18.09.2026

Screen-up

Brezel, Bier und Big Screen

Bierbänke in Blau-Weiss im Foyer, dafür bescheidene Bühnendekos: Die 27. Ausgabe des TV-Vermarktungsevents Screen-up stand in der Halle 622 in Zürich-Oerlikon ganz im Zeichen des Oktoberfests. Rund 40 TV-Sender präsentierten den über 700 Gästen am Donnerstag ihre kommenden Highlights.
Screen-up: Brezel, Bier und Big Screen
Schlicht statt aufwendig: Die Bühne der Screen-up 2026 kam ohne grosse Kulissen aus. (Bilder: David Biedert)

Goldbach feierte sich zum Auftakt des ersten Screening-Blocks gleich selbst. In einer «Höhle der Werbelöwen» liess der Vermarkter in einem Einspieler verschiedene Werbeformen um ein Werbebudget pitchen: Social Media mit seinem schnellen Klick-«Lärm», ein Kurzformat mit viel Ästhetik, aber wenig Substanz, ein cleverer Zusammenschluss aus Reichweite und Eindruck. Am Ende, ganz «Bachelor»-mässig, erhielt nur einer die entscheidende Rose: das Fernsehen. Zertifiziert durch Mediapulse, wie es im Spot hiess – «so weisst du, woran du bist».


CH Media feiert 20 Jahre 3+

Unter dem Motto «Family» führte Moderatorin Christa Rigozzi durch den CH-Media-Teil. Florian Wanner, Leiter Regionale Elektronische Medien Entertainment, betonte die Unabhängigkeit des Unternehmens in Familienbesitz: Man könne langfristig denken und rasch entscheiden, wenn sich Chancen böten. Jüngstes Beispiel: Radio Swiss Pop kommt ab 2027 zur CH-Media-Familie.

Im Zentrum des Blocks stand das 20-Jahr-Jubiläum von 3+ – und damit die Bühnenpremiere von Malte Probst, der seit dem 1. Juli 2026 als Leiter TV National amtiert. «Was für ein Jubiläum», so Probst. «3+ hat immer für Gesprächsstoff gesorgt und die Schweizer Fernsehlandschaft nachhaltig geprägt.» 16 Milliarden Kontakte seit Sendestart – und 33 Babys, die aus 3+-Formaten entstanden sind: «Wir sind das Kinderwunschzentrum der Schweiz», so Probst augenzwinkernd.

Mit dem Jubiläum verknüpft ist das grosse Rebranding, das Probst bereits im August im Interview mit persoenlich.com erklärt hatte: Die acht CH-Media-Sender erhalten erstmals ein gemeinsames Markendach. Martin Bloch, Leiter Channel Management & Analytics, betonte auf der Bühne, dass es dabei um mehr als einen neuen Look gehe: «Es geht darum, mehr Orientierung zu schaffen – nicht nur visuell, sondern auch inhaltlich.» Die DNA von 3+ solle dabei erhalten bleiben: «Wir sind auch in Zukunft unverschämt anders.»

Auch «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert» wurde vorgestellt: Der Cast war erst wenige Tage zuvor von den Dreharbeiten auf Gran Canaria zurückgekehrt. Stefanie Heinzmann, die das Format bereits als Teilnehmerin miterlebt hat und nun erstmals eine ganze Staffel moderiert, zeigte sich begeistert: «Das ist mein absolutes Lieblingsmusikformat. Mein persönliches Highlight ist die Kombination der unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstler – es ist spannend, wie fest Musik verbindet.» Eileen Alister performte im Anschluss live ihren Song «Keep it cool».

Eine glitzernde Premiere feiert Anfang 2027 «Renovating Dragqueens – Umbau in Pumps und Perücke»: Das von Philadelphia Film produzierte Docutainment-Format begleitet die frisch verheirateten Dragqueens Hardtila und Nicoletta Lalove über mehrere Episoden beim Umbau ihres Reihenhäuschens. Handwerkliches Geschick und ein grosses Budget bringen die beiden zwar kaum mit, dafür Unterstützung durch die albanische Familie. Folge für Folge stossen die Dragqueens an ihre Grenzen, vertuschen dies aber mit Humor, Selbstironie und extravaganten Outfits. Die Dreharbeiten sind in vollem Gang.

Auch fürs Regionalfernsehen gab es Neues: Oliver Steffen, Chefredaktor Regionale TV-Sender bei CH Media, stellte mit «#StreetSmart» ein neues Reportageformat mit Vanessa Meier vor. Sein Seitenhieb, CH Media setze aufs Reportage-Genre, während andere Sender entsprechende Formate strichen, passte kaum zufällig in die Woche, in der SRF den linearen Sendeplatz von «Reporter» strich.

Seven.One kocht in der Schweiz

Zum zweiten Screening-Block bat Sebastian Pufpaff, der am Dienstag 50 Jahre alt geworden war, auf die Bühne – zum vierten Mal in Folge, aber erstmals ohne sein eigenes «TV total»-Studio als Bühnenbild. Launig erzählte er von seiner Anreise (klemmende Flugzeugtür, eine Stunde Verspätung) und verglich seine Heimatstadt Köln mit der Schweiz: «Bei uns brechen gerade die ganzen Brücken zusammen, und du kommst hierher – es funktioniert.» Zum Verzicht aufs Feuerwerk am Züri Fäscht hatte er einen Ratschlag parat: das gesparte Geld doch besser bei Seven.One zu investieren. 

Andrea Haemmerli, Managing Director der Seven.One Entertainment Group Schweiz, präsentierte die Schweizer Eigenproduktionen: Mit «Hype Kitchen» – einem Format, bei dem Content Creator virale Rezepte nachkochen – gewann Seven.One einen Preis des ADC Switzerland. Neu im Programm: Ab Oktober moderiert Salar Bahrampoori – bekannt aus «SRF bi de Lüt» – gemeinsam mit Fabian Zbinden die Sendung «KochBar», in der die beiden mit Sportlerinnen, Sportlern und Schweizer Promis kochen. Diese «Swiss Originals» zahlten sich laut Haemmerli auch bei Joyn aus: Bei der jungen Zielgruppe habe sich die Reichweite verdoppelt.

SRG: Ein Wiedersehen mit neuem Titel

Durch die gut gemachten Einspieler zum SRG-Programm führte Nik Hartmann – nach vier Jahren bei CH Media seit Herbst 2025 wieder zurück bei SRF, wo er seither «Happy Day» moderiert. Auf der Bühne interviewte Wirtschaftsjournalist Urs Gredig an einem Tisch SRF-Direktor Roger Elsener – ebenfalls kein Unbekannter an diesem Anlass: Jahrelang war er als CH-Media-Manager Stammgast an der Screen-up, heute stand er erstmals in seiner neuen Funktion auf der Bühne. Seit Mai 2026 lenkt er als SRF-Direktor die Geschicke des grössten Schweizer Senders.

Auf die kurz zuvor verkündeten Sparmassnahmen angesprochen, sprach Elsener von einem «steilen Start» und einer «steilen Lernkurve» in seinen ersten vier Monaten im Amt: anspruchsvoll, aber auch spannend – «wir meistern das mit dem Team». Am linearen Fernsehen halte SRF fest: Das erste Halbjahr 2026 sei laut Mediaforschung das beste der jüngeren SRF-Geschichte gewesen. «Wir machen Fernsehen aus der Schweiz, für die Schweiz», so Elsener. Live-Momente in Sport, News und Unterhaltung zögen weiterhin das grosse Publikum an – Reichweite lasse sich, während der übrige Medienmarkt zunehmend fragmentiere, nach wie vor am zuverlässigsten im TV erzielen.

Für einen unterhaltsamen Moment sorgten Rainer Maria Salzgeber und seine Tochter Cloé Maria Salzgeber: Zur Vorstellung eines kommenden Promi-Specials von «Game of Switzerland» musste Papa Salzgeber auf dem Hometrainer gegen den ehemaligen Schweizer Triathleten Jan van Berkel antreten. Die Challenge: Während des Trampelns musste ein eingespielter Song erraten werden. Salzgeber verlor knapp mit 1:2.

Auffällig war über alle Blöcke hinweg, wie schlank sich die Screen-up 2026 präsentierte: kaum Bühnendekos, vor allem Menschen auf der Bühne und Trailer auf der Leinwand, dazu ein kleineres Foodangebot als auch schon und seltener grosse Werbeauftraggeber im Publikum. Brezel und Bier in der Pause sorgten immerhin für etwas Wiesn-Feeling. Dass die Branche auch anderswo unter Druck steht, blieb derweil unerwähnt: Just am Tag des Anlasses wurde bekannt, dass RTL Deutschland und Sky rund 500 Stellen streichen – auf der Bühne fiel dazu kein Wort.

Die nächste Screen-up findet am 16. September 2027 statt, dazwischen liegt am 20. Mai 2027 der Screenforce Day.


Weitere Impressionen finden Sie hier.

 


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