
Herr Vögeli, vbzonline.ch ist nun seit eineinhalb Wochen aktiv, wie sieht es mit den Klicks aus?
Am Anfang sind die Zahlen bei neuen Projekten immer hoch, weil sich viele aus Neugier ins Portal klicken. Wir werden in drei Monaten erste Zahlen veröffentlichen, erst dann sind die Aussagen verlässlich.
Wie werden die Leute auf vbzonline.ch aufmerksam gemacht?
Wir haben uns für einen stillen Markteintritt entschieden und werden nun schrittweise kommunizieren und die Bewirtschaftung der Seite herauffahren. Diese Strategie passt zum Magazin, es kommt ganz unaufgeregt daher. Später nutzen wir die Kommunikationskraft unserer Infrastruktur und weisen in den Fahrzeugen oder an den Haltestellen auf das Magazin hin. Immerhin bringen wir 900'000 Personen täglich von A nach B.
Die Konkurrenz an Stadtblogs und Magazinen in Zürich ist gross. Wie wollen Sie es schaffen, die Leser für sich zu gewinnen?
Mit relevanten und spannenden Geschichten. Ich glaube es gibt für jedes Portal in Zürich eine Niesche.
Wichtig dafür könnten prominente Gastautoren sein. Mit wem arbeiten Sie zusammen?
Für den Anfang befragt Radiomoderator Hannes Hug in seiner Video-Serie "Wo ane gaht's?" verschiedene Menschen unterwegs im VBZ-Netz. Zudem ist die Kolumne "Züri schlaflos" von den "Tages-Anzeiger"-Journalisten Thomas Wyss und Philippe Amrein online. Im Laufe der Zeit wollen wir mit weiteren Gastautoren zusammenarbeiten. Wir sind mit einigen im Gespräch.
Mit dem Online-Magazin wollen die VBZ neue Wege in der digitalen Kommunikation gehen. Veranstalten Sie künftig keine Pressekonferenzen mehr oder verschicken Medienmitteilungen?
Medienorientierungen mit den entsprechend relevanten Personen vor Ort wird es weiterhin geben, das ist keine Frage. Auch den Versand von Mitteilungen behalten wir bei, auch wenn sich die Form etwas verändert. Denkbar wäre, dass wir die Informationen in eine Geschichte verpacken, diese auf dem Online-Magazin veröffentlichen und den Link sowie wenige Informationen dazu in einem Mail an die Journalisten verschicken.
Wie reagieren diese darauf?
Viele Journalisten verstehen diese Art zu kommunizieren noch nicht. Das haben erste Erfahrungen, die wir mit dem Portal westnetz.ch gemacht haben, gezeigt.
Wieso dann die Umstellung?
Aus unserer Sicht bringt diese Art und Weise der Kommunikation den Vorteil, dass wir die Deutungshoheit unserer Inhalte nicht mehr komplett an die Journalisten abgeben. Die VBZ haben vor eineinhalb Jahren die digitale Kommunikationsstrategie überarbeitet. Seither denken wir von einem digitalen Nucleus aus. Das Internet hat unsere Gesellschaft grundlegend verändert und wird sie noch mehr verändern. EIn Blick in die Trams und Busse genügt, um wahrzunehmen, dass die Kommunikation mobil und individuell geworden ist.
Wie selbstkritisch sind die Geschichten, die die VBZ über sich erzählen?
Wir wollen kein Schokoladenportal sein. Bei heiklen Themen werden wir die Kritiker zu Wort kommen lassen, und gleichzeitig unsere Sicht der Dinge darlegen. Klar ist, bei vbzonline.ch weiss man, wer dahinter steckt. Leser eines Zeitungsartikel haben oftmals keine Ahnung von den Beweggründe des Autors, über ein Thema zu schreiben.
Ein kritisches Thema ist die Baustelle am Bellevue. Wie greifen Sie den Ärger der Kunden über Verspätungen und Umleitungen im Magazin auf?
Überraschenderweise ernten wir von den Fahrgästen viel Verständnis. Der Bellevue-Baustelle haben wir ein eigenes Dossier gewidmet. Mit einem Baustellen-Tagebuch berichtetn wir aktuell, und mit Artikel über den Caterer oder mit Einblicken in die städtebauliche Entwicklung hintergründig.
Welches Budget haben Sie für das Online-Magazin?
Die VBZ investieren 95'000 Franken. Wenn man sich anschaut, was Kommunikation sonst kostet, ist der Betrag überschaubar.
Was sind die definierten Ziele bis Ende Jahr?
Mit dem Magazin begehen wir komplettes Neuland. Eine gewisse Zahl an Klicks anzupeilen ist da schwierig. Wir wollen es schaffen, mit dem Magazin urbane Leser anzusprechen und ihnen den versprochenen Content zu liefern.
Die VBZ beschäftigen rund 2500 Mitarbeiter. Inwiefern nimmt das Magazin die interne Kommunikation ab?
Unsere Angestellten informieren wir über das Intranet, einen Blog sowie eine Mitarbeiterzeitschrift. Wir überlegen uns dann, welche Inhalte ins Online-Magazin passen würden. Umgekehrt wäre die aktuelle Kolumne eines Trampiloten, der sich über Baustellen freut, durchaus für das Heft denkbar.
Interview: Michèle Widmer, Bild: zVg.

