06.01.2022

Ringier

Blick-Redaktion macht ihrem Ärger Luft

Das Thema rund um Marc Walder kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nachdem sich am Mittwoch selbst Michael Ringier einmischte, meldet sich jetzt die Blick-Chefredaktion zu Wort. «Die Äusserungen unseres Chefs rücken uns in ein falsches Licht», heisst es in einer Stellungnahme.
Ringier: Blick-Redaktion macht ihrem Ärger Luft
Christian Dorer, Chefredaktor Blick-Gruppe. (Bild: Shane Wilkinson)

Das vom «Nebelspalter» geleakte Video hat wie eine Bombe eingeschlagen. Darin soll Marc Walder, CEO und Managing Partner von Ringier, sinngemäss gesagt haben, er hätte die Redaktionen des Medienhauses bei der Berichterstattung zu Corona auf Regierungskurs gebracht (persoenlich.com berichtete). Wörtlich sagte er: «Wir hatten in allen Ländern, wo wir tätig sind – und da wäre ich froh, wenn das in diesem Kreis bleibt – auf meine Initiative hin gesagt: ‹Wir wollen die Regierung unterstützen durch unsere mediale Berichterstattung.›»

Später relativierte Walder seine Aussage gegenüber der NZZ und Radio SRF. «Unglücklich» und «missverständlich formuliert» sei seine Aussage gewesen – «ein Fehler», so Walder. Der Ringier-CEO beteuerte, dass der «Blick» den Bundesrat in der Coronakrise immer wieder kritisiert habe.

Entschuldigung reicht nicht

Viel bewirkt hat die Klarstellung allerdings nicht, denn die Empörungswelle rollt weiter. Am Mittwoch äusserte sich sogar Michael Ringier in einem Kommentar mit dem Titel «Augenmass» im Blick – und wählte dabei auch kritische Worte. Marc Walder wisse selbst am besten, «dass seine Formulierungen während einer Managementkonferenz vor einem Jahr nicht zu den Sternstunden einer sonst unglaublich erfolgreichen Karriere gehören» (persoenlich.com berichtete).

Dass Michael Ringier zu einem hausinternen Thema öffentlich Stellung bezieht, sei ungewöhnlich, so die Ringier-Medienstelle gegenüber der Aargauer Zeitung.

In einer Stellungnahme in eigener Sache wehrt sich nun auch die Chefredaktion gegen die Vorwürfe. Darin heisst es: «Die Äusserungen unseres Chefs rücken uns in ein falsches Licht (…) Denn es ist klar: Es gab nie einen ‹Befehl›, und Blick hätte ihn auch nicht ausgeführt. Es ist nicht die Kultur, die wir bei Ringier kennen.»

Nichts bleibt ohne Folgen

Ein langjähriges Redaktionsmitglied der Tageszeitung sagt gegenüber CH Media, jetzt müsse man sich ungerechterweise wieder anhören, der Blick lege sich mit den Mächtigen ins Bett, um an Exklusivinfos zu kommen: «Das geht auf Walders Kappe.»

Frustriert zeigt sich besonders das Politik-Ressort von Blick und SonntagsBlick, wie es in der Stellungnahme der Chefredaktion weiter heisst: «Jetzt wird uns sogar angedichtet, wir seien einen Deal mit Gesundheitsminister Alain Berset eingegangen: Wir stützten seine Corona-Politik und erhielten im Gegenzug vorab vertrauliche Informationen zugespielt.» Die Journalistinnen und Journalisten hätten tatsächlich oft Fakten und Vorgänge herausgefunden, die erst später oder vielleicht gar nicht hätten publik werden sollen – dies aber allein mit ihrer Hartnäckigkeit, ihrem Fleiss, ihrem journalistischen Können. (mj)



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Kommentare

  • Raphael Weber, 06.01.2022 18:39 Uhr
    Ich denke nicht, dass es sich hierbei um ein Ringier eigenes Problem handelt. Vielmehr ein ungeschriebenes Gesetz der redaktionellen Haltung. Frei nach dem Motto ist der Feind bekannt, hat der Tag Struktur. Nur ist dies dann halt Meinungsjournalismus und nicht Information. Sobald Comedy und Zeitungen nach unten treten und mitunter Leser kritisieren und selber definieren was Fake, Wahrheit oder Fakten sind, haben sie ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Wenn Herr Dorer mit seiner indirekten Hetze auf linkedIn gegen ungeimpfte das haltungsnarrativ des Konzerns aus eigener Entscheidung noch unterstreicht, ist dies tragisch genug, zumal er nicht zu erkennen scheint, dass viele genesene auch in die Kategorie der ungeimpften gezählt werden. Unlängst suchen Redaktionsleiter ihre Gefolgschaft nach Kriterien der eigenen Gesinnung aus, wer hat schon gerne Mitarbeiter die ständig mosern und Kritik anbringen. Nicht verwunderlich also, wenn sich Redaktionen zu einem Team von blutrünstigen Pitbulls, mit stringentem Ziel und ohne Weitblick entwickeln.
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