Auch für die Satire in den Medien gilt die berufsethische Wahrheitspflicht. Das Davos Gratisblatt «Gipfel Zytig» hat sich nicht an diesen Grundsatz gehalten und deshalb eine Rüge des Presserates kassiert – und das nicht zum ersten Mal.
Der Pressrat hiess eine Beschwerde gegen das Davoser Wochenblatt teilweise gut, wie er am Mittwoch mitteilte. Er stellte eine Verletzung der «Erklärung der Pflichten und Rechte der Journalistinnen und Journalisten» fest. Die Lokalzeitung hatte im Oktober 2014 unter der Rubrik «Hitsch Bärenthalers Schnellschüsse» einen Witz publiziert, dem Zahlen zugrunde liegen, die nicht den Tatsachen entsprechen.
Unter anderem hiess es in der Rubrik, jemand habe nur seine Steuererklärung wahrheitsgetreu ausgefüllt und geschrieben, er ernähre oder unterhalte auch noch «400'000 Asylanten und letztendlich auch noch alle Deppen in unserem Parlament». Im Text wurden ausserdem Zahlen über Arbeitslose oder Inhaftierte publiziert, die mit der Realität nichts zu tun haben.
Unter dem Deckmantel der Satire
Der Presserat schrieb dazu, unter dem Deckmantel der Satire verallgemeinere dieser Text die negativen Werturteile gegenüber Minderheiten. Besonders stossend sei, dass für den Artikel falsche Zahlen verwendet worden seien. Übertreibungen und Verfremdungen gehörten zwar zur Satire. Jedoch müssten die Fakten stimmen, von denen die Satire ausgehe.
In einem anderen Fall eines im September 2014 publizierten Textes zum Thema Rassismus verletzte die «Gipfel Zytig» die Standesregeln nicht. Wiederum handelte es sich um einen Witz der Gratispostille. Der Presserat teilte mit, es lasse sich streiten, ob Witze lustig oder geschmacklos seien oder nicht, er äussere sich nicht zu Geschmacksfragen. An den Presserat gelangt war die «IG offenes Davos».
Die so genannten Witze oder die Satire des Davoser Wochenblattes landeten nicht zum ersten Mal auf dem Tisch des Presserates. 2013 hatte das Blatt Ausländer mit Wildschweinen verglichen und sich eine Rüge eingefangen (persoenlich.com berichtete). Im gleichen Jahr kritisierte der Presserat die «Gipfel Zytig» wegen eines diskriminierenden Rundumschlages. (sda/tim)

