17.03.2009

Marc Walder

"Wir glauben nach wie vor an die Marke 'cash'"

Der Ringier Schweiz-Chef zur Einstellung von "cash".

Ringier hat sich für die Einstellung der "cash"-Zeitung entschieden. Stand auch ein Verkauf zur Debatte?

Ringier hat sich für die Einstellung der "cash"-Zeitung entschieden. Stand auch ein Verkauf zur Debatte?

War die Einstellung der Zeitung schon länger ein Thema, oder hat sich das kurzfristig durch die ausbleibenden Werbeeinnahmen akzentuiert?

Die ursprüngliche Strategie sah vor, die gedruckte Zeitung im Jahre 2012 einzustellen. Aufgrund der negativen Auswirkungen der Finanzkrise auf den Anzeigenmarkt hat der Verwaltungsrat dem Antrag des Managements zugestimmt, diesen Schritt nun vorzuziehen.

Christian Unger hat im "Bilanz"-Interview gesagt, "cash online" könne momentan nicht ohne Untermauerung durch das Printprodukt überleben. Jetzt ist die Zeitung trotzdem sofort eingestellt worden. Wie will "cash" nun digital überleben?

Das Angebot an Wirtschaftsnachrichten und Services wird weiter ausgebaut und soll in einer späteren Phase via e-Reader und andere mobile Applikationen verbreitet werden. Cash.ch erfreut sich wie die Nutzungszahlen zeigen, bereits heute einer hervorragenden Akzeptanz.

Warum hat Unger ausgerechnet in der "Bilanz" gegenüber dem ehemaligen "cash"-Chefredaktor Dirk Schütz den Anfang vom Ende der Zeitung angekündigt?

Dieses Interview war schon längerer geplant. Zeitlich lag es sicherlich unglücklich, was "cash" anbelangt. Dirk Schütz wollte das Interview als "Bilanz"-Chefredaktor selber führen, was sein gutes Recht ist.

Wann wurden die Mitarbeiter von "cash" informiert?

Alle Mitarbeitenden von "cash" wurden am Dienstag Morgen von Bereichsleiter Christoph Bauer, Chefredaktor Rüdi Steiner und mir informiert. Anschliessend ging die Meldung an die Medien.

Es gibt Stimmen bei Ringier und "cash", die glauben, dass von einer Ringier-internen Gruppe aktiv Stimmung gemacht wurde gegen die Wirtschaftszeitung und deren Untergang eingeleitet werden sollte. Hintergrund seien Sparvorgaben und Verteilkämpfe der Ringier-Divisionen. Was halten Sie davon?

Gar nichts.

Es werden laut Mitteilung 23 Stellen abgebaut. Welche Bereiche wird das mit wie vielen Stellenprozenten betreffen?

Die 23 Stellen entsprechen 18.3 FTE, also Vollzeitstellen. In der Redaktion betrifft dies 16 Stellen, im Verlag 7.

Kommt es auch zu Abgängen in der Redaktionsleitung?

Nein. Rüdi Steiner führt als Chefredaktor die Transformation zum so genannten "digital pure play" von "cash" persönlich durch.

Was wird Ringier unternehmen, um cash.ch als Nachrichtenportal zu etablieren?

Ringier investiert in den nächsten Jahren konsequent in den Ausbau digitaler Plattformen. Das gilt auch für cash.

Macht es Sinn, zu jedem Preis an der Marke "cash" festzuhalten?

"cash" ist der erste integrierte Anbieter von Wirtschafts- und Finanzinformationen der Schweiz und hat für diesen Ansatz und seine Umsetzung diverse nationale und internationale Preise wie den IFRA Crossmedia Award gewonnen. Umsatzmässig hat cash in den letzten beiden Jahren je über 30 Prozent zulegen können und die Erfolge im Lesermarkt sind enorm. "cash" ist eine bestens etablierte, erfolgreiche Marke und bleibt für Ringier eine zukunftsgerichtete Plattform, auf der neue Ideen um- und Technologien eingesetzt werden.

(Interview: Stefan Wyss)


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