19.10.2017

Neue Zürcher Zeitung

Eric Gujer und René Scheu antworten auf Protestbrief

Fast 70 Professorinnen und Professoren haben bei der NZZ ihre Sorge um das Feuilleton ausgedrückt. Dem Schreiben zuvorgegangen sei eine «intensive Maildiskussion», sagt der unterzeichnende Professor Thomas Maissen.
Neue Zürcher Zeitung: Eric Gujer und René Scheu antworten auf Protestbrief
Antwortete postwendend auf das Schreiben der Professorinnen und Professoren: NZZ-Chefredaktor Eric Gujer am Swiss Media Forum. (Bild: Evenito)
von Michèle Widmer

Prominente Wissenschaftler sorgen sich um das Feuilleton der «Neuen Zürcher Zeitung» (persoenlich.com berichtete). Fast 70 Akademikerinnen und Akademiker haben einen Protestbrief unterzeichnet, welcher am Donnerstag an Verwaltungsratspräsident Etienne Jornod, Chefredaktor Eric Gujer und Feuilleton-Chef René Scheu verschickt worden ist. Darin ist die Rede von «bedenklichen Verschiebungen» bei der Zeitung, einem «verengten Horizont und von einer «politischen Öffnung am rechten Rand des Liberalismus».

Den Ausschlag für den Protestbrief bei den Professoren gab der «massive Aderlass» im Feuilleton in den letzten zwei Jahren und aktuell die Entlassung des langjährigen Redaktors Uwe Justus Wenzel (persoenlich.com berichtet). Wenzel hatte die freien Gastautoren im Ressort betreut, viele ihrer Namen sind nun unter dem Schreiben zu finden.

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Auch Thomas Maissen (siehe Bild oben), welcher als Leiter des Deutschen Historischen Instituts Paris für verschiedene Titel der NZZ schreibt, hat den Protestbrief unterzeichnet. Gegenüber persoenlich.com äussert er sich in der Angelegenheit, will jedoch nur als «Briefträger» des Schreibens verstanden werden. Ein Mandat hier zu antworten, habe er nicht. «Bedauern und Verständnislosigkeit über Wenzels Entlassung haben zu einer intensiven Maildiskussion der Angeschriebenen geführt», sagt Maissen. Die unterschiedlichen Voten und Einschätzungen hätten Eingang in einen Brief gefunden, der erneut kollektiv diskutiert worden sei. Eine Organisation habe die ad-hoc gebildete Gruppe der «Betroffenen» nicht.

Beinahe postwendend kam die Antwort aus dem Hause NZZ. «Es ist ein Schreiben der Herren Gujer und Scheu an alle Unterzeichner gesandt worden», bestätigt Maissen. Was darin zu lesen war, lässt der Professor allerdings offen. Auch die NZZ will nicht über den Inhalt des Antwortbriefes sprechen. «Anlass dieses Briefes ist eine Person. Darüber in den Medien zu sprechen, wäre nicht richtig», sagt NZZ-Sprecherin Myriam Käser auf Anfrage von persoenlich.com.

Konkrete Forderungen gestellt hatten die Akademiker in ihrem Schreiben keine. Ihnen liege das Wohlergehen der NZZ als «weltoffene liberale Stimme am Herzen» heisst es im Protestbrief. «Wir haben lediglich unsere Sorge ausgedrückt», sagt Maissen.



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Kommentare

  • Rudolf Bolli, 22.10.2017 14:04 Uhr
    An Herrn Herger Eine Zeitung, die doch in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden will, und zwar nicht nur im eigenen Land, wird sich auch gefallen lassen müssen, dass kritische Stimmen aus der Leserschaft laut werden, und zwar nicht nur zu einzelnen Texten, sondern auch zu radaktionellen Entwicklungen.
  • Nico Herger, 19.10.2017 14:09 Uhr
    Es ist doch zu hoffen, dass die NZZ-Verantwortlichen diese Einmischung mehrheitlich deutscher Professoren in redaktionelle und personelle Belange einer Schweizer Zeitung mit aller Deutlichkeit zurückweisen. Die Häufung der Floskeln "liberal" und "weltoffen" in dem Brief macht die politische Stossrichtung überdeutlich. Man stelle sich das Umgekehrte vor: Das wäre dann mit Sicherheit ein Thema für "Maischberger" oder mindestens die "Tagesthemen".
  • Robert Weingart, 18.10.2017 17:44 Uhr
    Gujer agiert wie ein strammer Transatlantiker, obwohl er mal in Moskau Korrespondent war und etwas differenzieren sollte. So agieren leider auch seine Schreiber auf der Redaktion. Aber vielleicht ging und geht ihm "im Glashaus" die Nähe zum Volk ab. Im Zusammenhang mit den personellen Verlusten und auch der Besetzung des Ressortchefs kann wohl wirklich von einer Verengung gesprochen werden. Nun, Herr Gujer wird wohl die Folgen seiner Personalpolitik und der redaktionellen Justierungen womöglich in den Auflagezahlen widerspiegelt sehen.
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