30.06.2021

CH Media

«Der Kinderwerbemarkt ist überschaubar»

Die TV-Sendergruppe rund um 3+ erhält Zuwachs: 7+ Family will ein Familienprogramm bieten. Tagsüber wird auf dem neuen Sender Nick Schweiz ausgestrahlt. Warum Kinder als Zielgruppe interessant sind, sagt Roger Elsener, Geschäftsführer Entertainment von CH Media.
CH Media: «Der Kinderwerbemarkt ist überschaubar»
«Wir holen die junge Zielgruppe auf allen Vektoren ab», sagt Roger Elsener, Geschäftsführer Entertainment und Mitglied der Unternehmensleitung von CH Media. (Bild: Thomas Buchwalder)
von Christian Beck

Herr Elsener, CH Media Entertainment entdeckt Kinder als neue Zielgruppe. Weil Sie selber welche haben?
Nein, das ist natürlich ein strategischer Entscheid. Für unseren neuen Streaming-Dienst «oneplus» schaffen wir mit dem Deal mit ViacomCBS eine Streaming-Welt für Kinder. Wir erhalten Zugang zu unzähligen Top-Programminhalten von Nickelodeon, dem neben Disney weltweit grössten Produzenten von Kinderprogrammen. Gleichzeitig werden wir mit dem Sender Nick Schweiz auch die lineare TV-Welt bespielen. Wir holen die junge Zielgruppe also auf allen Vektoren ab.

Konkret: CH Media übernimmt per 1. Oktober den Betrieb des Kinder-TV-Senders Nick Schweiz (persoenlich.com berichtete). Wie muss man sich eine solche Betriebsübernahme vorstellen?
Das bedeutet, dass wir den Sender Nick Schweiz ab dem 1. Oktober aus unseren neuen Studios in Zürich-Oerlikon betreiben werden. Heute wird der Sender aus Berlin betrieben.

In der Mitteilung heisst es, Nick Schweiz teile sich den Programmplatz mit dem neuen Sender «7+ Family». Holen Sie jetzt Nick Schweiz zu sich auf den neuen Sender – oder sendet 7+ Family auf dem bisherigen Sendeplatz von Nick Schweiz?
Letzteres. Nick Schweiz sendet bis 20.15 Uhr Kinderprogramm, ab 20.15 Uhr übernimmt 7+ mit einem Familienprogramm.

Wie sieht dieses aus?
Durch unsere Partnerschaften mit allen Hollywood-Studios haben wir einen tollen Katalog an Spielfilm-Highlights für beste Familienunterhaltung. Von den «Minions» über «Ice Age» bis hin zu Klassikern wie «Kevin – Allein zu Haus» ist alles dabei.

Mit dem Sendernamen 7+ Family geben Sie dem Fernsehzuschauer eine Orientierungshilfe. Wann erhalten die anderen Sender einen solchen Zusatz?
Die anderen Sender – also 3+ bis 6+ sowie TV24, TV25 und S1 – erhalten keinen solchen Zusatz. Sie sind bestens etabliert und bekannt. 3+ ist unser «Flaggschiff» und zeigt zusammen mit TV24 unsere Eigenproduktionen, Free-TV Premieren und die grössten Sport-Highlights. 4+ ist der Spielfilmsender, 5+ unser Seriensender, TV25 unser Frauensender, S1 der Best-Ager-Sender und 6+ unser experimentierfreudiger Sender.

«Dass man sich kennt, hat ein vertrauensvolles Verhandlungsklima geschaffen»

2012 wechselten Sie zu 3+ – und Sie waren zuvor Vice President Commerce für Mittel- und Nordeuropa beim Kindersender Nickelodeon. Nutzten Sie beim heute kommunizierten Deal Insiderinfos oder alte Kontakte?
Im Laufe eines Arbeitslebens das aufgebaute Beziehungsnetz zu pflegen und die Erfahrungen in sein neues Arbeitsumfeld einzubringen, ist nie verkehrt. Dass man sich kennt, hat ein vertrauensvolles Verhandlungsklima geschaffen. Entscheidend beim jetzigen Deal ist aber der strategische Fit für beide Partner.

Ich las auf Wikipedia unter dem Eintrag «Nick Schweiz», dass Sie Geschäftsführer sind. Wurde dieser Eintrag einfach nie aktualisiert – oder blieben Sie tatsächlich in all den Jahren seit Ihrem Abgang weiterhin Geschäftsführer?
Das ist selbstverständlich längst veraltet. Das ist zehn Jahre her.

«Ein Hauptaugenmerk liegt auf dem Aufbau von 7+ Family»

Wenn ab 1. Oktober CH Media am Drücker ist: Wie wird sich das Kinderprogramm auf Nick Schweiz verändern?
Nick Schweiz ist einer der erfolgreichsten Kindersender, die Hit-Formate von Nickelodeon werden das Programm selbstredend weiterhin prägen. Ein Hauptaugenmerk liegt auf dem Aufbau von 7+ Family. Hier wollen wir beste Familienunterhaltung bieten.

Sind «Kinder» eigentlich eine einzige Zielgruppe – oder unterscheiden Sie hier nochmals nach Alter?
Man unterscheidet in verschiedene Unterzielgruppen, je nach Alter. Es gibt die Vorschulkinder bis zu sechs Jahren, ab sechs Jahren unterscheiden wir in Dreijahresschritten. Je nach Altersklasse haben die Kinder andere Vorlieben, was sie gerne schauen oder streamen.

Einen Kinder-TV-Sender betreiben Sie ja nicht aus Spass. Lässt sich Werbung in einem Kinderprogramm gut verkaufen?
Der Kinderwerbemarkt ist sehr solide, aber überschaubar mit relativ wenigen Werbetreibenden wie zum Beispiel Hasbro. Das grösste Wachstum liegt aber nicht im Bereich der Werbung, sondern bei den Streaming-Abos. Das ist auch unser Hauptaugenmerk mit «oneplus». Wir gehen davon aus, dass wir mit den Inhalten von Nickelodeon viele zusätzliche Abonnenten, meist Familien mit Kindern, gewinnen können.

«Man sollte Kinder beim Medienkonsum begleiten»

Haben Sie kein schlechtes Gewissen, schon die Kleinsten zum Konsum verführen zu wollen?
Ich erinnere mich an eine Vorlesung in meinem Studium an der Universität Zürich zum Thema Kinder und Medien. Quintessenz: Man sollte Kinder nicht vor Medien schützen oder sie ihnen gar verbieten. Man sollte sie beim Medienkonsum begleiten. Altersgerechte Inhalte können dabei edukativ sogar sehr wertvoll sein.

Weiter lizenziert CH Media 1400 Kinder-, Jugend- und Comedy-Inhalte für den Schweizer Streaming-Dienst «oneplus». Warum nicht für Nick Schweiz?
Die Inhalte von Nickelodeon werden sowohl auf Nick Schweiz im Free-TV zu sehen sein wie auch zum werbefreien Streamen auf «oneplus». Auf «oneplus» werden wir zusätzlich auch Jugend- und Comedy-Inhalte aus dem grossen Programmfundus von ViacomCBS zeigen.

Ebenfalls exklusiv für «oneplus» soll «eine Reihe von Originals» koproduziert werden. Was werden das für Inhalte sein?
Um welche Originals es sich handelt, möchte ich noch nicht verraten. Es sind beliebte internationale Formatadaptionen für unsere Kernzielgruppe der jungen Erwachsenen.



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