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Die Chance und die Gefahr

Pierre Rothschild

Axel Springer will die Flucht nach vorne antreten. Und es geht um Geld. Gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR will man jetzt zum Global Player werden, will bei Käufen mitbieten können, wo man bis jetzt von Anfang an wusste, dass man das Geld nicht hat.

Neu ist das alles nicht. Schon vor Jahren kaufte sich der US-Investor Carlyle bei Getty Photos ein, konnte den Anteil aber nie weiterverkaufen und gab ihn dann – mit einem Abschlag – an die Getty-Familie zurück. Doch bei diesem Deal ging es um die grösste Fotoagentur der Welt, um nicht mehr, nicht weniger.

Wenn Springer und KKR jetzt gemeinsam aktiv sind, geht es vor allem um Internet-Anzeigen-Portale in aller Welt. Matthias Döpfner, der den Verlag weit nach vorne gebracht hat, will mit seinem Haus eine globale Marktmacht werden. Das kostet Milliarden.

Die Chance ist auch eine Gefahr. Investoren wie KKR bleiben nie lange an Bord, nach fünf oder zehn Jahren müssen sie mit Gewinn verkaufen. Um dies so gut wie möglich zu tun, wird in den Jahren, in denen sie beteiligt sind, jedes Detail hinterfragt. Denn man verkauft mit Multiples, in diesem Geschäft können sie leicht zwischen 10 und 15 liegen. Das heisst: jede Million Gewinn schlägt beim Verkauf mit 10 bis 15 Millionen zu Buche. Da wird oft extrem gespart und geprüft, das kann auch die Beteiligungen bei Ringier treffen.

Die «Ehe» mit KKR ist anstrengendes Glück auf Zeit. Denn die Finanz-Profis aus Manhattan versprechen ihren Investoren hohe Gewinne und verkaufen an sozusagen alle, die das bezahlen können. Das sind oft Staatsfonds oder Pensions-Kassen. Sie könnten auch in Ländern sein, die auf der politischen Landkarte von Springer ungeliebt sind.

KKR ist die zweitbeste Lösung. Besser hätte sich Springer einen Partner gesucht, der – wie etwa Rupert Murdoch – in der Branche ist, politisch gleich denkt und Geld hat. Das wäre für eine sichere Zukunft besser.



Pierre Rothschild ist freier Medienunternehmer in Zürich in den Bereichen Filmproduktion und Presse.

Unsere Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

 

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