14.05.2020

Serie zum Coronavirus

«Das Handy ist ein Gesundheitsrisiko»

Folge 43: Felix Stocker hat die erste alltagstaugliche Desinfektionshülle für das Smartphone erfunden. Kommt jetzt der Durchbruch?
Serie zum Coronavirus: «Das Handy ist ein Gesundheitsrisiko»
Hat eine Desinfektionshülle für das Smartphone entwickelt: Felix Stocker. (Bild: zVg.)
von Matthias Ackeret

Herr Stocker, Sie haben während der Coronakrise das neue Produkt «Exxy» lanciert. Was ist das genau?
«Exxy» ist die erste alltagstaugliche Desinfektions-Handy-Hülle auf dem Markt. Die Innovation liegt im Innenstoff der Smartphone-Tasche: Ein mit Silber versetzter Technologiestoff mit desinfizierender, antimikrobieller Wirkung ist im Inneren des Produkts verarbeitet. Die Silber-Ionen im Stoff sind besonders wirksam gegen viele verschiedene Mikroorganismen – so zum Beispiel auch gegen Antibiotika-resistente Bakterien. «Exxy» ist das erste und einzige Produkt mit Silber-Desinfektions-Effekt gegen gefährliche Bakterien und andere Krankheitserreger auf unseren Smartphones. Einfach das Handy in die Hülle stecken und der Alltag wird hygienischer. Egal ob nur schnell fünf Minuten, den ganzen Tag oder in der Nacht während dem Akku-Laden. Klar ist: Je öfter und länger, desto besser ist auch die desinfizierende Wirkung.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Produkt zu vertreiben?
Alle streben nach verbesserter Hygiene im Alltag. Fleissiges, gründliches Händewaschen und -desinfizieren lautet deshalb die Devise. Und das nicht erst seit Zeiten des «Social Distancing». Die allermeisten Handybesitzer sind sich aber dem Gesundheitsrisiko von Smartphones überhaupt nicht bewusst. Denn seit vielen Jahren ist ja bekannt: Das Smartphone ist eine der grössten Keimschleudern des modernen Alltags. Über 100'000 verschiedene Bakterien und Viren befinden sich auf unseren Handys, das Display sei sogar dreckiger als eine Toilette. Das berichten Forscher schon seit geraumer Zeit. Trotz vorbildlichem Händewaschen und -desinfizieren, können Krankheits-Erreger vom Smartphone direkt wieder auf Hände und Gesicht gelangen. Wir sagten uns: Für dieses Problem eines jeden modernen Handybesitzers muss es eine einfache, alltagstaugliche Lösung geben.

Haben Sie es selber erfunden?
Ja. Es gab kein Mittel für andauernde Smartphone-Hygiene, das unseren Ansprüchen genügt hätte. Zwar gibt es wohl Produkte zum Desinfizieren von Smartphones. Diese benötigen aber entweder Strom  – zum Beispiel einen UV-Sarg, in den man das Handy hineinlegen kann – oder sind aufwendig beziehungsweise verschwenderisch in der Handhabung – wie Sprays, Roller, Tücher. Sämtliche auf dem Markt verfügbaren Produkte schienen uns nicht alltagstauglich. Unsere Vision bestand in einer einfachen, nachhaltig-wiederverwendbaren und wirkungsvollen Antwort gegen Krankheitserreger auf unseren Handys. Deshalb fassten wir uns 2018 ein Herz und gründeten unser Start-up für die Lösung dieses Alltags-Problems. Das war gleich nach dem Knabenschiessen 2018, und ich erinnere mich genau an den Unternehmergeist, der uns da erfasst hat. Wir sind stolz, dass wir unsere innovative Erfindung mit dem eigenen Startup-Unternehmen schnell in ein marktreifes und einzigartiges Produkt führen konnten.

«Wir brauchen ungeachtet der aktuellen Krise eine Lösung für die Smartphone-Hygiene der Zukunft»

«Exxy» wird in China hergestellt. Ist dies nicht ein Problem, weil ausgerechnet dort die Krise ausgebrochen ist?
Da gibt es keinen Zusammenhang. Sehen Sie, das Thema «Smartphone-Hygiene» war bereits vor Covid-19 aktuell. Und wird es auch darüber hinaus bleiben. Das Smartphone ist unser aller täglicher Begleiter: Beim morgendlichen Weckruf, nach jedem Händedruck, im ÖV, beim Zubettgehen. Wir brauchen ungeachtet der aktuellen Krise eine Lösung für die Smartphone-Hygiene der Zukunft. Wir stellen aber fest: Die Welt macht sich aktuell mehr denn je Gedanken zur Verbesserung der Hygiene im Alltag. Auch hinsichtlich der Verbreitung von Krankheitserregern via Smartphones. Das gibt uns Aufwind. Bei der Herstellung unseres Produktes setzen wir auf ein Schweizer Unternehmen mit eigener Produktion in China. Eine Produktion in der Schweiz war und ist aufgrund der diffizilen Verarbeitungsqualitäten des hochtechnologisierten Silber-Desinfektions-Stoff nicht möglich. Dieser stammt übrigens aus Europa.

Wieviele Hüllen haben Sie bereits verkauft?
Wir sind neu seit Ende April 2020 auf dem Markt. Die Produkt-Innovation «Exxy» ist online auf der eigenen Homepage für Herr und Frau Schweizer erhältlich. Bereits in den ersten Tagen nach Markteinführung konnten wir einen Umsatz im vierstelligen Bereich erzielen. Wir sind sehr zufrieden mit dem Verkaufsstart, wünschen uns aber für die Zukunft noch mehr Sensibilisierung beziehungsweise Aufmerksamkeit für das Thema und unsere Produktinnovation.

Wie bewerben Sie Ihr Produkt?
Das Produkt wird aktuell, zum Launch, exklusiv online vertrieben. Wir fokussieren uns deshalb im Moment schwerpunktmässig auf das Online-Marketing. Insbesondere SEA ist für «Exxy» ein wertvoller Werbekanal: Die zunehmende Auseinandersetzung des Konsumenten mit Hygienethemen des Alltags generiert grosse Mengen an Suchanfragen. Dort finden wir momentan viel affinen Traffic für unsere Homepage mit Onlineshop. Auch auf Social Media wird «Exxy» beworben, und wir stellen fest, dass Word of Mouth ein wichtiger Zugang zu neuen Kunden ist, den wir in Zukunft noch mehr nutzen wollen.

Welches war für Sie das prägendste Erlebnis der letzten Tage?
In Zeiten grosser Krisen sind es die kleinen Ereignisse, die prägen: Gestern erhielten wir von unserer 92-jährigen Nachbarin ein Paket mit einem herzigen Dankes-Brieflein für unsere Shopping-Einsätze der letzten Wochen. Durch «Social Distancing» ist Nähe entstanden. Denn wir hatten vorher nicht viel Kontakt zueinander. Hoffentlich wird sich das nach der Krise ändern – so, wie sich vieles ändern wird. Auch unser Umgang mit der alltäglichen (Smartphone-) Hygiene, das scheint mir sicher.



Was bedeutet die Corona-Pandemie für die verschiedenen Akteure der Schweizer Medien- und Kommunikationsbranche? Bis auf Weiteres wird persoenlich.com jeden Tag eine betroffene Person zu Wort kommen lassen. Die ganze Serie finden Sie hier

 

 



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