüglich "Le Matin Bleu" und "20min" verhandelt.
Auch dazu kann ich nichts sagen.
Peter Rothenbühler gilt offenbar als Kronfavorit für den Chefposten des "Tages-Anzeigers". Wird es ihn nach Zürich ziehen oder bleibt er bei Edipresse?
Das müssen Sie ihn direkt anfragen. Ich habe nichts gehört.
Herr Bouchat, wie wird die Krise die Medienlandschaft verändern?
Es wird sicher Änderungen geben. Welche, wie, in welchem Ausmass und in welcher Richtung? Da bin ich derzeit selbst überfordert. Eine ausführliche Antwort würde auch den Rahmen dieses Interviews sprengen.
Abschlussfrage: Herr Neininger schlägt eine Presseförderung durch den Staat vor. Unterstützen Sie seine Idee?
Ich bin grundsätzlich gegen Eingriffe des Staates in der Medienbranche. Die begabte Rhetorik von Herrn Neininger hilft hier wenig.
(Interview: Christian Lüscher)

