20.04.2020

Serie zum Coronavirus

«Wir gehen nur mit Schutzmaske einkaufen»

Teil 25: Peter Rothenbühler, ehemalige Chefredaktor von Le Matin, hat sich in den Jura zurückgezogen. In der Romandie sei es gefährlicher als in der Deutschschweiz.
Serie zum Coronavirus: «Wir gehen nur mit Schutzmaske einkaufen»
«Mir gefällt, wie die Medien berichten, stets neue Ideen und Gesichtspunkte», sagt der ehemalige Chefredaktor von Le Matin und Schweizer Illustrierte, Peter Rothenbühler. (Bild: zVg.)

Herr Rothenbühler, Sie leben in der Romandie. Wie stark beeinträchtigt Corona Ihren Alltag?
Ich lebe mit meiner Frau seit einem Monat in unserem Haus im Vallée de Joux, mit einem grossem Garten und lebe mit Büchern, Musikhören, oder Klavierspielen. Meine Frau hat das Brotbacken wiederentdeckt. Wir machen jeden Tag eine zweistündige Wanderung durch den riesigen Wald, Le Risoux, gleich hinter dem Haus oder auf den Alpweiden des Col du Marchairuz. 

Dann bleiben Sie nicht wie empfohlen stets zuhause?
Wir gehen nur zum Wandern und zweimal pro Woche zum Einkaufen raus, dies allerdings nur mit Schutzmaske. 

Nun gibt es in der Romandie pro Kopf vier mal mehr Todesfälle als in der deutschen Schweiz. Spüren Sie dies?
Es ist wie im Tessin, die Nähe zum Nachbarland und die Grenzgänger haben die Ansteckung beschleunigt. Zudem war der Skiort Verbier eine Virenschleuder, wo noch Ende Januar massiv gefeiert wurde, ähnlich wie in Ischgl. Der Dorfarzt wollte das Dorf sperren, das haben die Behörden nicht zugelassen. Zudem gibt es im Jura, also hier, wo ich wohne, viele Evangelikale, reformierte Fundis, die mit den Grosskirchen Amerikas (Trump-Wähler) verbunden sind und an dieser riesigen Zusammenkunft in Mulhouse teilgenommen haben, die den Virus über ganz Frankreich verbreitet hat. Zum Glück sind sie in der Lage, den Virus wegzubeten. Oder sich sorglos in Gottes Arme zu begeben. Hier hat es relativ viele Tote gegeben. 

Wie ist die Stimmungslage in der Bevölkerung?
Genau gleich wie in der Deutschschweiz, jeden Abend wird dem Pflegepersonal applaudiert und gesungen. Die Leute halten Distanz, die Polizei wacht. Nur die Motorradfahrer rasen nach wie vor recht gefährlich über die Pässe, obschon sie wissen, dass Ambulanzen eigentlich jetzt für anderes gebraucht werden. 

In der Deutschschweiz sind grosse Diskussionen über die Öffnung des Lockdown im Gange. Ist dies in der Romandie auch der Fall?
Genau gleich. 

Was war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Tage?
Wie der Frühling kommt, jeden Tag neue Blumen, die Vögel machen Konzerte, die Frösche im benachbarten Teich paaren sich. Und mir gefällt, wie die Medien berichten, stets neue Ideen und Gesichtspunkte. Ich verfolge vor allem französische Titel und Sendungen. Sehr gut in Sachen Corona-Krise. Und ich entdecke interessante Bücher in meiner Bibliothek. Und Netflix hilft!


Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier


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