23.02.2016

Abstimmungskampagne

Umstrittenes Plakat erscheint auch in Genf

Das Hakenkreuz-ähnliche Symbol über den Köpfen der Pendler sorgt für viel Wirbel.
Abstimmungskampagne: Umstrittenes Plakat erscheint auch in Genf

Über den Pendlern am Zürcher Hauptbahnhof flimmerte am Montag ein Hakenkreuz, geformt aus einem verzerrten Schweizerkreuz. Das umstrittene Plakat des Zürcher Werbers Parvez Sheik Fareed sorgt seit einigen Wochen für Wirbel. Anfang Februar hatte er dieses auf Facebook verbreitet, um im Kampf gegen die Durchsetzungsinitiative ein Zeichen zu setzen (persoenlich.com berichtete). Nun hat das Plakat private Geldgeber gefunden, die ihm einen der prominentesten Werbeplätze in Zürich ermöglichen.

Wie sich nun zeigt, reichen diese Gelder für weitere Werbemassnahmen. Nach Zürich ist nun Genf an der Reihe. Im dortigen Bahnhof flimmert das Plakat mit der Aufschrift «Nein zur Zweiklassen-Justiz» am Dienstag über die Bildschirme, wie Nadja Mühlemann, Mediensprecherin des Aussenwerbevermarkters APG auf Anfrage sagt. Über Details zur Schaltung sowie allfällige zukünftige Buchungen will sie keine Auskunft geben.

Ob das umstrittene Plakat in den nächsten Tagen an weiteren Schweizer Bahnhöfen zu sehen sein wird, wird sich zeigen. Klar ist: Sheik Fareed will weiterhin finanzielle Mittel für sein Plakat sammeln und einen allfälligen Überschuss spenden.

«Diese Angstmacherei ist höchstbedenklich»

Das Reisende an Schweizer Bahnhöfen von einem Hakenkreuz-ähnlichen Symbol überrascht werden, sorgt für rege Diskussionen. Die SBB verweisen auf die Pflicht, auch politische Werbung zu schalten. Reaktionen seien keine eingegangen, hiess es am Montag.

Gegenüber der Tagesschau des Schweizer Fernsehens äussern sich mehrere Passanten negativ. «Wenn man dieses Symbol sieht, wird es einem schlecht», sagt einer. Ein anderer: «Man weiss, was an diesem Symbol klebt, das geht gar nicht».

Auch der Werber des Jahres, Publicis-CEO Curdin Janett, kommt im Beitrag zu Wort. «Angstmacherei auf diesem Niveau für eine Abstimmungsvorlage halte ich für höchstbedenklich», sagt er. Wo es herablassend und verletzend werde, müsse ein Schlussstrich gezogen werden.


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KOMMENTARE

Ingolf Müller
24.02.2016 07:27 Uhr
Ok, das ist grafisch schön herausgearbeitet. Es zeigt: Gefahr – da wollen wir nicht hin. Aber diejenigen, die eh dagegen sind, müssen nicht überzeugt werden. Und die Befürworter? Sind jetzt vom Gegenteil überzeugt, weil sie nicht mit Abstossendem verglichen werden wollen, oder sind aus Wut erst recht dafür, oder erliegen der oberflächlichen Wahrnehmung, weil man ja gegen alles Unerwünschte ist? Es ist nutzlos, denn Angst kann man nicht mit weiterer Angst neutralisieren, eher nur steigern.
Curdin Janett
23.02.2016 23:07 Uhr
Erfahrungsbericht: Die Tagesschau hat mich gestern Mittag kontaktiert und wollte spontan meine Meinung zum Hakenkreuz Sujet. Meine Äusserung dazu war "Das geht ebensowenig wie schwarze Schafe, Ratten und Messerstecher-Sujets. Die Abstimmungskampagnen erinnern leider stark an die 30er Jahre in Deutschland - kein Ort, wo man sich bedienen sollte", Angefügt habe ich dann noch, dass ein Tourist der heute in die Schweiz kommt denken könnte hier finde eine Outdoor-Austellung nazionalsozialistischer Plakate statt. Die Tagesschau-Redaktion fand diese Aussagen "eine einfache Schuldzuweisung an die Adresse der SVP". Komisch genug, habe ich ja beide Seiten gleichermassen kritisiert. However. Die Antworten welche dann gesendet wurden bezogen sich nicht auf die Frage nach dem Hakenkreuz-Sujet, sondern nach der Frage nach dem Gotthard-Grosi Sujet. Wo Angstmacherei ja auch passt. Und das "herablassend und verletzend" war meine Antowort auf die Frage, wo generell die Grenzen sind. Als ich nach Ausstrahlung der Tagesschau-Redaktion meinen Unmut kundgetan habe, war die Antwort, diese Aussagen hätten die Frage ja auch beantwortet, und meine eigentlichen Antoworten hätten "den Fokus des Beitrages verschoben". Da hätte ich auch gleich den Duden Wort für Wort sprechen können, und SRF hätte dann die passenden Worte zusammengeschnitten. Wenn man meine Meinung nicht haben will, kann man mich ganz einfach nicht fragen. Selbst wenn meine Antwort nicht ins Konzept passt gibt es eine Lösung; Einfach nicht senden. Antworten frei anderen Fragen zuzuordnen, finde ich unmöglich. Über dieses journalistische Selbstverständnis der Tagesschau-Redaktion kann ich nur den Kopf schütteln. Nicht so heftig wie über die aktuellen Abstimmungskampagnen, aber doch auch. Curdin Janett.
Urs Thalmann
23.02.2016 15:04 Uhr
(Ich äussere mich hier ausschliesslich privat!) Guten Tag! Wieso beleuchtet dieser Artikel nicht den Kontext? Der ist nämlich jener von "weiss kickt schwarz raus" (und im weiteren Kontext: schwarze Raben klauen Pässe etc.). Wo beginnt "herablassend und verletzend"? Könnte nicht schon im Initiativtext selbst diesen Charakter haben? Und ausserdem: Welche Seite operiert in diesem Abstimmungskampf denn stärker mit der Angst bzw. mit „Angstmacherei“? Ich finde das Plakat auch nicht über alle Zweifel erhaben – vor allem, weil ich nicht sicher bin, dass es im Publikum zu den erwünschten Reaktionen führt. Aber für den Artikel finde ich, dass man nicht über das Plakat schreiben kann, ohne den Hintergrund als Kontext zu beleuchten. Freundliche Grüsse!
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