11.04.2019

Ringier

«Blick TV soll schnell und kompetent sein»

Der digitale Fernsehsender nimmt weiter Formen an. Am Mittwoch wurde bekannt, dass das Zürcher Medienhaus mit CNN zusammenspannt. Ringier-CEO Marc Walder über Details der Partnerschaft, seine Pläne mit dem Programm und Chefredaktor Jonas Projer.
Ringier: «Blick TV soll schnell und kompetent sein»
«Blick TV ist spektakulär, vor allem auch, weil nun auch CNN involviert ist», sagt Ringier-CEO Marc Walder, hier im Gespräch mit persoenlich.com-Redaktor Christian Beck. (Bilder: Thomas Buchwalder)
von Christian Beck

Herr Walder, am Mittwoch war ein ganzer Kinosaal voll mit rund 500 Mitarbeitenden und Medienschaffenden. Das hat es bei der Präsentation des Geschäftsberichtes noch nie gegeben. Weshalb eine solche Show?
Wir hatten bisher immer nur die Kadermitarbeitenden aus dem Raum Schweiz, wollten uns nun aber öffnen für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – also alle Länder und alle Tochterfirmen. Vom Standort Zürich waren etwa 500 anwesend, das ist eine starke Zahl – vor allem, da der Anlass während der Mittagszeit stattfand. Dann machten wir auch Livestreamings in alle Länder zu unseren Tochterunternehmen. Das soll ein Signal an die Mitarbeitende sein: Wir möchten transparent, offen und ehrlich sein. Die Feedbacks sind positiv. Das freut uns.

Ging es nicht vor allem darum, dem geplanten Blick TV eine würdige Plattform zu bieten? Der Trailer sah auf Grossleinwand einfach imposanter aus als in einem Sitzungszimmer.
Als wir uns entschieden haben, dass wir die Ringier-Jahreskommunikation im Kino Corso in Zürich durchführen möchten, wussten wir noch gar nicht, ob Blick TV kommt. Blick TV ist ein – zugegebenermassen – spannendes Projekt unter vielen. Ich bin mir bewusst, dass dieses Projekt in der Schweiz ein besonderes Interesse weckt. Es ist spektakulär, vor allem auch, weil nun auch CNN involviert ist.

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Mit CNN gehen Sie eine Partnerschaft ein (persoenlich.com berichtete). Wie muss ich mir das vorstellen: Werden die CNN-Breaking-News eins zu eins übernommen oder werden die internationalen Bewegtbilder noch aufbereitet?
Wir haben drei Kategorien. Erstens: das sogenannte Live-Footage, das ist Originalcontent, den wir übernehmen dürfen. Diesen können wir auf unsere Bedürfnisse anpassen, sei es von der Länge, vom Schnitt oder der Einbettung her. Die zweite Kategorie: CNN produziert viele fertig geschnittene Videos, diese können wir ebenfalls nutzen für Blick TV.

Und drittens?
Wir können uns einklinken in die Breaking-News-Broadcast-Situationen. Zum Beispiel: Es passiert etwas in New York, im Weissen Haus, in Syrien oder bei den Wahlen in Israel. Blick TV kann sich dann live in dieses Signal einklinken. Blick TV soll schnell und kompetent sein. CNN hilft uns dabei.

«Die Bewegtbild-Inhalte sind dort, wo die User sind»

Wie muss man sich Blick TV übers Internet vorstellen? Wird das auf blick.ch integriert oder gibt es eine eigene Website?
Auf der Plattform blick.ch oder über die App wird es auf der Startseite den Blick-TV-Player geben. Wenn man also die App auf dem Smartphone öffnet, streamt automatisch Blick TV. Zudem wird es im Videoblock, den es auf blick.ch bereits gibt, auf beispielsweise 45, 75 oder 95 Sekunden zugeschnittene Beiträge geben. So kann man zum Beispiel von der Pressekonferenz von Uli Forte bei GC auch nur 75 Sekunden anschauen. Und dann gilt der Grundsatz: «From destination to distribution». Das heisst, die Bewegtbild-Inhalte sind dort, wo die User sind: auf Facebook, Youtube, Twitter, Instagram etc.

Wird es ein Vollprogramm geben oder eher eine Stundenschlaufe, wie es dies das Privatfernsehen macht?
Wir bieten ein Programm vom Morgen bis am Abend an. Es ist durchaus so, dass es auch Wiederholungen geben wird, aber sicher kein stündiges Programm, das sich siebenmal wiederholt. Das wäre nicht internettauglich. Wir werden über den Tag verteilt die Themenbereiche Politik, News, Wirtschaft, Sport und Entertainment abdecken. Es wird einen grossen Teil eigenproduzierten Content geben. Dazu kommt ein ganz starker Breaking-News-Charakter. Sobald etwas passiert, wird Blick TV live gehen.

Bei den nationalen Themen nützt Ihnen CNN wenig, da muss Blick TV selber produzieren. Da müssen Sie aber ziemlich ausbauen …
Korrekt. Man darf nicht vergessen: Der Newsroom der Blick-Gruppe wird neu definiert werden, mit neuen Workflows, neuen Zuständigkeiten. Es ist nicht so, dass rund 50 Mitarbeiter einfach nur TV machen und der Rest macht was anderes. Blick TV wird stark integriert. «Blick» machte bereits 2018 über 400 Millionen Videoviews. Und Bewegtbild wächst weiter. Wir bauen dafür in den Newsroom zwei TV-Studios ein. Auch Newssendungen wird es geben, die Updates über den Tag hinweg geben sollen. So kommt ein abwechslungsreicher Programmstream vom Morgen bis zum Abend zustande.

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Die Fernseherfahrung holen Sie sich in der Person von Jonas Projer ins Haus. Er kann früher als ursprünglich geplant starten, da seine Nachfolge mit Sandro Brotz mittlerweile feststeht. Sind Sie froh?
Ja, darüber bin ich sehr froh. Ich bin auch sehr dankbar, SRF hat sich sehr partnerschaftlich verhalten. Wir hatten auf Stufe Geschäftsleitung sehr gute Gespräche. Das ist alles sehr professionell verlaufen. Wir haben Jonas Projer gefragt, ob er das machen will. Für ihn ist es ein nächster Schritt in seinem beruflichen Leben. Er ist motiviert und motivierend. Projer hatte bei der Blick-Gruppe bereits überzeugende Auftritte. Er hat nicht vor, SRF-Programm auf den Digitalplattformen zu machen. Die Gesetzmässigkeiten des digitalen Bewegtbilds auf einer Plattform wie blick.ch sind andere. Schneller, dynamischer auch effizienter. SRF macht hochprofessionelles Fernsehen, dies zu kopieren, war nie unser Gedanke.

«Wir hatten mit Jonas Projer engagierte und zielführende Gespräche»

Stand Jonas Projer zuoberst auf Ihrer Wunschliste?
Wenn wir ein solches Projekt machen, dann beginnen wir gerne ganz oben auf der Wunschliste. Wir überlegten uns, welcher Name vom Renommée, der Karriere und dem derzeitigen Karrierestand, von der Wirkung auf den Markt und von der Bildschirmpräsenz her ein Lieblingskandidat wäre. Und das war Jonas Projer. Chefredaktor Christian Dorer war dieser Meinung, Blick-Geschäftsführer Alexander Theobald auch. Wir hatten dann mit Jonas Projer engagierte und zielführende Gespräche.

Und wie lockten Sie ihn?
Wir gefielen uns gegenseitig (lacht).

Und wenn Projer Blick TV erfolgreich aufgezogen hat, geht er zurück zum Schweizer Fernsehen …
Glaube ich nicht ...

Was gibt es bis zum Start des Internet-TV-Senders noch zu tun?
Man hat immer das Gefühl, 2020 sei noch so weit entfernt. Wir müssen Studios bauen, die Technologie bereitstellen, die Vermarktung muss parat sein, wir müssen die richtigen Leute zu uns holen – oder umschulen. Es ist unglaublich viel Arbeit für unser Unternehmen, das zwar aber – immerhin – bereits erfolgreich ist mit Bewegtbild. In Polen, ein Beispiel, haben wir mit Onet 300 Millionen Videoviews pro Monat, in Afrika sind es 149 Millionen. Ringier hat in den vergangenen Jahren stark in Video investiert – und wird dies auch weiterhin tun. Dieses Inventar verlangen die User und der Werbemarkt.

 



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