12.12.2019

Journalisten im Web 2019

Social Media als Taktgeber und Newsticker

Wie nutzen Medienschaffende Social Media für ihre Arbeit? Was schätzen sie an den Plattformen, wo sind sie skeptisch? Zum dritten Mal veröffentlichen Bernet Relations und die ZHAW eine Studie dazu. Basis dafür bildeten Interviews mit 20 Journalisten.

Social Media ist nicht mehr wegzudenken aus dem journalistischen Alltag und nimmt darin eine zentrale Rolle ein. Die Medienschaffenden bleiben dennoch ambivalent bezüglich Qualität und Verlässlichkeit der Quellen sowie des Nutzens beim Publizieren und des Publikumsdialogs. Seit 2015 gaben Schweizer Journalisten in rund 60 Gesprächen Auskunft über ihre Nutzung des Social Webs. Die Resultate erscheinen jetzt als Publikation «Journalisten im Web 2019» zusammen mit Empfehlungen für Medienschaffende und Kommunikations-Profis, wie es in einer Mitteilung heisst.

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Im zweiten Halbjahr 2019 führten Bernet Relations und das Institut für Angewandte Medienwissenschaft IAM der ZHAW die dritte Runde an qualitativen Interviews durch mit 20 ausgewählten Schweizer Journalistinnen und Journalisten. Im Fokus standen die Tätigkeiten Recherchieren, Publizieren und Diskutieren. Zudem wurde nach der Organisation der Social-Media-Aktivitäten gefragt. Wie schon in früheren Befragungen fällt die ambivalente Haltung der Medienschaffenden auf. «Die Journalistinnen und Journalisten schätzen den Nutzen von Social Media und sind fasziniert von dessen Möglichkeiten. Gleichzeitig wären sie gerne weniger darauf angewiesen», wird Guido Keel, wissenschaftlicher Studienleiter IAM ZHAW, in der Mitteilung zitiert.

Recherchieren: Themenmonitor und Quellenqualität

Social Media kommt bei fast allen Medienschaffenden hauptsächlich bei der Recherchearbeit zum Einsatz. Soziale Medien liefern zudem wichtige Hinweise auf die Relevanz von Ereignissen. Im Sport- oder People-Journalismus ergänzen insbesondere der Facebook- und Instagram-Auftritt die Hintergrund-Recherche zu den Interviewpartnern. Das Abgleichen mit Journalistenkollegen hilft bei der Absicherung und Einordnung. Neue Regeln zur Quellenüberprüfung bei Informationen aus Social Media gibt es nicht. Sich ausschliesslich auf Social-Media-Quellen zu verlassen, finden die meisten der Befragten jedoch problematisch. 

Publizieren: Viralität und Twitter-Bubble

Medienschaffende setzen Social-Media-Kanäle gezielt ein, um auf Artikel und Beiträge aufmerksam zu machen. Zudem erweitert das Social Web das Publikum geografisch wie auch demografisch. Warum eine Geschichte online besonders gut ankommt, bleibt schwierig zu wissen. Ein Befragter sagt: «Ich habe das Gefühl, dass man bei der Frage, was auf Social Media funktioniert, extrem viel reininterpretieren kann.» Journalisten gehören zudem zu den eifrigsten Twitter-Followern von anderen Berufskollegen. Dieser Umstand trägt so zu einem gewissen Bubble-Phänomen bei.  

Diskutieren: Zwischen Telefon und Troll

Ob und wie ein Journalist Social Media für den Dialog mit seiner Leserschaft nutzt, unterscheidet sich von Medium zu Medium. Bei einigen Befragten lassen Diskussionen mit der Leserschaft eine Folgegeschichte entstehen; andere wiederum erachten den Online-Dialog eher als Einbahnstrasse. Einigkeit herrscht, dass die wirklich relevanten Dialoge nicht auf Social Media stattfinden. «Ein Austausch beginnt auf Facebook oder Twitter. Sobald die Recherche vertiefter wird, wechseln die Journalisten zum persönlichen Gespräch», sagt Irène Messerli, Co-Herausgeberin bei Bernet Relations. Das unschöne Phänomen der Trolle und Hass-Kommentare kennen alle Befragten. Hier ist das Ignorieren die am häufigsten gewählte Strategie. Gleichwohl zeigt sich: nimmt man sich die Zeit und sucht den digitalen Austausch, normalisiert sich der Dialog. 

Für Journalisten und Kommunikationsverantwortliche

Social Media für den unkomplizierten, schnellen und zeitversetzten Dialog zu nutzen, schätzen Kommunikationsprofis und Journalisten gleichermassen. Ein persönliches Treffen ersetzt er aber nicht. Mit dem steigenden Zeitdruck und der Fülle an Online-Quellen schwindet die Beliebtheit der Medienkonferenzen oder Events.

Sehr offen zeigen sich die Medienschaffenden gegenüber neuen Online-Quellen und Informationsformen. So gewinnen Fachexperten und Corporate Influencer als neue Quelle bei den Journalisten an Bedeutung. Dominik Allemann, Co-Herausgeber bei Bernet Relations sagt: «Oft verlassen die Journalisten ihre Redaktionen kaum mehr aufgrund des Zeitdrucks – via Social Media erhalten sie aber spannendes und relevantes Kontextwissen.» Dies eröffnet den Kommunikationsprofis und den Experten aus den Unternehmen die Chance, sich mit innovativen Informations- und Austauschformaten abzuheben.»



Die vollständige Studie «Journalisten im Web 2019», welche in Zusammenarbeit des IAM der ZHAW und Bernet PR erarbeitet wurde, kann hier kostenpflichtig bestellt werden.



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