30.10.2016

Assad-Interview

Brotz tritt seinen Kritikern entgegen

Vom Lehnstuhl aus sei es einfach in ein paar flotten Zeilen zu argumentieren, warum man sich die Reise nach Damaskus sparen könne, schreibt der Rundschau-Moderator in einem Beitrag.
Assad-Interview: Brotz tritt seinen Kritikern entgegen
«Wir hatten keine Einschränkungen, was das Interview selbst betrifft», sagt Sandro Brotz. (Bild: Still aus dem Interview)

Vor knapp zwei Wochen traf Rundschau-Moderator Sandro Brotz den syrischen Machthaber Bashar al-Assad in Damaskus zum Interview. Nach anfänglichem Lob für seinen Coup und den Mut zur Reise in das Krisengebiet, hagelte es später Kritik.

Mit etwas Verspätung äusserte sich am Samstag auch NZZ-Medienjournalist Rainer Stadler zu dem Thema. Das Interview der SRF-«Rundschau» mit dem syrischen Machthaber zeige, dass Journalisten fast nicht vermeiden könnten, instrumentalisiert zu werden, schrieb er in seiner Kolumne. Bereits zuvor hatte Kurt W. Zimmermann in seiner Kolumen in der «Weltwoche» (online nicht verfügbar) geschrieben, dass «die kritischen Journalisten des Service public» die erfolgreichste PR-Plattform für Assad seien.

In einem ausführlichen Beitrag tritt Sandro Brotz seinen Kritikern nun entgegen. Die persönlichen Angriffe könne er unterdessen nach bald fünf Jahren «Rundschau» ausschalten. Wer gebührenfinanziertes Fernsehen mache, werde von Besserwissern, Heuchlern und Neidern begleitet – gerade aus der eigenen Zunft. Das müssten sie, die den Kopf raushalten würden, aushalten können.



Doch was sei die Alternative? «Soll man Diktatoren einfach totschweigen?», fragt Brotz in seinem Post. «Ja, so einfach könnte man es sich machen, in gewissen Redaktionen – vom Lehnstuhl aus ein paar flotte Zeilen in den Umlauf bringen, warum man sich die Reise nach Damaskus sparen kann.»

Für ihn sei allein schon die Reaktion Assad, nachdem er ihm das Foto eines verletzten Jungen hingehalten habe, die Reise wert gewesen. «Wir müssen die Kriegsakteure mit ihren Taten konfrontieren», schreibt er. Diesen Moment einfangen könne nur das Fernsehen.

«Medienjournalisten sollen und müssen auch weiterhin genau hinschauen bei dem, was wir tun», so Brotz. Aber sie sollten bitte auch nicht wegschauen, wenn Diktatoren Menschen-, Völker- und Kriegsrechte mit den Füssen treten. Auch wenn die Antworten klar seien, sei es unsere Pflicht, die Fragen zu stellen. (wid)



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