30.11.2008

"Wir kreieren eine Party auf der Basis einer Frequenz"

Interview mit Initiant Oliver Scotoni.

Vom 1. bis 24. Dezember schenken die Macher von Rundfunk.fm ihren Hörern einen akustischen Weihnachtskalender. Mit der Christmas Session startet Oliver Scotoni nach dem EM-Sender Radio11 bereits sein zweites Kurz-Radioprojekt in diesem Jahr. Warum er sich trotzdem nicht als Radiomacher versteht und was die Hörer in der Adventszeit erwartet, erläutert er im Interview mit "persoenlich.com".

Herr Scotoni, Rundfunk.fm ist ein Sommer-Radio. Warum jetzt eine neue Jahreszeit?

Primär war für mich die Weihnachtszeit schon immer ein sehr reizvolles Thema Musik ist eine emotionale Kulturform. Und Weihnachten weckt bekanntlich Emotionen. Hier besteht die Basis für eine perfekte Symbiose. Im Weiteren haben wir im Sommer mit Radio11, den offiziellen akustischen Gastgeber der EURO2008, ein aufwändiges, zeitlich beschränktes Radioprojekt umgesetzt.

Was wird die Christmas Session bieten?

Allerfeinste Musik. Trouvaillen von gestern bis heute. Wunderschöne Visuals. Ein stylischer Internetauftritt. Und ein User-freundlicher Player, der als Download auf jeden PC/Mac runtergeladen werden kann. Und ein Radiostudio im Schaufenster an der Strehlgasse 21. Wir senden wiederum im öffentlichen Kontext, diesmal jedoch in Form eines gastronomischen Treffpunkt.

Sie sagen, dass Sie der Stadt Zürich ein Adventsradio schenken. Bringen Sie als guter Weihnachtsmann denn auch den Bürgern Geschenke?

Ja. Wir zelebrieren den Gedanken des Schenkens. Während der Christmas-Session lässt sich bei uns nichts kaufen. Täglich verschenken unsere Partner Geschenke. Jedes Törchen birgt verschiedenste Geschenke. Sogar unsere einzige Party wird zum Geschenk. Der Beschenkte wird zum offiziellen Partyveranstalter von Rundfunk.fm. Wir werden am 18. Dezember live aus einer Privatwohnung senden. Der Gewinner wird zum Veranstalter und kann sein Umfeld einladen. Getränke und Food sind offeriert.

Wer beschenkt eigentlich Sie bzw. wo liegt der Profit der Macher?

Wir schenken uns eine Plattform auf der wir uns kreativ ausleben können. Und wir hoffen, dass unsere Hörer uns Ab und Zu auch einmal die eine oder andere Ermunterung schenken, die unser emotinales Befinden aufbaut. Das Projekt wird mittels Sponsoringeinnahmen finanziert.

Als Hauptsponsoren wurden mit Sony Ericson und LG zwei konkurrenzierende Firmen gewonnen. Wie ist diese ungewöhnliche Konstellation zustande gekommen?

Diese Konstellation basiert auf innovativ denkenden Brandmanagern. Der Markt ist grundsätzlich ein Wettbewerb. Und wenn man sich sportlich in einem Projekt misst, so steigt der grundsätzliche Fokus für die betreffende Branche. Der Absatz wird grundsätzlich gefördert. So profitieren beide Seiten. Ein solches Engagement erfordert Mut, Selbstbewusstsein und Stärke. Sony Ericsson und LG haben dies bewiesen. Und wir sind stolz mit diesen beiden Brands zusammenarbeiten zu dürfen. Ich glaube auch, dass solche Modelle Sinn machen und hoffe, dass dies nicht das EInzige Beispiel bleibt.

Mit Sunrise ist auch noch ein drittes Unternehmen aus der Mobile-Branche als Partner dabei. Zufall?

Das ist natürlich kein Zufall. Das Zusammenkommen von Telekommunikationsunternehmen und Handyanbietern ist ja üblich. Und wenn es schlussendlich zwei Handyanbieter sind, macht das umso mehr Sinn.

Im Juni waren Sie mit dem EM-Radio 11 am Start. Wie fällt rückblickend die Bilanz aus?

Wir können eine positive Bilanz ziehen. Die Eventkultur wie auch das Radio wurden vom Publikum sehr gut angenommen. Für mich persönlich - als Fussballfan - war es ein bisschen enttäuschend. Nicht nur wegen dem Abschneiden der Nati, sondern auch, weil ich keine Zeit fand, die Spiele wirklich zu geniessen.

Sie treten seit langem als Kurzzeit-Radioveranstalter auf -- Ihre ursprüngliche Antriebsfeder ist die uninspirierte Musik der Privatsender. Warum haben Sie nie bei einem Privatsender angeheuert, um daran etwas zu ändern?

Meine Ambition war nie die "uninspirierte Musik der Privatsender". Die Inspiration bestand immer auf dem Gedanken etwas zu kreieren, dass meinen Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Eine Selbstverwirklung sozusagen. Und dies unabhängig von der gängigen Radiolandschaft. Für mich gibt es hier eigentlich nur einen gemeinsamen Nenner: das Medium. Daher war es für mich nie relevant, mich in einen bestehenden Sender zu integrieren, da mich diese Aufgabenstellung nicht interessieren würde.

Wie steht es denn mit der Lust an einem eigenen fixen Sender?

Unsere Konzepte sind klar auf eine zeiltich befristete Dauer aufgebaut. Wir kreieren eine "Party" auf der Basis einer Frequenz und betreiben nicht einen bestehenden Club. Ein "Partyveranstalter" verfolgt komplett andere Strategien als ein "Clubbesitzer". Das Konzept Rundfunk.fm basiert bewusst auf dem Gedanken der zeitlichen Begrenzung. Würden wir den Anspruch verfolgen, ein ganzes Jahr zu senden, müssten wir die Inhalte verändern und das Konzept neu definieren. Ein Jahr senden oder nur 30 Tage sind zwei komplett andere paar Schuhe.

Wie beurteilen Sie die Konzessionsvergabe?

Meiner Ansicht nach sollte jeder der Bewerber ein Anrecht auf eine Konzession haben. Für mich gibt es da zu früh Verlierer. Interessanter wäre, wenn der Markt entscheidet, wer den Bedürfnissen des Publikums entspricht oder wer nicht. Wer sich im Markt behaupten kann, Arbeitsplätze schafft, sollte eigentlich auch senden dürfen. Der Markt entscheidet dann zu einem späteren Zeitpunkt von selbst, wer zum Gewinner und wer zum Verlierer wird.

--> Rundfunk.fm kann in Zürich über UKW (Süd 90.1 MHz, Nord 92.4 MHz) sowie Cablecom-Frequenzen in der Deutschschweiz und dem Internetstream empfangen werden. Der eigens für die Christmas Session kreierte Musikplayer lässt sich über rundfunk.fm herunterladen und kann problemlos auf auf jeder Website integriert werden.


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