Der Verlag musste zentrale Systeme für die Zeitungsproduktion ausser Betrieb setzen und die Samstagausgabe bereits am Donnerstag vorproduzieren müssen. Mit dieser «Ausnahmesituation» sei auch eine Umfangreduktion verbunden, schreibt das Unternehmen in einer Hausmitteilung. Das Blatt zählt 50 Seiten, vor dem Angriff waren es über 60.
Das E-Paper dagegen war ohne Einschränkungen abrufbar. Inzwischen funktioniert in der elektronischen Ausgabe auch die lektürefreundliche Nur-Text-Darstellung der einzelnen Artikel.
Aufgrund des vor zwei Wochen bekannt gewordenen Cyberangriffs stünden nach wie vor einige Systeme und Services nicht zur Verfügung. Die IT der NZZ arbeite mit externen Spezialisten an Massnahmen zur Behebung, hiess es.
Reduziert erschienen am Samstag auch Zeitungen des CH-Media-Verlags, der IT-Dienstleistungen von der NZZ bezieht. Statt 16 unterschiedlichen lokalen Splitausgaben konnten nur deren vier produziert werden, wie das Unternehmen der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte. Tageszeitungen aller drei Grossregionen Nordwestschweiz, Ostschweiz und Zentralschweiz waren betroffen. Online und über die App waren alle publizistischen Inhalte abrufbar.
Kein Ende in Sicht
Der Cyberangriff auf die Infrastruktur der NZZ-Mediengruppe war am 24. März bekannt geworden (persoenlich.com berichtete). Es sei sogenannte Ransomware eingesetzt worden, teilte CH Media damals mit. Mit dieser können Hacker ins Computersystem eines Opfers eindringen und Zugriff auf IT-Systeme oder auf Daten erlangen oder diese blockieren. Auch können sie ihre Opfer mit Verschlüsselungstechnik aussperren und Lösegeld verlangen.
Wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA aus Verlagskreisen erfuhr, wurde eine Lösegeldforderung gestellt. Die NZZ selbst dementiert nicht, dass sie erpresst wird, wie Radio SRF berichtet. CH-Media-Verleger Peter Wanner hatte in einem Interview vor einer Woche erklärt, seines Wissens seien keine solche Forderungen gestellt worden. Der finanzielle Schaden halte sich in Grenzen.
Wie lange die Probleme andauern werden, war unklar. Zu weiteren Auswirkungen auf die CH-Media-Titel dürfe man gegenwärtig nicht weiter informieren, da dies Bestandteil einer laufenden Untersuchung sei, hiess es. Aufgrund der «rollenden Entwicklung» könne man keine Angaben dazu machen, teilte die NZZ mit. (sda/nil)

