06.02.2019

SRF

Frauen-«Club» hat 12'000 Zuschauer weniger

War es statt der Männerkrise eine Themenkrise in der «Club»-Redaktion, die dazu führte, dass es gleich zwei Sendungen mit demselben Inhalt gab? «Wir haben ein Thema aufgegriffen, das in der Luft liegt», so Moderatorin Barbara Lüthi. Das Publikum hat es nicht honoriert.
SRF: Frauen-«Club» hat 12'000 Zuschauer weniger
Diskutierten im SRF-«Club» über Männer (v.l.): Bäuerin Manuela Barmettler, Moderatorin Barbara Lüthi und Theologin Ina Praetorius. (Bild: Screenshot SRF)
von Christian Beck

Dieselbe Sendung, dasselbe Thema, aber nur Frauen statt Männer in der Diskussionsrunde. Der SRF-«Club» vom Dienstagabend zum Thema «Was Frauen wollen – Was Männer sollen» ging deutlich gesitteter über die Bühne. Noch in der Vorwoche diskutierten unter dem Titel «Oh Mann! Männlichkeit in der Krise?» sechs Männer teils giftig über toxische Männlichkeit (persoenlich.com berichtete).

«Klartext geredet wurde dennoch», fand TV-Kritiker René Hildbrand. Doch: «Wie schon beim Männer-‹Club› bewegte sich der Gewinn an inhaltlicher Erkenntnis im Nanobereich», so sein Fazit. «Club»-Moderatorin Barbara Lüthi ist mit der neusten Sendung zufrieden. «Mir hat die differenzierte und engagierte Diskussion gefallen. Die verschiedenen Teilnehmerinnen haben Fachwissen und persönliche Erfahrungen mitgebracht», sagt sie auf Anfrage von persoenlich.com. Als journalistisches Gefäss wolle der «Club» zu Diskussionen anregen, unterschiedliche Meinungen und Lebenswelten abbilden und zusammenführen. «Mit der Auswahl der Teilnehmerinnen ist das gelungen.»

Themenkrise in der «Club»-Redaktion?

«Sind die Männer tatsächlich in der Krise?», fragte sich Hildbrand nach der Sendung. «Oder ist es nur eine Themenkrise der ‹Club›-Redaktion?» Lüthi verteidigt sich: «Wir haben ein Thema aufgegriffen, das in der Luft liegt. Nach den vielen Reaktionen und Diskussionen zum Männer-‹Club› haben wir uns für eine zweite Runde entschieden.» Journalismus soll nicht im luftleeren Raum stattfinden, sondern etwas aufgreifen, über das geredet werde. Sicher werde dieses Thema nicht überall diskutiert, das habe Bäuerin Manuela Barmettler in der Sendung bestätigt. «Doch für uns gab es genug Reaktionen nach der ersten Sendung, um die Frage nach der Männlichkeitskrise nochmals zu stellen und mit Frauen zu diskutieren», so Lüthi weiter.

Reaktionen gab es auch vor und während der zweiten Sendung auf Twitter reichlich:


Und auch in den Medien wurde der «Club» erneut breit thematisiert. So titelte «Watson» am Mittwoch: «Kaputte Wasserhähne und nach aussen gestülpte Geschlechtsteile – so war der Frauen-‹Club›». Sechs Frauen hätten diskutiert, was sie von einem Mann wollen – «die Vorstellungen gingen weit auseinander», bilanzierte «20 Minuten». Und Bluewin.ch kürte in der Analyse Bäuerin Barmettler zur Gewinnerin der Diskussion – «auf der Verliererseite dagegen der Entscheid, Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach per Skype zuzuschalten».

dillier

Das Onlineportal «Nau» fokussierte auf Jetsetterin Vera Dillier und «ihr trauriges Geheimnis» (eine versuchte Vergewaltigung). Auch die «Luzerner Zeitung» widmete sich Dillier, die «einen Mann, der Jäger ist und eine Frau erobert» suche. Diese Rollenverteilung habe sich schon in der Steinzeit bewährt. In einem Kommentar heisst es dazu: «Dass Frau Dillier sich gerne in Pelz hüllt oder sonst halbnackt auftritt, hat sich wohl auch schon seit der Steinzeit so bewährt. Und der «Tages-Anzeiger»: «Dilliers Auftreten wirkte brachial im Vergleich zum Rest der Runde.»


Der Frauen-«Club» vom Dienstag erreichte laut der SRF-Medienstelle insgesamt 102'000 Zuschauerinnen und Zuschauer, dies entspricht einem Marktanteil von 16,7 Prozent. Zum Vergleich: Den «Männer-Zickenkrieg» von letzter Woche sahen 114'000 Zuschauer (Marktanteil: 18,2 Prozent). Im Jahresschnitt 2018 verfolgten rund 110'000 Zuschauer den «Club».



Hier geht es zur ganzen Sendung.



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