20.12.2017

Coopzeitung

«Wir haben uns strikt an den Duden gehalten»

Der aktuelle Titel der «Coopzeitung» sorgt für grosse Aufregung in den sozialen Medien. Heisst es nun «perfektes Weihnachten» oder «perfekte Weihnachten»? Die grösste Zeitung der Schweiz hat die erste Variante gewählt. Chefredaktor Silvan Grütter sagt warum.
Coopzeitung: «Wir haben uns strikt an den Duden gehalten»
Silvan Grütter, Chefredaktor der «Coopzeitung»: «Ich wusste, dass der Titel so nicht unbemerkt bleiben würde.» (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Grütter, Ihr Titel «Perfektes Weihnachten» sorgt im Internet für harsche Reaktionen. War diese verdeutschte Form notwendig?
Die Reaktionen sind freundlich ausgefallen, wir sind ja schliesslich in der besinnlichen Vorweihnachtszeit. Tatsächlich haben wir uns einfach strikt an den Duden gehalten. Und der sagt nun mal, dass Weihnachten, im Singular gebraucht, den Artikel «das» verlangt. Also «das Weihnachten» und demzufolge auch «perfektes Weihnachten». Tatsächlich verwenden wir in der Schweiz umgangssprachlich aber oft den Plural – daher das Missverständnis.

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Gab es bei der Produktion Diskussionen über den Titel?
Ja klar. Der Duden wurde gleich mehrmals und sehr gründlich konsultiert. 

Wie waren die Reaktionen Ihrer Leserinnen und Leser?
Es gibt Leute, die uns amüsiert auf den angeblichen Fehler hinweisen und dann ganz erstaunt sind, wenn wir ihnen die Erklärung dazu liefern.

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Unter uns: War «Perfektes Weihnachten» nicht auch ein Marketinggag?
Sagen wir es so: Ich wusste, dass der Titel so nicht unbemerkt bleiben würde…

Werden Ihre Weihnachten auch «perfekt»?
Sie meinen mein Weihnachten? Ich hoffe es doch sehr. Ich habe die Anleitung dazu in der «Coopzeitung» gründlich gelesen…

Sie sind nun gut seit einem halben Jahr Chefredaktor der «Coopzeitung» (persoenlich.com berichtete). Wie sind Ihre Erfahrungen?
Die Grösse und Kraft der Zeitung ist unglaublich. Stellen Sie sich vor: Auf unser Kreuzworträtsel antworten Woche für Woche fast 30’000 Menschen. Das sind unglaubliche Zahlen. Da erstaunt es auch nicht, dass es ein paar Reaktionen auf «das Weihnachten» gibt…

Was ist der grösste Unterschied zu Ringier, wo Sie vorher gearbeitet haben?
Bei der «Schweizer Illustrierten» kümmerte ich mich um Cervelat-Promis, in der «Coopzeitung» geht es um die richtige Wurst. Und das Personalrestaurant bei Ringier war besser. Aber Spass beiseite: In beiden Häusern wird hochprofessionell gearbeitet. Ich möchte die Zeit bei Ringier nicht missen, ich habe dort viel gelernt.

Wie wurden Sie als Zürcher in Basel aufgenommen?
Ich habe mich ganz gut assimiliert, glaube ich. Vergangene Woche wurde ich vom Magazin «Who is Who» in den erlauchten Kreis der 200 prominentesten Persönlichkeiten Basels gewählt. Das liesse sich eigentlich nur noch durch ein eigenes Sujet an der Fasnacht toppen.



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Kommentare

  • Kuno Waldis, 20.12.2017 14:09 Uhr
    Wenn es ein Gag sein soll, nun ja, offenbar steht man bei Coop auf Billigware. Hätte man statt des Rechtschreibdudens den Duden Nr. 9 "Richtiges und gutes Deutsch" befragt, wäre der Fall klar. Es wünscht kein Mensch "Fröhliches Weihnachten!". Auch "weisses Weihnachten" tönt falsch in unsern Ohren. Aber offenbar will man in Basel die Nähe zu Deutschland hervorstreichen. Verkaufen kann man ja immer noch in der Schweiz.
  • Annette Kirsch, 21.12.2017 08:16 Uhr
    Für mich als Deutsche klingt "Fröhliches Weihnachten" falsch, ganz falsch. Man verwendet das Wort auch bei mir zu Hause einfach immer im Plural. Man könnte wohl schreiben: "Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachten" im Sinne von "Weihnachtsfest". Aber dann muss zwingend der unbestimmte Artikel dabei sein.
  • sandra eser, 21.12.2017 10:06 Uhr
    Mit Verlaub, was man hier täglich an sprachlichen Finessen liesst... Da sollte sich wirklich niemand aufregen.
  • Rodolfo Keller, 21.12.2017 10:30 Uhr
    Sich auf den Duden zu berufen, ist nun ja wirklich die faulste Ausrede. Spätestens seit dem Moment, in dem der Duden die durch ein paar linke Kulturbürokraten aufgezwungene Schreibreform obrigkeitsgläubig und widerstandslos übernommen hat, ist der Duden nicht mehr glaubwürdig und hat als Referenz ausgedient. Neunzig Prozent der damals staatlich verordneten Verschlimmbesserungen wurden mittlerweile zwar zurückgenommen, aber an Glaubwürdigkeit hat der Duden damit nicht gewonnen. Darum der Rat von Journalist zu Journalist: Schreiben Sie so, dass Sie verstanden werden (Luther hat das schon vor fünfhundert Jahren treffend formuliert), und stecken Sie sich den Duden dorthin, wo er hingehört.
  • Luciano Gloor, 21.12.2017 14:26 Uhr
    Wofür die Linke alles herhalten muss... Wie auch immer, liege ich dermassen daneben oder ist Schweizerdeutsch "d'Wienacht" nicht weiblich? Geht es hier nicht um die geweihte, die heilige Nacht? Gut möglich, dass aus "die Weihnacht" bei der tatsächlich unsäglichen Rechtschreibreform "das Weihnachten" konstruiert wurde, das mir jedoch in Jahrzehnten nicht untergekommen ist und bei dem es im Plural eh nicht darauf ankommt, ob die betreffende Nacht nun ein Neutrum ist oder feminin. Sicher bin ich mir jedoch, dass "das Weihnachten" jedem Sprachgefühl widerspricht, ausser man meinte damit das substantivierte Verb "weihnachten"... In den Schaufenstern weihnachtet es jedes Jahr früher; im November ist das Weihnachten nicht mehr aufzuhalten.
  • Christof Gurber, 21.12.2017 14:50 Uhr
    Ganz schwache Reaktion von diesem Chefredaktor. Hinstehen und Fehler eingestehen, das hätte Klasse. Kann ja mal passieren
  • Rodolfo Keller, 21.12.2017 19:47 Uhr
    Lieber Herr Gloor – tut mir ja leid, dass «Die» Linke mal wieder für eine Untat herhalten muss. Aber seien Sie doch lieber froh, dass man «der» Linken überhaupt noch eine Wirkung zutraut. Wenn ich den ganzen Neuschreibungs-Unsinn der AfD in die Schuhe geschoben hätte, hätte ich jetzt Hunderte von Likes und Up´s. Aber immerhin sind wir uns im Sprachlichen einig: «Das Weihnachten» ist ein derartiger sprachlicher Bullshit (wenn ich es auf deutsch schreiben würde, würde ich garantiert zensiert …), dass es Linken wie Rechten wehtut. In diesem Sinne von Rechts nach Links: Fröhliches Weihnachten ...
  • Rennie Wyss, 21.12.2017 21:45 Uhr
    "Weisses Weihnachten" ist eine Variante, die nicht erst seit der Rechtschreibreform gebraucht wird, jedenfalls in Deutschland. Es gibt dafür 13'000 Belege laut Google-Suchmaschine. Für "Weisse Weihnachten" gibt es jedoch 119'000 Belege, und dies ist die einzige in der Schweiz übliche Form, es sei denn, man sage "Weisse Weihnacht". Wenn es denn bundesdeutsch sein soll, können wir auch gleich bei Aldi und Lidl einkaufen.
  • Tom Briner, 22.12.2017 12:01 Uhr
    In Deutschland sagt man auch die Tram und nicht das Tram. Tönt in meinen Ohren schrecklich, ist aber offenbar korrekt.

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