21.10.2019

CH Media

«Wir werden die Positionierung aller Sender besprechen»

CH Media übernimmt die 3+-Gruppe und wird so zur «klaren Nummer 1 im Schweizer Privatfernsehgeschäft». Verwaltungsratspräsident Peter Wanner sagt im Interview, wo er Synergien sieht und welche Veränderungen es für die betroffenen Mitarbeitenden gibt.
CH Media: «Wir werden die Positionierung aller Sender besprechen»
Freut sich sichtlich über den Deal mit 3+: CH Media-Verwaltungsratspräsident Peter Wanner an der Pressekonferenz vom Freitag. (Bild: Keystone/Ennio Leanza)
von Michèle Widmer

Herr Wanner, welche konkreten Ziele verfolgt CH Media mit dem Kauf der 3+-Gruppe?
Als CH Media haben wir eine klare Strategie formuliert und festgehalten, dass wir verstärkt ins Fernsehen investieren wollen. Die erfolgreiche 3+-Sendergruppe fügt sich daher wunderbar in unser Portfolio der nationalen Sender (TV24, TV25 und S1) und ergänzt das bestehende Regional-TV-Geschäft ideal. Wir werden so die klare Nummer 1 im Schweizer Privatfernsehgeschäft. Und es besteht die Chance, unsere Marktposition auszubauen.

CH Media hat mit TV24, TV25 S1 bereits nationale Sender. Konkurrenzieren Sie mit 3+ nicht Ihre eigenen Sender?
Die 3+-Sendergruppe und auch die nationalen Sender von CH Media sind sehr gut positioniert und in den letzten Jahren stark gewachsen. Wir werden die Programmausrichtung aller Sender gemeinsam mit dem Management der 3+-Sendergruppe analysieren und die künftige Positionierung der Sender besprechen.

Was bedeutet die Übernahme für den TV-Bereich von CH Media?
Wir kaufen mit der 3-Plus-Sendergruppe auch viel Know-how ein. Welche konkreten Änderungen es geben wird, wissen wir noch nicht. Für strategische oder organisatorische Detailfragen ist es noch zu früh. Unser Ziel ist es, die Erfolgsgeschichte von Dominik Kaiser fortzuschreiben.

Wo konkret sehen Sie Synergien?
Der Kauf der 3-Plus-Sendergruppe ist in erster Linie eine Wachstums- und Investitionsgeschichte. Synergien sehe ich vor allem beim Einkauf von Filmrechten und Serien.

Nebst 3+ umfasst die Gruppe auch 4+, 5+ und 6+. Wird CH Media auch diese Sender weiterführen?
Ja. Es ist nichts anderes geplant.

Die 3+-Gruppe beschäftigt rund 65 Mitarbeitende. Welche Veränderungen bringt die Übernahme für sie?
Sie erhalten mit Roger Elsener einen neuen Chef und sind neu Teil des Unternehmensbereichs TV, Radio und Filmvertrieb von CH Media. Alle Mitarbeitenden werden übernommen und auch Dominik Kaiser wird als Senior Advisor bei der Weiterentwicklung des TV-Geschäfts mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Und wie sieht es mit den Mitarbeitenden von CH Media aus. Mit welchen Veränderungen müssen Sie rechnen?
Die Kolleginnen und Kollegen erhalten neue Teamkameraden und alle können voneinander profitieren. Wir werden die neue Ausgangslage zunächst mit dem Management der 3+-Gruppe diskutieren.

Die Mitarbeiter von CH Media und 3+ wurden am Freitag informiert. Wie waren die Reaktionen?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei der 3+-Gruppe war es ziemlich emotional, was ich verstehe, wenn plötzlich der Chef von Bord geht. Gänzlich unvorbereitet waren die Mitarbeitenden aber nicht, denn es sind immer wieder Gerüchte herumgeschwirrt, dass Dominik Kaiser verkaufen wolle.

Wird 3+ zusammen mit TV24, TV25, S1 oder TeleZüri Anfang 2021 ins Haus «Leonard» in Zürich-Oerlikon ziehen?
Das ist noch offen. Es bleibt jetzt mal alles, wie es ist.

Werden die Eigenproduktionen wie «Bachelor», «Bachelorette», «Bauer, ledig, sucht...» oder «The Voice of Switzerland» weiterproduziert?
Ja, klar. Das sind Erfolgsformate.

Sind Anpassungen im Markenauftritt des Senders geplant?
Auch für diese Frage ist es zu früh. Wir wissen es noch nicht.

Die Verträge wurden am Donnerstag unterschrieben. Was steht nun als nächste konkrete Handlung an?
Die Mitarbeitenden sollen sich gegenseitig kennenlernen und beschnuppern. Jetzt muss erst einmal Ruhe reinkommen. Zusammen mit dem Management der 3+-Gruppe werden wir die weiteren Schritte besprechen, mit dem Ziel, zu wachsen und weiterhin erfolgreich zu sein.

Peter Wanner hat die Fragen schriftlich beantwortet.



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Kommentare

  • Raphael Weber, 19.10.2019 15:50 Uhr
    Und wieder stirbt ein Stück Medienvielfalt! Ohne Konkurrenz lebt sich's ganz ungeniert. Der Zuschauer ist eh egal die Kohle kommt dank 4 Gebührensender sowieso. Freuen wir uns auf den Tag an dem der Bachelor die Sendung Tierisch moderiert, Patty Boser in der Jury von the Voice of Switzerland sitzt und Markus Gilli den Sonntalk auf 3+ moderiert. In diesem Sinn: Mediashop in Ewigkeit, Amen...
  • Peter Eberhard, 21.10.2019 10:12 Uhr
    Herr Weber, was haben die mit Unterhaltungsbrunz umrahmten Werbesender 3+, 4+, 5+ und 6+ mit Medienvielfalt zu tun?
  • Raphael Weber, 21.10.2019 22:30 Uhr
    Herr Eberhard, die Frage ist vielmehr was hat mittlerweile TeleZüri, TeleM1, Tele1, Telebärn, TVO, mit Medienvielfalt zu tun, wenn alle das selbe senden? Da alle Sender dem selben Inhaber gehören, muss man sich für die Quote keine Mühe mehr geben, man würde sich sonst ja sich selbst konkurrieren. Ein Programm für alle, produziert aus dem neuen Medienhub in Oerlikon. So kann man dann locker 50 Nasen einsparen und oben drauf gibt's noch 18mio aus dem Gebührentopf für diese "Vielfalt". Wenn dann alle 12 Sender, 24h identisch dümmliches Programm senden, muss man sich auch nicht wundern, dass keiner mehr TV schaut. Daher wäre Konkurrenz grade bei diesem Medium notwendig. Die vor der Billag kritisierte Monopolstellung bzw. Medienkonzentration liegt im Privatbereich nun bei CH Media
  • Victor Brunner, 22.10.2019 09:49 Uhr
    CH Media erinnert mich an Swissair, Gesellschaften mit geringem Potential und Spirit unbesehen zusammen kaufen und dann zugrunde gehen!

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