07.10.2022

Mediensprecherin des Jahres

«Wir müssen kaum je Geschichten stoppen»

Bettina Kunz von Flughafen Zürich ist Unternehmenssprecherin des Jahres 2022. Im Interview sagt die Kommunikationschefin, was die Coronapandemie und die Klimakrise für ihre Arbeit bedeuten. Zudem spricht sie über sehr kurze Deadlines von Journalisten.
Mediensprecherin des Jahres: «Wir müssen kaum je Geschichten stoppen»
«Die Coronapandemie hat die Aviatik-Branche in die grösste Krise ihrer Geschichte gestürzt»: Bettina Kunz ist seit dem Sommer Kommunikationschefin von Flughafen Zürich. (Bild: zVg)
von Michèle Widmer

Frau Kunz, wie häufig sind Sie im vergangenen Jahr geflogen?
Ich bin beruflich und privat insgesamt dreimal geflogen im vergangenen Jahr.

In den letzten Jahren haben Flugreisen aufgrund der Klimakrise einen etwas fahlen Nachgeschmack erhalten. Wie macht sich dieser potenzielle Imageschaden für das Fliegen in Ihrem Alltag bemerkbar?
Dieses Thema begleitet uns – und es ist eine unserer Aufgaben aufzuzeigen, dass nachhaltiges Fliegen möglich ist. Klimaschutz ist und bleibt eine der grossen Herausforderungen unserer Zeit, und auch die Luftfahrt muss ihren Beitrag leisten. Als Flughafen Zürich nehmen wir den Klimaschutz seit Jahrzehnten sehr ernst. So hat unser Unternehmen sich die Ambition gesetzt, die Treibhausgas-Emissionen bis 2040 auf Netto-Null zu senken.

Auch die Coronaflaute hat den Flugbetrieb stark gefordert. Wie war das Team in dieser Zeit aufgestellt? Was gab am meisten zu tun?
Ja, die Coronapandemie hat die Aviatik-Branche in die grösste Krise ihrer Geschichte gestürzt. An einem meiner ersten Arbeitstage bei Flughafen Zürich im April 2020 hatten wir 200 Passagiere – normal wären es um die 90'000. Das war keine einfache Zeit. In der Kommunikation hatten wir aber immer sehr viel zu tun, als Flughafenbetreiberin mussten wir auf die ständig ändernden Bestimmungen im In- und Ausland reagieren und unter anderem die Passagiere über die geltenden Regeln informieren. Auch die interne Kommunikation, mit unseren Mitarbeitenden im Homeoffice, in der Kurzarbeit oder an der Front war enorm wichtig. Wir wollten den Zusammenhalt auch in dieser schwierigen Zeit bewahren und unsere Unternehmenskultur stärken.

Danach folgte der drastische Personalmangel. Es waren Bilder mit langen Schlangen an Flughäfen zu sehen. War das für Sie bereits Krisenmodus?
Ich glaube, wir haben diesen Sommer gezeigt, dass wir den Betrieb in Zürich grundsätzlich im Griff haben, es kam bei uns nur vereinzelt zu längeren Wartezeiten – was es übrigens in den Hauptreisezeiten und zu Tagesspitzen vor Corona auch schon gab. Aber die internationale Abhängigkeit von ausländischen Flughäfen, gerade was zum Beispiel das Gepäck oder die Verspätungen betrifft, hat sich bei uns teilweise schon bemerkbar gemacht. Im Januar hatten wir noch rund 15'000 Passagiere pro Tag, im Juni waren es bereits rund 80'000. Dass nach über zwei Jahren Pandemie und dem Wiederhochfahren in so kurzer Zeit noch nicht alles ganz rund läuft, ist vielleicht nachvollziehbar.

Nun hat Sie das Medienmagazin «Schweizer Journalist:in» zur Unternehmenssprecherin des Jahres 2022 gekürt. Was freut Sie daran am meisten?
Mich freut es für unser Team, dass unsere tägliche Arbeit und unser Bemühen, den Journalistinnen und Journalisten einen möglichst vielseitigen Einblick in und ein vertieftes Verständnis für den Flughafenalltag zu ermöglichen, damit gewürdigt wurde.

Es ist das Urteil von 88 Journalistinnen und Journalisten. Sind sie überhaupt die Richtigen, um das zu entscheiden? Müsste der Titel nicht eher vom HarbourClub vergeben werden?
Klar, das sind unsere Kolleginnen und Kollegen aus der Branche – unsere direkte Anspruchsgruppe sind aber die Medienschaffenden. Mit ihnen haben wir praktisch täglich zu tun, sie können deshalb sicher genauer bewerten, wie wir als Medienstelle arbeiten.

«Falls das Timing für eine Geschichte mal grad nicht passt, versuchen wir in der Regel, diese zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen»

Sie seien «transparent und authentisch» und versuchten, «Geschichten zu ermöglichen», loben die Journalistinnen und Journalisten. Ist dieses Bild für Sie stimmig?
Das ist der Anspruch, den wir auch an uns selbst haben, ja.

Dennoch vertreten Sie in Ihrer Funktion die Interessen des Flughafens. Sie versuchten also sicher auch schon, eine Geschichte zu stoppen, anstatt sie zu ermöglichen. Verraten Sie uns: Was ist hierbei Ihre Strategie?
Das Schöne ist, dass wir kaum je Geschichten stoppen müssen. Vielleicht gibt es mal ein Thema, dass aus sicherheitsrelevanten, finanztechnischen oder politischen Gründen noch nicht ganz spruchreif ist. Aber das können wir meistens gut erklären und erhalten auch Verständnis dafür. Falls das Timing für eine Geschichte mal grad nicht passt, versuchen wir in der Regel, diese zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen.

Medienmitteilung, Newsletter oder Social Media: Was ist für den Flughafen Zürich der wichtigste Kanal für die Verbreitung von Informationen?
Wir nutzen verschiedene Kanäle. Zum einen natürlich die Medienmitteilungen, aber auch Social-Media-Beiträge oder unsere Website, die sehr rege genutzt wird. Am häufigsten haben wir Kontakt am Telefon oder per Mail, für Anfragen von Printmedien, Online-Plattformen oder R-TV-Stationen.

«Einen Trend, den wir feststellen, ist der Zeitdruck und damit die immer kürzere Recherchezeit von Journalisten. Das wird auch unsere Arbeit prägen.»

Es gibt wohl wenige Journalistinnen und Journalisten mit Aviatik-Fachwissen. Auch, weil die Medien auf den Redaktionen immer mehr sparen. Wie spüren Sie diesen Spardruck in der Zusammenarbeit mit den Journalistinnen und Journalisten?
Die grösseren Medien haben nach wie vor ausgewiesene Aviatik-Expertinnen und -Experten. Was wir fast stärker spüren, ist der Zeitdruck, unter welchem Journalistinnen und Journalisten heute manchmal arbeiten müssen.

Wie zeigt sich das konkret? Können Sie ein Beispiel machen?
Medien nennen uns häufig sehr kurze Deadlines für die Beantwortung der Fragen. Vor allem die Leserfoto/Newsscout-Anfragen pressieren jeweils.

Welche Trends beobachten Sie? Wie könnte sich die Arbeit Ihres Teams in den nächsten zwei oder drei Jahren weiterentwickeln?
Ein Trend, den wir feststellen, ist der angesprochene Zeitdruck und damit die immer kürzere Recherchezeit von Journalisten. Das wird auch unsere Arbeit prägen. Ausserdem kommen laufend neue Medien und Kommunikationsformen dazu, die wir in unsere Kommunikationsklaviatur aufnehmen wollen.

Sie seien als Team ausgezeichnet worden, schreiben Sie in der Pressemitteilung. Wie feiern Sie den Titel als solchen gemeinsam?
Wir werden uns gemeinsam die Zeit nehmen, in einem guten Rahmen darauf anzustossen.



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