28.09.2012

Teleclub

Erfolgreiche Frauen: Claudia Lässer

Im Sportjournalismus gibt es nur vereinzelt Frauen: Eine der wenigen Ausnahmen ist Claudia Lässer. Viele kennen jedoch vor allem ihre sexy Perosa-Dessous-Fotos. Sind diese Modelaufträge ihrer Glaubwürdigkeit als Sportexpertin abträglich? Und wie hat sie den Durchbruch als weibliche Fussballexpertin geschafft? Im 17. Teil unserer Serie "Erfolgreiche Frauen" spricht die 35-jährige Sportmanagerin, mittlerweile Leiterin Sportprogramme beim Teleclub, über ihre Karriere, ihren Führungsstil und die "Verzürcherung" ihres Thurgauer-Dialekts. Zum Interview:
Teleclub: Erfolgreiche Frauen: Claudia Lässer

Frau Lässer, Sie sind Leiterin Sportprogramme beim Teleclub. Daneben arbeiten Sie als Modell und Moderatorin und produzieren TV- und Eventformate. Bei so vielen Jobs: Was beschäftigt Sie momentan besonders?

Lustig, dass die Leute immer noch meinen, ich sei Model! Ich habe zwar früher als Model für diverse Marken im In- und Ausland gearbeitet, das ist jedoch bereits über 14 Jahre her. Mittlerweile bin ich seit Mai Leiterin Sportprogramme bei Teleclub. Ich bin sicher in erster Linie mit meiner neuen Aufgabe beschäftigt. Wir versuchen das Programm weiter auszubauen und das sowohl in der Deutsch- als auch in der Westschweiz. Zusätzlich betreibe ich schon seit längerem meine eigene Firma, welche Fernsehformate & Eventkonzepte entwickelt und produziert. Aktuell planen wir einen grossen Lifestyle-Event. Und last but not least, macht mir das Moderieren am Fernsehen sowie auf der Eventbühne nach wie vor grossen Spass.

Welchen Beruf geben Sie denn in der Steuererklärung an?

Leiterin Sportprogramme Teleclub.

Sie verliessen im Mai 2012 das Schweizer Sportfernsehen. Warum?

Ich habe nach vier lehrreichen Jahren beim SSF eine neue Herausforderung gesucht und diese beim Teleclub gefunden. Das Sport- und Filmprogramm, welches Teleclub anbietet, ist riesig. Mit einem so eingespielten und motivierten Team live zu produzieren, macht zudem einfach Spass.

Sie moderierten den Fussball-Talk "Kick-it" und "Close-up" bei SSF sowie "FacesTV" bei ProSieben sowie regelmässig das Fussball-Studio am Sonntag auf dem Teleclub. Haben Sie auch schon eine Bewerbung beim Schweizer Fernsehen in Betracht gezogen?

Nein. Wenn ich aber ein Angebot bekäme, würde ich dieses sicher entsprechend prüfen.

Sie waren vier Jahre bei SFF. Sie konnten beim Senderaufbau mithelfen. Wie wichtig war dieser Schritt für Ihre Karriere?

Natürlich war dieser Schritt einer der Wichtigsten in meinem Leben. Ich stand vor der grossen Herausforderung einen Sender, den es bis anhin nur auf dem Papier gab, aufzubauen. Die Themenvielfalt war dementsprechend gross: von der Studiosuche, über die Programmplanung, die Programmkreation bis zu den administrativen Strukturen und Verbreitungsthemen - alles musste erst mal aufgegleist, durchdacht und initiiert werden. Ich kenne dank dieser sehr lehrreichen Aufgabe das Fernsehhandwerk nun wirklich von der Picke auf. Zudem ist es unglaublich befriedigend, wenn man mit seinem selber zusammen gestellten Team ein solches Projekt realisieren und "on air" gehen kann. Ich darf sagen: Ich konnte ich mich inhaltlich verwirklichen. Es entstanden Konzepte wie "Einer wie Beni Thurnheer" oder die Formate "Close-up" und "Kick it". Ich habe auch den engen Austausch mit dem Verwaltungsrat sehr geschätzt, habe beruflich und menschlich von ihnen profitiert. Ich bin sehr dankbar, dass man mir vor rund vier Jahren diese Chance geben haben.

Mussten Sie auch Rückschläge einstecken?

Ja klar, das gehört zum Reifungsprozess im Business bzw. ins Leben jedes Menschen. Erst durch Rückschläge und das Wiederaufrappeln lernt man mit schwierigen Situationen umzugehen und daraus zu lernen. Auch ich schätzte schon Projekte falsch ein. Zudem ist mein Sparringpartner beim SSF, Simon Schmidli, 2009 bei einem Autounfall tödlich verunglückt, was für mich ein grosser Schock und eine wirklich sehr schmerzvolle Erfahrung war. Wir haben zusammen das SSF aufgebaut. Dieser Verlust hat mich kurzfristig aus der Bahn geworfen.

In Ihrem Team beim Teleclub arbeiten aktuell rund 50 Leute, zu zwei Dritteln sind es Männer. Ist die Zusammenarbeit mit Männern einfacher?

Nein, aber auch nicht wirklich schwieriger. Wie immer im Leben geht es meiner Meinung darum, dass man respektvoll und wertschätzend miteinander umgeht, geschlechterunabhängig. Oft vergisst man im Alltagsstress auch die zwischenmenschliche Ebene. Meine Erfahrung aus den letzten Jahren zeigt mir, je respektvoller wir miteinander umgehen, desto effizienter sind wir im Team. Die Arbeit und das Team muss Spass machen. Egal ob mit Frauen oder Männern.

Was machen Sie anders als Ihre männlichen Kollegen?

Ich bin von meiner Wesensart wahrscheinlich kooperativer und verbindender. Ich versuche den Teamgeist zu leben, Zusammenarbeit ist wichtiger als das eigene Gärtchen zu pflegen. Wichtig ist meiner Meinung nach auch, dass man als Team regelmässig gemeinsam etwas unternimmt und sich austauscht.

Man hört, sie Sie verschicken Mitarbeiter-Mails mit Einladungen zum Bier. Ist dies Ihre Art zu führen?

Ja, ich lade ab und zu auch zum Apéro ein. Wie erwähnt, ist mir Teamgeist sehr wichtig und den persönlichen Austausch pflegt man im lockeren Rahmen besser als im Sitzungszimmer.

Warum gibt es nur wenige Frauen im Sportjournalismus?

Aus der Vergangenheit ist man es sich wohl viel eher gewohnt, einen männlichen Journalisten oder Moderator auf die sportlichen Themen anzusetzen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Kommt was Neues, ist es erst mal fremd und deshalb per se komisch. Spannend ist: Sky macht jetzt grad einen Versuch mit einer weiblichen Kommentatorin. Das wird bestimmt auch erst wieder viel Diskussionsstoff liefern. Sobald wir uns dann mal dran gewöhnt haben, finden es alle normal und gut. Zudem dürfen wir Frauen auch etwas mutiger werden. Uns fehlt es manchmal am nötigen Selbstbewusstsein. Vor allem dann, wenn wir in neue Themenfelder dringen.

Eine ganz andere Frage: Warum sprechen Sie als Thurgauerin eigentlich Zürideutsch und keinen Thurgauer Dialekt?

Sprachen liegen mir. Ich kann schnell zwischen den Dialekten switchen. Bereits mit 21 Jahren begann ich in Zürich zu arbeiten und habe den Dialekt relativ rasch angenommen.

Ihr Zürideutsch tönt perfekt. Haben Sie es sich bewusst antrainiert?

Nein, gar nicht, das ist einfach passiert. Antrainieren wäre mir viel zu anstrengend gewesen.

Doch mit dem Thurgauer Dialekt wären Sie vielleicht nicht Moderatorin geworden.

Interessante These. Darüber habe ich ehrlich gesagt gar nie nachgedacht. Ich höre zwar auch ab und zu, dass man den Thurgauer-Dialekt nicht so mag. Aber das ist ja mit allen Dialekten so: Die einen mögen einen Dialekt, andere nicht. Mein Dialektwechsel geschah unbewusst und wenn ich am Wochenende bei meinen Freundinnen bin, dann "thurgauere" ich auch wieder ab und zu. Und das ist gut so.

Wenn Sie zurück denken an Ihre Jugend: Was für ein Kind waren Sie?

Ich war ein sehr lebendiges Kind, kreativ und wohl auch manchmal etwas durchgeknallt, wie meine Eltern sagen. Schon als Kind veranstaltete ich Zirkus- oder Theater-Aufführungen mit anderen Kindern im Quartier. Dieses Macher-Gen hat mich schon in meiner Kindheit stark geprägt. Ich wollte und will Dinge versuchen, bewegen und umsetzen. Zudem habe ich früh angefangen, kreativ zu arbeiten. Erst war es das Entwerfen von Klamotten, dann das Inszenieren von Theaterstücken und in der Teenagerzeit dann die Realisation von kleinen Events im Thurgau. Ich habe zum Beispiel mit 18 Jahren eine Modeschau für den FC Winterthur organisiert. Meine Brüder wurden regelmässig für diese Projekte eingespannt. Darüber lachen wir noch heute.

Über Google findet man vor allem Dessous-Fotos von Ihnen und in Interviews sprechen Sie vor allem über Ihre Beziehungen. Ist diese, auf Softnews und Äusserliches, fokussierte Inszenierung Teil Ihres Erfolgsrezepts?

Ich finde eine kompetente Frau darf auch weiblich sein und muss diese Seite ihres Wesenszuges nicht verstecken. Die angesprochenen Fotos stammen aus meiner Tätigkeit als Model, das ist mittlerweile doch einige Jahre her. Beziehungen sind Teil unseres Lebens und bewegen uns alle. Es geht hier nicht um eine Inszenierung, sondern um Themen, die im Leben relevant sind und dann oft von den Journalisten genau aus diesem Grund fokussiert werden. Sie finden bei entsprechender Recherche auch ganz viel anderes über mich.

Sie setzen Ihr attraktives Aussehen also sehr bewusst ein. Würden Sie nicht lieber über Ihre Fachkompetenz wahrgenommen werden?

Die Beurteilung "attraktiv" überlasse ich gerne anderen, aber danke für das Kompliment. Eine gepflegte Erscheinung und eine entsprechende Ausstrahlung sind mir wichtig, ja. Gerade in meinem Beruf sollte man sich zum Thema Wirkung Gedanken machen. Eine sympathische, authentische Ausstrahlung zu haben, ist meiner Meinung nach erstrebenswert. Dafür muss ich mich aber zwingend mit mir selber auseinandersetzen. Wirkung erzielt man meiner Meinung nach dann, wenn man weiss, wer man ist, was man kann und wenn man seine Stärken lebt. Es geht also ganz und gar nicht nur um äusserliche Faktoren.

Sie sind 35 und seit rund einem Jahr mit dem Psychologen Simon Raeber zusammen. Inwiefern sind Kinder ein Thema?

Ich möchte gerne irgendwann eigene Kinder. Es ist natürlich nicht einfach, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, timen kann man das ja eh nicht. Ursprünglich absolvierte ich ja die Primarlehrerausbildung, weil ich gerne mit Kindern arbeite. Mir ist bewusst wie schwierig diese Mutter-Karriere-Sandwichrolle ist. Und mit dieser muss man sich als Frau auch sehr bewusst auseinander setzen. Das ist wirklich eine grosse Herausforderung und sollte im Sparring mit dem Partner diskutiert und angegangen werden.

Wie wollen Sie dann Karriere und Familie idealerweise unter einen Hut bringen?

Ich würde sicher nicht 100 Prozent weiterarbeiten, sondern mein Pensum reduzieren. Ich will ja auch für meine Kinder da sein können.

Und wo wird man Ihren Namen in Zukunft lesen?

Das kann ich Ihnen nicht konkret beantworten. Ich werde aber auch in Zukunft kreieren und realisieren. Fernsehen machen ist meine Leidenschaft, denn ich liebe es mit dem bewegten Bild zu arbeiten und Geschichten über Menschen zu erzählen, die uns bewegen.

 

Interview: Edith Hollenstein, Bilder: Christian Dietrich

 

 

Weitere Interviews in dieser Serie:

Andrea Hemmi, Leiterin Unternehmenskommunikation SRF; Nicole Althaus, Chefredaktorin von "wir eltern"; Regula Fecker, Partnerin bei der Werbeagentur Rod Kommunikation; Rita Flubacher, Ressortleiterin Wirtschaft beim Tagesanzeiger; Colette Gradwohl, Chefredaktorin beim "Landboten"; Jill Abramson, Chefredaktorin bei der "New York Times"; Nadine Borter, Inhaberin der Werbeagentur Contexta; Lis Borner, Chefredaktorin Schweizer Radio DRS; Karin Müller, Programmleiterin bei Radio 24, Esther Girsberger, Publizistin und Dozentin und Ariane Dayer, Chefredaktorin bei "Le Matin Dimanche"; Lisa Feldmann Chefredaktorin "Annabelle"; Cornelia Harder, CEO von Draftfcb/Lowe; Mona Vetsch, Radio- und TV-Moderatorin; Nancy Wayland Bigler, Medien-Chefin Bakom; Michèle Roten, Kolumnistin "Das Magazin" und Buchautorin.



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