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Bärendienst mit falschem Wolf erwiesen

Christian Beck

Was ist lustig? Diese Frage ist in den letzten Tagen aktueller denn je. So wurde «Deville» von den SRG-Ombudsleuten dafür kritisiert, die Abstimmung zu der Konzernverantwortungsinitiative beeinflusst zu haben (persoenlich.com berichtete). Dominic Deville reagierte am letzten Sonntag auf die Rüge mit dem Einblender «Dauersatiresendung». Ich fand das ziemlich originell. Ist es aber auch lustig, wenn SRF dem Regionalsender TeleZüri falsche Informationen zusteckt? Nein, definitiv nicht.

Das SRF-Comedy-Format «Zwei am Morge» wollte ein neues Internet-Meme kreieren. Dafür belieferten die Comedians Julian Graf und Ramin Yousofzai verschiedene Medien, darunter auch TeleZüri, gezielt mit Fake News über eine angebliche Wolfssichtung am Zürcher Üetliberg. Belegt wurde dies mit einem Foto. Dazu servierten sie TeleZüri den Augenzeugen Albion Ademi, der auf Nachfrage des TV-Senders nochmals versicherte, den Wolf wirklich gesichtet zu haben. Kaum verwunderlich also, wurde Ademi schliesslich zum Protagonisten eines Newsbeitrags von TeleZüri.

Wie sich nun herausstellte, war der Wolf am Waldrand kein lebendiger, sondern ein ausgestopfter. Die Comedians hatten ihn angeschleppt und fotografisch in Szene gesetzt. Und der Spaziergänger Albion Ademi, der TeleZüri Rede und Antwort stand? Ein Schauspieler, bezahlt von SRF.

Über Geschmack lässt sich streiten. Dass aber SRF bewusst TeleZüri hinters Licht führt, ist in Zeiten, in denen Medien ohnehin um Vertrauen kämpfen, fragwürdig. Vier Jahre lang bezichtigte Noch-US-Präsident Donald Trump die Medien fast täglich, Fake News zu verbreiten. Wenn nun ganz bewusst Falschmeldungen inszeniert werden, ist dies der Sache alles andere als dienlich.

SRF verteidigte sich gegenüber Blick: «Bei ‹Zwei am Morge› handelt es sich um einen Comedy-Kanal. Da gehört es dazu, verschiedene Akteure auf die Schippe zu nehmen.» Ja, aber sicher nicht andere Medien – und vor allem nicht im Informationsbereich. Hier hat SRF definitiv eine Grenze überschritten. Und zwar eine moralische.

Für die «Zwei am Morge»-Moderatoren ist der Plan aufgegangen, sie haben für einen viralen Hit gesorgt. Das gebührenfinanzierte SRF aber hat sich mit dieser Aktion ins eigene Bein geschossen. Nicht die Glaubwürdigkeit von TeleZüri hat mit diesem «Spass» gelitten, sondern jene von SRF.



Christian Beck ist Redaktor von persoenlich.com.

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Kommentare

  • Andreas Wullschleger, 10.12.2020 09:24 Uhr
    Wenn die Verlage und Privaten nur etwas zu jammern haben... Wo bleiben eure Jugend-Formate? Ausser Ringier mit dem erfolgreichen Izzy und dem gescheiterten Venty von Tamedia, kann kein Schweizer Format Zwei am Morge das Wasser reichen. Zwei am Morge ist sehr erfolgreich und genau das, was SRF braucht, um ein junges Publikum anzusprechen (ich zähle mich da mit ein). Das Format unterhält, informiert (z.B. das Interview mit Berset auf Instagram) und nimmt sich die Freiheit, als Format für die "Jungen" einem anderen Konzept zu folgen, als man dies von SRF erwarten würde. Und genau das ist der USP. Ich persönlich finde meine Gebühren gut platziert und hoffe, dass Zwei am Morge noch lange weiter macht und weiter für Unterhaltung sorgt. P.S. Die "Dauersatiresendung" hat schon Stefan Raab gemacht und ist lustig aber keineswegs originell oder neu.
  • Andreas Häuptli, Verlegerverband SCHWEIZER MEDIEN, 09.12.2020 17:47 Uhr
    "Zwei am Morge" ist als "Sendung" ein sehr gutes Beispiel aus der SRF-Digitaloffensive für fehlgeleitete Service-Public-Gelder. Dies in mehrfacher Hinsicht: Erstens haben die "Sendungen" keinerlei Gehalt, der etwas mit Service Public zu tun hätte. Zweitens werden hier frontal die Privaten konkurrenziert. Drittens tragen zwei Externe Komiker nichts zur Bindung der Jungen an die Marken SRG/SRF bei.
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