15.06.2016

Service Public

«Geld gibt es nur gegen Leistung»

Publicom-Geschäftsführer René Grossenbacher fordert in der NZZ, dass die SRG nur noch Geld für erwünschte Inhalte erhalten soll.
Service Public: «Geld gibt es nur gegen Leistung»

Vor ziemlich genau einem Jahr hat die Schweizer Bevölkerung über die Revision des RTVG abgestimmt. Ein Zeichen für die SRG: Neue Denkansätze sind gefragt, schlussfolgert Publicom-Geschäftsführer René Grossenbacher in einem Gastkommentar in der NZZ.

Die gut 1,2 Milliarden Franken, von denen die SRG 95 Prozent erhält, dürfen seiner Meinung nach nicht mehr einfach so verbraucht werden. «Sowohl die SRG als auch die Privaten müssen als Gegenleistung einen Programmauftrag erfüllen, der in der Konzession näher definiert ist», erklärt Grossenbacher. Dieser würde aber nicht immer eingehalten: «Zum Beispiel wird deutlich, dass der vom Gesetzgeber erwünschte sprachregionale Austausch in den meisten SRG-Programmen kaum stattfindet.»

Der Medienwissenschaftler rechnet weiter vor, dass die Gelder bei SRG und privaten Sendern völlig unterschiedlich genutzt werden. «Angenommen, die Gebühren würden nur eingesetzt, um Informationsinhalte zu produzieren, so kostete eine Minute Information bei den privaten Gebührenradios im Schnitt 52 Franken, bei den SRF-Radios 234 Franken.» Dies zeige, dass die Gebührenverteilung nicht nur ungerecht, sondern auch ineffizient sei, schlussfolgert Grossenbacher. Er fordert ein neues Prinzip: Geld gibt es nur gegen Leistung.

Dies bedeute für die SRG, dass die Öffentlichkeit nur für «demokratie- und gesellschaftspolitisch erwünschte Inhalte» bezahlt werden würde. Für alles andere müssten alternative Einnahmequellen wie Werbung herhalten. «Damit wären auch die Spiesse für SRG und Private gleich lang, und der Wettbewerb (um die öffentlichen Gelder) würde endlich zu einem echten Qualitätswettbewerb.»

Er ist nicht der Einzige mit dieser Forderung: Der Verein Schweizer Medien hat vor wenigen Tagen eine Studie veröffentlicht, in der ein neues Fördermodell für Radio und Fernsehen in Betracht gezogen wird (persoenlich.com berichtete). Peter Hettich (Universität St. Gallen) und Mark Schelker (Universität Freiburg) schlagen in der Studie eine Neuregelung vor, die «eine unabhängige Evaluation förderungswürdiger Medieninhalte sicherstellt und dabei auch deren Konsum miteinbezieht».

Bild: Keystone


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