TV-Kritik

Ertragsarm wie der Erlös der Presse

«Wer investiert noch in Journalismus?», lautete die Frage von Franz Fischlin am Dienstag im «Medienclub». Einer seiner Gäste tut es – in Lokaljournalismus: Christoph Blocher kaufte im Sommer 25 Gratiszeitungen in der halben Schweiz zusammen (persoenlich.com berichtete).

Wir kennen es seit Jahren: Den Zeitungsverlagen brechen die Werbeeinnahmen weg, die Abozahlen befinden sich im Sinkflug, denn junge Menschen kaufen keine Zeitungen mehr. Massive Sparmassnahmen und Kooperationen sind die Folge. Wirtschaftsjournalisten schreiben heute über die eigene Branche. Krisen können durch ihre Interpretation allerdings auch verschlimmert werden.

«Die Kosten sind nicht den Erträgen angepasst», sagte Blocher. Und: «Zeitungen müssen wirtschaftlich sein. Wer auf die Länge Geld verliert, stirbt.» Der Investor ist Miteigentümer der «Basler Zeitung»: «Als wir die Zeitung kauften, machte sie zwölf Millionen Franken Verlust pro Jahr. Heute rentiert sie.» Blocher bestätigte in der Sendung, dass die BaZ und die «Südostschweiz» eine Kooperation planen. Das bereitet SP-Nationalrätin Jacqueline Badran Sorgenfalten, ebenso der bürgerliche Kurs der BaZ.

Weniger Journalisten schreiben für mehr Zeitungen – Mantelkonzepte und das Bündeln von Kräften sind weiss Gott keine Neuerfindung: Die AZ Medien tun es, die «Südostschweiz» tut es, die NZZ tut es und der Tagi tut es in Bälde auch. Arthur Rutishauser, Chefredaktor von «Tages-Anzeiger» und «SonntagsZeitung» sieht darin keine Probleme. Er findet, dass die Vielfalt der Medien (mit all den Portalen) in der Schweiz noch nie so gross war. WOZ-Redaktionsleiterin Susan Boos («Wir leben von den Abonnenten, nicht von Anzeigen») wittert wegen Mantelteilen gleichförmigen, zahnlosen Journalismus. 

Sollen Zeitungen subventioniert werden? Arthur Rutishauser hält das mit Recht für «zu gefährlich». Den Chefredaktor stört massiv, dass sich die SRG im Internet mit Gratisangeboten laufend noch breiter macht. Christoph Blocher wies darauf hin, dass die Post Verträger-Organisationen zusammengekauft hat und die Preise danach gestiegen sind. «Da könnte der Staat etwas machen!» Die Zeitungsbranche muss sich selbst retten.

Doch für die Linken soll die öffentliche Hand auch bei den Medien Überhand nehmen. Jacqueline Badran: «Man kann zuschauen, wie die vierte Gewalt zugrunde geht. Da bleibt nur noch die öffentliche Finanzierung.» Das Wort «Subvention» findet die SP-Politikerin in diesem Zusammenhang «abartig». Sie ist SRF-Fan und findet, dass die SPler in den Zeitungen zu kurz kommen. Badran sagt bereits den Print-Tod voraus, meinte aber kurioserweise zu Beginn der Sendung: «Wenn ich Geld hätte, würde ich auch in die Medien investieren. Mit Vollgarantie.»

Für Blocher hingegen haben gedruckte Zeitungen eine Zukunft, auch wenn es weniger Blätter sein werden. Der Unternehmer meint: «Das Internet kann Zeitungen für gründliche Leser nicht ersetzen.» Über die Gratisinhalte der Verlage im Internet sagte er: «Ich wäre als Unternehmer nie auf die Idee gekommen, ein Produkt zu entwickeln, um es dann zu verschenken.» Einig war sich die gut aufgelegte Runde, dass der Journalismus vor 20 Jahren nicht besser war als heute. Trotzdem: Manche Leute haben eine schlechte Meinung von den Zeitungen. Aber von den Zeitungen ihre Meinung. Das Thema «No Billag» wurde nur ganz kurz gestreift. Am Freitag wird sich die «Arena» damit beschäftigen.

Zuletzt noch dies: Jacqueline Badran, deren Genossen die gesamte Sozi-Presse schon vor Jahrzehnten in die Pleite geritten haben, konnte es auch im «Medienclub» nicht lassen. Sie schwarzmalte über den Einfluss von Christoph Blocher als Verleger: «Wer die Medien kontrolliert, kontrolliert die Köpfe der Leute.» Badran lebt in der Stadt Zürich. Merke: Diese wird trotz den Gratiszeitungen von SVP-Vizepräsident Walter Frey von einer rot-grünen Mehrheit regiert.

Würde Blocher eine Bierbrauerei kaufen, käme von linken Bedenkenträger wohl der Vorwurf, er schade der Volksgesundheit. Und beim Erwerb einer Strumpffabrik dürften sie anmahnen, dass sich böse Männer mit Nylons immer wieder für Raubüberfälle maskieren.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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KOMMENTARE

Matthias Hagemann
02.11.2017 12:28 Uhr
Als Tito Tettamanti die BaZ kaufte, was sie break even (Januar 2010).
Samuel Zumbuehl
02.11.2017 01:55 Uhr
Was ist daran schlecht, wenn Herr Blocher in Zeitungen investiert? Es sei daran erinnert, dass es Privatiers und Unternehmer waren, die die ersten Zeitungen überhaupt gründeten! Zeitungen entstanden auf private Initiative, und nicht durch den Staat! Die besten Zeitungen heutzutage wurden von Privaten initiiert. Wenn ich die Basler Zeitung, die Weltwoche oder dieWOZ lese, weiss ich, auf was ich mich einlasse. Übrigens: Herr Blocher und die WOZ-Chefredaktorin waren die Charmantesten in dieser Runde. Obwohl politisch sehr gegensätzlich, fiel auf, dass sich die beiden irgendwie mochten. Vielleicht weil beide nicht Mainstream sind. Frau Badran war - ganz ihrer Rolle gerecht - die Sozialistin und Staatsnahe, auch sie im Prinzip gescheit, mit Unterhaltungscharakter. Der TA-Chefredaktor war m.E. der Uncharmanteste von der Vieren. Trocken. Unsympathisch. Ein Geldmaximierer halt. Das Ziel der Tamedia ist ja nicht einfach Gewinn, sondern Gewinnmaximierug. Erst an zweiter Stelle kommt sowas wie Publizistik. Als er von qualitativ hochstehenden Printprodukten aus dem Hause Tamedia sprach, wuchs seine Nase ziemlich in die Länge, und ich lachte mir einen Schranz in die Hose. Er wäre lieber im Tamedia-Büro geblieben, um die Cashcow "20 Minuten" zu melken, resp. um Klicks zu zählen. Nein, die Tamedia AG war die unglaubwürdigste in dieser Runde.
Samuel Studer
01.11.2017 18:33 Uhr
Die Polemik zum Schluss des Artikels halte ich für wenig erhellend. Die Diskussion über Medien(ohn)macht ist keine neue. Immerhin: es gäbe wohl renditestärkere Investments als die BaZ. Es ist deshalb nicht komplett abwegig anzunehmen, auch Herr Blocher unterstelle den Massenmedien eine gewisse politische Wirkung. Frau Badran, die Ihnen offensichtlich als rotes Tuch gilt, dürfte in diesem Punkt also sogar eine gemeinsame Schnittmenge mit Herrn Blocher ("ich ktlritisiere die Journalisten, weil sie wichtig sind") aufweisen. Aber eben. Hier geht es wohl eher um Polemik.
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