13.05.2021

Serie zum Coronavirus

«Ich präsentiere mein Album stumm»

Die Sängerin Rislane reagiert in der Zürcher Photobastei auf ungewöhnliche Weise auf den Lockdown. Wie sie in Folge 175 unserer Serie sagt, nutzte sie die Zeit für eine Kunstinstallation.
Serie zum Coronavirus: «Ich präsentiere mein Album stumm»
«Mir hat es schlichtweg die Stimme verschlagen», sagt Sängerin Rislane El Harat. (Bild: zVg)
von Matthias Ackeret

Frau El Harat, was macht eigentlich eine Sängerin in der Jetztzeit, wenn sie nicht singen darf?
Ich habe die Zeit genutzt, um eine Kunstinstallation zu realisieren. Die Installation beinhaltet desertierte Bühnenoutfits, Bilder, noch nicht veröffentlichte Songtexte und eine Performance, in welcher ich mein unveröffentlichtes Album «Newland» stumm dem Publikum präsentiere.

Diese Performance, in der Sie auf das Verstummen aufmerksam machen, veranstalten Sie in der Photobastei Zürich. Wie sind Sie auf diese ungewöhnliche Idee gekommen?
Mir hat es schlichtweg die Stimme verschlagen. Ich konnte mich nicht, wie viele meiner Kollegen, ins Songwriting stürzen. Ich war mit der Situation überfordert, fühlte mich von den Menschen getrennt und «stummgemacht». Eben «Muted». «Muted» steht für das Verstummen, das uns Bühnenkünstlerinnen und -künstler im Zuge der Pandemie aufgezwungen wurde. Aber auch für Hoffnung, Mut und Transformation. Die Seele der Musik liegt für mich in der Begegnung mit den Menschen. Es ist eine gemeinsame Erfahrung. Nichts was man auf Dauer allein zu Hause zelebrieren kann. So habe ich nach einer Lösung gesucht, im geschützten Rahmen Kultur zu bieten und mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben.

Wie reagieren die Zuschauerinnen und Zuschauer auf eine Sängerin, die nicht singt?
Das ist ganz unterschiedlich. Die einen tanzen und klatschen. Andere wiederum werden ganz andächtig, setzen sich hin und lauschen. Die meisten sind sehr berührt und geniessen einfach den Moment.

«Man spürt viel Mitgefühl»

Sie sitzen jeweils im Raum und sind im Augenkontakt mit Ihrem jeweiligen Gegenüber. Wie reagieren diese darauf?
Sie reagieren super. Das ist ja keine Riesen-Show, sondern ein aufrichtiger Moment zwischen Künstlerin und Publikum. Man spürt viel Mitgefühl. Und unter Musikerinnen und Musikern schweisst das zusammen.

Besteht da nicht das Bedürfnis, das Schweigen durch Sprechen zu unterbrechen?
Nach der Vorstellung bietet sich immer die Gelegenheit, sich kurz auszutauschen, unsere Gäste wissen das. Darum klappt's eigentlich ganz gut.

Wie viele Konzerte und Aufführungen mussten Sie im vergangenen Jahr absagen?
Das habe ich so nie ausgerechnet, aber vor der Pandemie stand ich drei- bis fünfmal pro Woche auf Bühnen im In- und Ausland. Hinzu kommt die Albumtour, die gar nie erst fix gebucht werden konnte. Einzig die Aufführungen im Theater Rigiblick im Park liefen reduziert weiter. Da kommt schon was zusammen.

Sie erwähnten es: Ihr Album «Newland» wurde nie veröffentlicht. Kommt es zu einem späteren Zeitpunkt auf den Markt?
Das wäre zumindest der Plan, jedoch möchte ich warten, bis die Konzerte wieder richtig anlaufen und wir mit dem Album auf Tour gehen können. Bis es so weit ist, werde ich weiterhin einzelne Songs veröffentlichen. Wen es vorher gluschtet, das ganze Album ist an meiner Ausstellung «Muted» zu hören.


Was bedeutet dies für Sie, haben Sie sich auch mal ernsthaft überlegt, einen anderen Beruf auszuüben?

Kurz darüber nachgedacht habe ich schon, aber diese Vorstellung gleich wieder zur Seite geschoben. Ich lebe vom und für das Singen.

Wenn Sie auf die vergangenen 12 Monate zurückschauen, was war für Sie das prägendste Erlebnis?
Die Perspektivlosigkeit, die so viele Menschen jetzt betrifft, und das Ausgeliefertsein.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com regelmässig eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier.



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