20.07.2021

Radio 24

Filmkritiker Alex Oberholzer hört auf

Der 68-Jährige lässt sich mit dreijähriger Verspätung pensionieren, bleibt dem Sender aber für grosse Ereignisse erhalten. Ausserdem ist er regelmässiger Gast in der Bernhard Matinée von Moritz Leuenberger. «Zudem habe ich ein heimliches Projekt», verrät der Filmredaktor.
Radio 24: Filmkritiker Alex Oberholzer hört auf
«Wenn andere ins Büro gingen, begab ich mich ins Kino», so Alex Oberholzer, seit 1991 Filmredaktor beim Zürcher Privatsender Radio 24. (Bild: CH Media)
von Christian Beck

Alex Oberholzer, seit 1991 Filmredaktor bei Radio 24, hört auf. Am Samstag wurde sein letzter Beitrag ausgestrahlt. «Alex Oberholzer ist mittlerweile 68 Jahre alt und hat ganze drei Jahre über sein offizielles Pensionsalter bei uns weitergearbeitet – was uns natürlich sehr gefreut hat», sagt Joël Steiger, Leiter PR Entertainment bei CH Media, auf Anfrage von persoenlich.com. Nach 30 Jahren bei Radio 24 gehe Oberholzer nun aber «in seine wohlverdiente Pension».

Als Alex Oberholzer bei Radio 24 anfing, hatte er jeweils am Samstagvormittag zusammen mit Peter Neumann eine zweistündige Kinosendung. «Da konnten wir uns richtiggehend austoben. Eine Stunde besprachen wir jeweils die aktuellen Filme, in der anderen behandelten wir ein Thema. Zum Beispiel Tragikomödien, Wildwestfilme, Stars und Starletts oder – und daran erinnere ich mich besonders gut – Sexfilme», so Oberholzer zu persoenlich.com. «Dafür besuchten wir mit einem Soziologieprofessor und einer Historikerin Sexfilme und haben darüber im Radio berichtet. Auf diese Sendung hatten wir sehr viele Reaktionen.»

Eine «tolle Erinnerung» habe Oberholzer auch an den Oscargewinn von Xavier Koller: «Als er für ‹Die Reise der Hoffnung› die begehrte Auszeichnung bekam, rief er aus Hollywood direkt in unserem Studio an und wir hatten ihn live in der Nachrichtensendung», so der Kinoexperte. «Schön waren auch die Zeiten, als ich noch mobiler unterwegs war und die Medienhäuser noch üppigere Spesenbudgets hatten. Da konnte ich jeweils an die Filmfestivals nach Cannes, Berlin und Locarno reisen.»

Aber ganz unabhängig von einzelnen Events sei natürlich das Leben eines Filmkritikers überaus angenehm. «Wenn andere ins Büro gingen, begab ich mich ins Kino. Einen schöneren Beruf kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Und das wunderbare Team von Radio 24 hat viel zu meiner stets ausgezeichneten Arbeitsatmosphäre beigetragen», so Oberholzer weiter.

Gefäss wird nicht ersetzt

Bei Radio 24 ist aktuell nicht geplant, das Sendegefäss des Filmkritikers zu ersetzen. «Alex Oberholzer bleibt uns aber für Grosskinoereignisse wie grosse Kinopremieren oder Award-Verleihungen, über welche wir nach wie vor berichten werden, erhalten», so Joël Steiger weiter.

Langweilig dürfte es Oberholzer ohnehin nicht werden: «Ich werde weiterhin regelmässiger Gast sein in der Bernhard Matinée von Moritz Leuenberger und dort zusammen mit Wolfram Knorr aktuelle Filme besprechen», sagt er zur Frage nach seinen Zukunftsplänen. «Daneben werde ich bestimmt auch regelmässig ins Kino gehen, wie immer viel lesen, mich um meine beiden Enkelkinder kümmern und vermehrt einfach in die Luft gucken.» Zudem habe Oberholzer ein heimliches Projekt: «Meine ersten zehn Lebensjahre verbrachte ich im Kinderspital. Da habe ich derart viel Lustiges und Trauriges erlebt, dass ich darüber vielleicht mal ein Buch schreibe.» Oberholzer kam 1953 behindert zur Welt. Als einjähriges Kind erkrankte er noch an Kinderlähmung.

Alex Oberholzer studierte Mathematik, Literatur und Kunstgeschichte (MA). Nebst seinem Job als Radio-24-Filmredaktor arbeitete er bis 2018 auch 50 Prozent in der Kommunikation des Bundesamtes für Sozialversicherungen in Bern. Davor war er auch tätig für Tamedia und Ringier, immer in der Funktion als Filmkritiker. Oberholzer ist Präsident des Internationalen Festivals «Look & Roll – Behinderung im Kurzfilm» und in der Programmkommission der Allianz-Cinemas von Zürich und Basel, ausserdem im Vorstand des Theaters Hora und im Beirat des Cybathlons (ETHZ).



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Kommentare

  • Ruth Brüderlin, 21.07.2021 14:30 Uhr
    Blitzgescheit, eloquent und dann dieser schelmische Humor. Charmebolzen Oberholzer muss der breiten Öffentlichkeit unbedingt in irgend einer Form erhalten bleiben, please.

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