19.11.2021

20 Jahre Flowcube

«Ich habe meinen Lebenstraum erfüllt»

Alfredo Schilirò hat 2001 in Zürich eine PR-Agentur gegründet und hat in dieser Zeit den Wandel der Medienbranche hautnah miterlebt. Aus dem Zweimannunternehmen ist eine edle Kommunikationsboutique mit einem breit gefächerten Kundenstamm geworden.
20 Jahre Flowcube: «Ich habe meinen Lebenstraum erfüllt»
«Ich habe das Geld, das ich verdient habe, immer sogleich ausgegeben», so Alfredo Schilirò, Gründer und Inhaber von Flowcube. (Bilder: Nora Dal Cero, Flowcube)
von Matthias Ackeret

Herr Schilirò, was gab für Sie den Ausschlag, sich vor zwanzig Jahren selbstständig zu machen?
Als ich Mitte der 1990er-Jahre in die Schweiz zurückkam, wollte ich ursprünglich nur drei Monate bleiben. Ich war zuvor während zwölf Jahren im Ausland, Zürich war nur als kurzer Zwischenstopp gedacht. Doch ich merkte rasch, dass hierzulande eine Zeit des Aufbruchs war, auch auf dem Arbeitsmarkt. So arbeitete ich zuerst drei Jahre bei der FMH, anschliessend drei Jahre beim Migros-Genossenschafts-Bund. In dieser Zeit wurde mir definitiv klar, dass ich lieber Unternehmer bin als Angestellter.

Wie merkten Sie dies?
Ich hatte einfach Lust, etwas Eigenes aufzubauen. Die Sprache und was man damit bewegen kann – ob in der Literatur oder viel profaner im Alltag –, haben mich zudem immer fasziniert. Plötzlich reifte die Idee einer eigenen PR-Agentur. Ich hatte weder einen Businessplan noch sonst Karrieregedanken im Hinterkopf. Zürich war Anfang des Jahrtausends wirklich ein cooler Platz und in Aufbruchstimmung. In dieser Zeit bezog ich eine der ersten Loftwohnungen im trendigen Steinfelsareal und war vom dortigen Zeitgeist sehr fasziniert und wohl auch beeinflusst. Für mich gab es nur Möglichkeiten und Indizien genug, um meinen Traum zu erfüllen. Gut, ich war sicherlich ein bisschen blauäugig …

Inwiefern? Hatten Sie überhaupt Kapital?
Kapital? (Lacht.) Nein, ich habe das Geld, das ich verdient habe, immer sogleich ausgegeben. Für die Startfinanzierung habe ich einen Vorbezug bei der Pensionskasse gemacht und die wenigen finanziellen Reserven, die ich hatte, aufgelöst. Das musste für die Gründung der Aktiengesellschaft, die Anschaffung der nötigen Infrastruktur, die Büromiete und einige Monate Basislohn reichen. Ich habe die Agentur mit meiner ehemaligen Chefin beim Migros-Genossenschafts-Bund, der langjährigen Leiterin der Unternehmenskommunikation Maja Amrein, gegründet. Am Anfang waren wir sogar zu dritt. Diese Person ist aber dann nach wenigen Monaten wieder ausgestiegen. Maja und ich hatten jedoch den gleichen Spirit, und sie wollte nach zehn Jahren auch etwas Neues wagen.

«Wir hatten weder Kunden noch die Erfahrung, wie eine Agentur funktioniert»

Wie verlief der Start?
Der war hart. Wir hatten weder Kunden noch die Erfahrung, wie eine Agentur funktioniert. Zudem sagten viele meiner Kolleginnen und Kollegen, dass es in Zürich bereits genügend PR-Agenturen gäbe. Viele haben mir abgeraten, mich auf ein solches Abenteuer einzulassen. Es gab jedoch einige, die mir das zugetraut haben.

Aber Sie hatten einen guten Namen.
Flowcube? Das ist wie Schilirò, relativ schwierig auszusprechen. Unser Name – fliessender Würfel – widerspricht jeglicher Lehrbuchtheorie, wonach ein Firmenname immer einfach klingen sollte. Doch er war plötzlich da. Rückblickend gesehen, könnte ich mir keinen besseren vorstellen.

2001 kam wirklich alles zusammen: von Nine Eleven bis zum Swissair-Grounding. Für eine Firmengründung wohl der ungünstigste Moment.
Zugegeben, die ersten drei Jahre haben uns wirklich viel abverlangt. Aber für mich war klar, dass wir ausser dem Kapital, das wir in das Unternehmen investiert hatten, nicht viel verlieren konnten. Wer einen solchen Entscheid fällt, geht immer ein gewisses Risiko ein. Heute bin ich überzeugt, dass gerade diese Zeit, mit all ihren Schlüsselereignissen, der perfekte Moment war, um Weichen zu stellen.

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Hat sich die Branche in den letzten zwei Jahrzehnten verändert?
Zweifelsohne, vor allem wegen der Instrumente, die heute angewendet werden. Ich muss vorausschicken, dass wir in den Bereichen Brand-PR, Unternehmenskommunikation und Krisenkommunikation tätig sind. Für viele Kunden decken wir die gesamten Media-Relations ab und führen die Pressestellen. Deswegen spüren wir die Veränderungen innerhalb der Medienbranche auch direkt und sehr stark.

Ist es schwieriger geworden, die Botschaften zu platzieren?
Ja, auf jeden Fall. Ich bin froh, dass ich dieses Business nun zwanzig Jahre mache und wir uns in dieser Zeit ein gutes Netzwerk aufbauen konnten. So verfügen wir über wertvolle Kontakte zu Lifestyle- und Wirtschaftsjournalisten in allen Sprachregionen. Die Abdeckung der welschen Schweiz und des Tessins durch eine Deutschschweizer Agentur ist überhaupt nicht Usus und ein Mehrwert, den Flowcube bietet. Für eine PR-Agentur wird es schwierig, wenn sie kein professionelles Gegenüber hat, bei dem sie ihre Botschaft platzieren kann. Auf der anderen Seite kann man die Botschaften dank der sozialen Medien auch direkt verteilen. Das war vor zwanzig Jahre noch nicht möglich, und das digitale Marketing hat die Branche zweifelsohne grundlegend verändert. Es ist wichtig, dass man als PR-Agentur diese Disziplin abdecken kann. Deswegen haben wir uns in den letzten Jahren auch in diesem Bereich gut aufgestellt.



Das ganze Interview mit Alfredo Schilirò erschien in der November-Printausgabe von «persönlich».

Flowcube wurde 2001 von Alfredo Schilirò und Maja Amrein gegründet, seit acht Jahren ist er alleiniger Eigentümer. Flowcube hat sich auf die Bereiche Lifestyle, Interior-Design, Fashion, Hotellerie, Detailhandel und Immobilien spezialisiert und beschäftigt heute vier Mitarbeitende. Die Büros befinden sich im Zürcher Stadtkreis vier.



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Kommentare

  • Claude buerki, 19.11.2021 14:30 Uhr
    Respekt, Hut ab, eine mutige Entscheidung, die sich erfüllt hat. Weiterhin alles Gute, viel Erfolg, Herr Schilirò!

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