02.06.2017

Tamedia

Gewerkschaft fordert Medienvielfalt

Syndicom befürchtet durch die angekündigten Sparmassnahmen in den Redaktionen einen massiven Stellenabbau.
Tamedia: Gewerkschaft fordert Medienvielfalt
Die Gewerkschaft Syndicom befürchtet eine «Tamedia-Einheitskost 2020». (Bild: Tamedia/Raisa Durandi)

Anfang Mai deckte persoenlich.com auf: Ein Projektteam bei Tamedia prüft «radikale Szenarien», um Kosten zu sparen. Schon im Juni wollen Unternehmensleitung und Verwaltungsrat entscheiden, welche Szenarien sie weiterverfolgen. Die Gewerkschaft Syndicom befürchtet nun eine akute Gefährdung der Medienvielfalt und einen massiven Stellenabbau, wie es in einer Mitteilung heisst.

Da praktisch die Hälfte der Schweizer Tageszeitungen aus dem Verlag Tamedia komme, würden die ruchbar gewordenen Sparvorstellungen des Tamedia-Verwaltungsgrats eine grosse Gefahr für die Medienvielfalt bedeuten, ist Syndicom überzeugt. Syndicom bestreite nicht, dass im Printbereich ein Rückgang der Werbung stattgefunden habe. Das Splitting der Werbegelder auf immer mehr Kanäle werde sich für die gedruckte Presse auch in Zukunft negativ auf die Einnahmen auswirken.

«Wir erinnern aber daran, dass Tamedia zusammen mit Ringier zahlreiche lukrative digitale Nummer-1-Werbeplattformen für Stellen, Immobilien, Autos usw. besitzt», heisst es weiter. Syndicom fordert deshalb Tamedia auf, sich als zukunftsorientierte Verlegerin zu verhalten und auch die Erträge der digitalen Werbung in die Publizistik, die journalistische Qualität und die Arbeitsqualität zu investieren, statt in die Aktionäre. Laut Gewerkschaftsangaben gingen in den vergangenen zehn Jahren von einem kumulierten Tamedia-Gewinn von 1,5 Milliarden Franken über 400 Millionen an die Aktionäre. «Zusätzlich schöpften Verwaltungsrat und Konzernleitung gegen 100 Millionen Franken ab», schreibt Syndicom weiter.

Tamedia trage als dominierendes Schweizer Medien- und Druckunternehmen auch gesellschaftlich und demokratiepolitisch eine grosse Verantwortung. «Wir fordern von Tamedia die Mitsprache der Personalvertretungen, der Angestellten sowie ihrer Gewerkschaften und Verbände bei der Zukunftsplanung und vor Investitionen in die Zukunft», heisst es in der Mitteilung. Es sei inzwischen hinlänglich bekannt, dass der Umbau von Unternehmen ins digitale Zeitalter ohne Einbezug der Betroffenen nicht funktioniere. Ein unmittelbar zu vollziehender erster Schritt sei deshalb, dass sich Tamedia wieder zur Sozial- und Vertragspartnerschaft bekenne, sich sofort wieder dem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die Druckindustrie unterstelle und den Abschluss eines GAV für Journalisten aktiv unterstütze, so die Forderungen. (pd/cbe)


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KOMMENTARE

Anton Moser-Breitenstein
01.06.2017 16:15 Uhr
Der Coninx-Clan staubt bei Tamedia gleich drei Mal und das nicht eben bescheiden ab: als Aktionäre, als Verwaltungsräte, als Unternehmensleitung. Die Journalisten bleiben dabei immer die Dummen.
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