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Medienförderung an der Realität vorbei

Moreno Cavaliere

Die Eidgenössische Medienkommission (Emek) hat am Dienstag in Bern neue Ideen für die Medienförderung vorgeschlagen. Im Grundsatz begrüsse ich das Hinterfragen von in die Jahre gekommenen Systemen. Die Konklusionen, dass ein Medien- und Öffentlichkeitswandel stattfindet und Reformen gefragt sind, sehe ich genauso.

Es gilt allerdings zu berücksichtigen, dass heute immer noch ein Grossteil derjenigen Leute, die zum Beispiel an die Urne gehen, sich sehr traditionell über Medien informieren. Das heisst, dass diese Personen relevant für die Demokratie sind. Diese Zielgruppe gilt es unbedingt weiterhin mittels Qualitätsjournalismus zu erreichen. Ob national, regional oder lokal macht dabei keinen Unterschied. 

Es besteht schneller Handlungsbedarf, und die Medienanbieter sollten deshalb von bestehenden, bisherigen Modellen weiterhin profitieren können, um nicht in arge Notstände zu kommen. Die Emek-Verantwortlichen sind ihr Positionspapier offensichtlich sehr theoretisch angegangen, ohne Einbezug der Macher in den Märkten. Ich gehe davon aus, ihre Konzepte würden mit höchster Wahrscheinlichkeit in der Realität – in der Politik, am Markt und bei den Wählerinnen und Wählern – brutal scheitern. Die Zeitachse könnte zum echten Problem werden.

Wenn man die Emek-Zeilen liest, entsteht der Eindruck, als dass morgen schon nur noch digitale Medien die Schweiz beherrschen und keine Printleserinnen, Radiohörer und Fernsehzuschauerinnen mehr existieren würden. Wenn man die Verteilung der Werbeinvestitionen anschaut, sieht man zwar den Wandel hin zur Digitalisierung in allen Facetten. Aber es gibt wohl auch noch eine sehr lange Zeit eine hybride Mediennutzungswelt.

Sehen Sie sich das Beispiel des Tessins an. Ich bin seit vielen Jahren professionell mit diesem Markt verbunden und erkenne ein komplett anderes Mediennutzungsverhalten als in der Deutschschweiz. Und wenn die Emek die regionalen Eigenheiten der Landsteile aussen vorlässt, dann irritiert mich das schon etwas. Zudem finde ich nicht gut, dass man der SRG mit diesem Modell «Artenschutz» erster Güte gewähren will. Geht doch gar nicht.

Wenn man die von der Emek vorgeschlagenen Veränderungen mit den Zielen des Verlegerverbands Schweizer Medien (VSM) und weiteren Verbänden koppeln würde, hätte das richtig gutes Erfolgspotenzial. Der VSM spricht von fördern, fordern, schützen und stützen. Und meint dabei neue Wege der Medienförderung sowie das eminent wichtige Leistungsschutzrecht.



Moreno Cavaliere ist Geschäftsführer und Inhaber von Ad.X, Delegierter der Gruppo Corriere del Ticino sowie
Vorstandsmitglied des Verbands Schweizer Regionalmedien (VSRM).

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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