17.08.2015

Joint-Venture

Ringier, SRG und Swisscom bündeln ihre Vermarktung

Wie offen ist das Projekt für weitere Partner? Und wer gab den Anstoss dafür? persoenlich.com hat bei Ringier nachgefragt.

Der Medienkonzern Ringier, die SRG sowie die Swisscom vermarkten ab 2016 ihre Werbeplätze gemeinsam. Die neue Vermarktungsfirma richte sich an den stark verändernden Bedürfnissen von Werbeauftraggebern aus, heisst es in einem Communiqué vom Montag. Der Zusammenschluss ermögliche auch die gemeinsame Entwicklung neuer Werbeformen und -technologien.

Dass Ringier seine Vermarktung mit dem staatlichen Telekomkonzern und der staatsnahmen SRG zusammenlegt, sorgt in der Branche für Empörung und wirft viele Fragen auf. "SRG und Swisscom sind zwei Unternehmen, die staatsnah sind und punkto Qualität und Kredibilität zu den besten Unternehmen des Landes gehören", kommentiert Ringier-Sprecher Edi Estermann den Deal gegenüber persoenlich.com. In erster Linie sei Ringier froh, mit zwei solch vorbildlichen und starken Unternehmen kooperieren zu dürfen. Er fügt an: "In einem zunehmend internationalisierten und technologisierten Werbemarkt wird langfristig nur bestehen können, wer über Technologie, Systeme, Daten, exklusiven Zugang zu hochstehenden Inhalten und Vermarktungs-Know-how gebündelt unter einem Dach verfügt."

Unklar ist, auf wessen Initiative die Zusammenarbeit zustande gekommen ist. "Die drei Unternehmen pflegen bereits seit vielen Jahren einen konstanten Austausch. Dabei haben wir gemeinsam begonnen darüber nachzudenken, ob ein Zusammengehen in der Vermarktung Sinn machen würde", sagt Ringier-Chef und designierter Verwaltungsratspräsident des neuen Unternehmens.

Mit der Zusammenlegung des Werbeverkaufs rüsten sich die drei Unternehmen nach eigenen Angaben auch gegen die Konkurrenz von Google und Facebook auf dem digitalen Werbemarkt. Zurzeit streichen amerikanische Firmen mehr als 50 Prozent der digitalen Wertschöpfung in der Schweiz ein. Welche Ziele sich das neue Unternehmen diesbezüglich setzt, will man bei Ringier nicht kommentieren. Auch Google Schweiz möchte zum potenziell neuen Konkurrenten momentan keine Stellung nehmen.

Stillschweigen über finanzielle Details

Während die Swisscom neben technologischem Know-how die Vermarktungsrechte von seinen Online-Plattformen und von Swisscom TV einbringt, treten Ringier und die SRG die Vermarktungsrechte ihrer reichweitenstarken Medienangebote ab. An der neuen Aktiengesellschaft halten die SRG, Ringier und die Swisscom je einen Drittel. Über die finanziellen Details haben die Partner allerdings Stillschweigen vereinbart. Zumindest teilweise hinfällig wird dies spätestens wenn die nächsten Jahresrechnungen von Swisscom und der SRG veröffentlicht werden.

Während Swisscom und Ringier ihre Werbeaktivitäten in die Gesellschaft auslagern, integriert die SRG ihre Vermarktungstochter Publisuisse in das Unternehmen. Bewilligen Wettbewerbskommission Weko und Uvek/Bakom das Unterfangen startet das Unternehmen im ersten Quartal 2016 seine Geschäftsaktivität und mit ihm 290 Mitarbeiter. 130 davon stossen von der Publisuisse dazu, 140 von Seiten Ringiers und weitere 20 von der Swisscom. Wie Estermann sagt, werden die aktuellen Standorte vorläufig noch beibehalten. Der definitive Hauptsitz sei bis zur finalen Eigentumsübertragung festzulegen, dies mit Blick auf betriebliche, steuerliche und politische Gesichtspunkte.

Chef der Vermarktungsorganisation wird der heutige Publisuisse-Chef Martin Schneider. Verwaltungsratspräsident soll Ringier-CEO Marc Walder werden, derweil SRG-Generaldirektor Roger de Weck und Swisscom-Chef Urs Schaeppi im Verwaltungsrat Einsitz nehmen. Ein Stellenabbau sei aus heutiger Sicht nicht vorgesehen.

An der Telefonkonferenz zeigte sich Walder gegenüber der Presse offen und kooperativ: "Wir sind kein geschlossener Club", sagte der Ringier-Chef. Sinn und Zweck der Bündelung sei es, den Schweizer Werbemarkt im globalisierten Wettbewerb zu stärken. Die Reaktionen von anderen Verlagen auf das neue Angebot seien bisher positiv gewesen. Sie hätten Verständnis gezeigt für den Schulterschluss der drei Unternehmen. Zugleich hätten sie Interesse gezeigt an der Prüfung von Kooperationen.

Online-Werbeverbot der SRG

Für die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern ist vorerst ein Kundenverhältnis angedacht, also keine Aufnahme von weiteren Aktionären. Walder liess aber durchblicken, dass sich dies sich später auch ändern könnte. Am Dienstag findet zufälligerweise eine Sitzung statt mit dem Verband Schweizer Medien, an der das Zusammengehen und seine Folgen thematisiert werden. Für die Verleger dürfte dabei das Online-Werbeverbot der SRG ein wichtiges Thema sein.

Verbandspräsident Hanspeter Lebrument äusserte sich gegenüber persoenlich.com positiv überrascht über die Neugründung. Ihm sei wichtig, dass die neue Firma auch für andere Medienhäuser offen ist und dass das Onlinevermarktungsverbot für die SRG anerkannt wird, so Lebrument. (Weitere Reaktionen finden Sie hier).

Grosse Chance

Auch Swisscom und SRG äusserten sich an der Telefonkonferenz zu ihren Beweggründen. "Wir haben uns auf die Fahne geschrieben unseren Kunden immer das beste aus der ditialen Welt zu bieten", sagt Marc Werner, Leiter Privatkunden beim Telekomkonzern dazu. Der Telekombereich sei seit vielen Jahren unter Druck. In diesem Konstrukt könne man sich in vielen Bereichen besser und erfolgreich weiterentwickeln und wachsen.

Auch Walter Bachmann, Generalsekretär SRG SSR, sieht im neuen Vermartungsunternehmen eine grosse Chance. "Im klassischen Bereich schreibt die SRG Verluste. Wir erhoffen uns, das jetzige Niveau mit dem bestehenden Inventar durch bessere Qualität halten zu können."

Wie das neue Unternehmen von Ringier, SRG und Swisscom heissen soll, ist noch unklar. "Der Pitch dazu hat heute erst begonnen", so Estermann.

Text: Michèle Widmer, sda; Bilder: Keystone



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