In der Schellenberg-Ära herrschte zwischen dem Blick und dem Fernsehen ein einvernehmliches Verhältnis. Warum jetzt plötzlich diese Kampagnen?
Ich weiss nicht, ob man dies als Kampagnen bezeichnen kann; eines ist aber klar, es hat gescheppert (lacht). Ich muss aber sogleich Selbstkritik üben und eingestehen, dass wir im Fall der Traumdestinationen von SF Spezial auch nicht richtig kommuniziert haben. Es ist möglicherweise der Eindruck entstanden, dass wir unseren Mitarbeitenden Reisen an ihre Traumdestinationen finanzieren, damit sie darüber berichten.
Was hätte man besser machen können?
Wir haben nicht darauf hingewiesen, dass wir auch die Zuhörer und Zuhörerinnen von DRS 3 aufgefordert haben, uns ihre Traumdestinationen zuzuschicken. Es handelt sich also keineswegs um Privatreisen unserer Mitarbeiter, sondern es werden dabei Programminhalte produziert. Dass man diese Geschichte auf meine Person zugespitzt hat, hängt möglicherweise mit den Gesetzen des Boulevards zusammen. Interessant ist nur, dass diese Blick-Geschichte bei uns kaum Reaktionen ausgelöst hat und auch von den anderen Medien nicht aufgenommen worden ist. Das Publikum ist klug genug, um zu realisieren, wenn es für dumm verkauft wird.
Haben Sie deswegen mit der Blick-Leitung Kontakt aufgenommen?
Mit aller Wahrscheinlichkeit würde sich dadurch nichts ändern. Der Verlagsleiter würde auf die redaktionelle Unabhängigkeit verweisen. Bei mir ist das anders: Ich werde für alles verantwortlich gemacht, was innerhalb von SF DRS passiert.
Sie haben aber auch mit der SonntagsZeitung Probleme.
Wir hatten mit einem Journalisten der SonntagsZeitung Probleme. Es gibt gute Gründe, weshalb wir mit dieser Person nicht mehr sprechen. Die SonntagsZeitung akzeptiert das.
Aber ist es als Staatsbetrieb nicht ein Problem, wenn Sie mit gewissen Journalisten überhaupt nicht mehr sprechen?
Nein. Dies ist auch eine Frage der Linie und des Mutes. Wir kommunizieren als SF DRS viel offener als früher, müssen uns gleichzeitig aber auch nicht alles gefallen lassen. Auch andere Unternehmen sprechen nicht mehr mit allen Journalisten. Ich würde es begrüssen, wenn viel mehr Unternehmen die gleiche Praxis anwenden würden; gleichzeitig ist mir aber klar, dass wir uns in einer privilegierten Stellung befinden. Trotzdem handelt es sich wirklich nur um Einzelfälle, bei denen wir mit Journalisten Probleme haben.
Während des ersten Jahres befanden Sie sich im Honeymoon, und die ganze Presse stand auf Ihrer Seite. Wann kam der Knackpunkt?
Dieser Bruch hat mit der Realität nichts zu tun. Wir haben in den letzten anderthalb Jahren keinen einzigen Flop produziert, alles lief super. Doch einige Journalisten können sich mit dieser Realität nicht anfreunden. Es sind übrigens dieselben Leute, die während der Schellenberg-Ära Änderungen verlangten, doch kaum sind diese nun eingetreten, ist es auch wieder nicht in Ordnung. Ein kleines Beispiel, vor wenigen Monaten schrieb eine Zeitung, dass die Arena langweilig sei. Vor kurzer Zeit konnte ich im gleichen Medium lesen, dass die Arena zu einem reinen Schrei-Medium verkommen sei. Was stimmt jetzt? Die veröffentlichte Meinung hat längst nichts mehr mit der Realität zu tun.
Was stimmt dann Ihrer Meinung nach?
Ich stütze mich auf Fakten. Die neuste Imagestudie besagt, dass lediglich 8 Prozent der Befragten glauben, unser Programm sei schlechter geworden. 40 Prozent -- also fünf Mal mehr -- empfinden das Gegenteil. Diese Zuschauerbefragungen zeigen uns, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.
Aber ausgerechnet der Publikumsrat, wie auch der Ombudsmann, kritisieren Ihr Programm; zuletzt "Traumjob". Früher waren diese Institutionen immer sehr handzahm gegenüber der SRG.
Ich weiss nicht, ob diese Aussage stimmt. Es handelt sich auch hier um eine Frage der Wahrnehmung. Der Publikumsrat hat "Traumjob" sehr differenziert betrachtet und nicht so viel Kritik geübt, wie man lesen konnte. Wir wurden vom Publikumsrat in letzter Zeit einige Male gelobt, beispielsweise für die Schengen-Berichterstattung, doch dies wird von den Medien nicht weiter registriert.
Aber verstehen Sie die Vorwürfe gegen "Traumjob"?
Nein. Da wir bereits im Voraus wussten, dass Jürg Marquard polarisiert, haben wir ihn auch ausgewählt. Marquard ist kein Langweiler, hat ein eigenes Unternehmen selber aufgebaut und ist dabei noch sehr erfolgreich. Mit Traumjob wollten wir kein pädagogisches Lehrstück bringen, sondern eine Unterhaltungssendung, die sich sehr nah an der Wirtschaft orientiert. Vergleicht man die Assessments, die in der Sendung durchgeführt werden, mit denjenigen in der Realität, so sind sie viel realistischer als all die Sandkastenspiele, welche die grossen Banken und Versicherungen bei der Einstellung von neuem Personal veranstalten.

