10.02.2023

Public-Private-Pay-Gap

Die Löhne der Verwaltungsangestellten

Staatsangestellte verdienen im Durchschnitt 12 Prozent mehr als Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft. Das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den gesamten Arbeitsmarkt.

Von solchen Löhnen dürften Programmschaffende von Privatradios und Privatfernsehen nur träumen. Zwar konnten erstmals die Sozialpartner der Branche eine Vereinbarung über die mindestens gültigen Arbeitsbedingungen treffen. Darin werden unter anderem Mindestlöhne von 4800 Franken geregelt (persoenlich.com berichtete). Doch Staatsangestellte verdienen deutlich mehr. Erstmals hat ein Forschungsinstitut Angestellte in den öffentlichen Verwaltungen und der Privatwirtschaft mit gleicher Qualifikation verglichen.

Der Bund misst die Löhne in der Privatwirtschaft, etwa wenn es um den sogenannten «Gender Wage Gap» geht. Wer aber vermisst die Löhne der Staatsangestellten? Dies hat nun erstmals das Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik (IWP) unter der Leitung von Christoph Schaltegger und René Scheu unternommen. In der einschlägigen Studie werden «statistische Zwillinge» mit den gleichen beruflichen Qualifikationen betrachtet. Dabei zeigt sich laut einer Mitteilung, dass die Verwaltungen ihre Angestellten besser bezahlen als die Privatwirtschaft.

Beim Bund verdienen auch die Gutverdiener mehr: Mit einem Jahreseinkommen von rund 170'000 Franken erhält ein Angestellter der Bundesverwaltung im Vergleich zur Privatwirtschaft eine Lohnprämie von über 11'000 Franken. Noch grösser ist die Prämie bei den unteren Einkommensschichten: «Der Bund zahlt bei den unteren Einkommen bis zu 16 Prozent mehr als der private Sektor», hält Autor Marco Portmann gegenüber persoenlich.com fest. Insgesamt profitieren Bundesangestellte von einer Lohnprämie von 12 Prozent – das entspricht einem 14. Monatslohn.

Die Lohnprämien haben Einfluss auf den Arbeitsmarkt und damit auf die Privatunternehmen: «Wenn der grösste Arbeitgeber systematisch mit hohen Löhnen werben kann, verzerrt dies einen fairen Wettbewerb», sagt Autor Christoph A. Schaltegger. Die staatlichen Löhne üben Druck auf den Privatsektor aus: Wollen private Unternehmen gutausgebildete Mitarbeiter anstellen, müssen sie tiefer in die Tasche greifen und Löhne bezahlen, die über dem Marktpreis liegen. Dies gilt natürlich auch innerhalb der Verwaltungen. Im Konkurrenzkampf um die Talente hat der Bund einen Vorteil gegenüber Kantonen und Gemeinden, da er die grössten Lohnprämien bezahlt. (pd/cbe)


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