15.10.2020

Nach SRF-Radiobeitrag

Jacqueline Badran erhält Morddrohung

Ein unautorisiert verwendetes Zitat hat für die Zürcher SP-Nationalrätin gravierende Folgen gehabt. In einem Interview kritisiert Badran Radio SRF, sie überrumpelt zu haben.
Nach SRF-Radiobeitrag: Jacqueline Badran erhält Morddrohung
Schilderte auf TeleZüri, weshalb sie so wütend wurde: Jacqueline Badran. (Bild: CH Media)

Die Geschichte hat hohe Wellen geworfen: Ende September bezeichnete SVP-Nationalrat Andreas Glarner am Rande eines Klimaprotest-Camps vor dem Bundeshaus die Grüne Nationalrätin Sibel Arslan als «Arschlan» (persoenlich.com berichtete). Etwas abseits stand SP-Nationalrätin Jacqueline Badran, die sich darüber ärgerte, dass anstelle der Klimaaktivisten nun Glarner die mediale Aufmerksamkeit auf sich zieht. «Praktisch alle Journalisten, die auf dem Platz waren, rannten zu den beiden, als wären Harry und Megan persönlich aus dem Bundeshaus geschritten», so Badran in einem ausführlichen Medienwoche-Interview.

Als ein SRF-Radiojournalist Badran fragte, was sie vom Streit zwischen Glarner und Arslan halte, antwortete sie: «Mit euch spreche ich nicht.» Der Grund, den Badran anschliessend nannte, wurde schliesslich in einem «Echo der Zeit»-Beitrag gesendet: «Weil ihr die falschen Fragen stellt.» Sie forderte die Journalisten auf, die Kameras auf die Jugendlichen zu richten und nicht auf «de huere fucking Glarner»:

Badran sei «offensichtlich nicht in der Verfassung» gewesen, um ein Zitat abzugeben. Sie kritisiert SRF, sie überrumpelt und ihre Aussage unautorisiert verwendet zu haben. «Der Journalist hätte eine Stunde später zurückkommen können und ich hätte ein vernünftiges Statement zur Medienkritik abgeben können», so Badran zur Medienwoche. «Wir sind nicht Vieh. Wir sind auch Menschen und keine Roboter, die nonstop professionelle Medienarbeit machen.»

Der SRF-Beitrag löste weitere Medienberichte aus – und hatte Folgen für die Zürcherin. «Ich wurde einfach auf die Politikerin reduziert, die die Nerven verloren hat und rumrabazt und Glarner beschimpft», so Badran, «und nicht etwa auf die 40 Jahre Engagement als Umweltpolitikerin, die die Medien kritisiert». Unter Artikeln von Blick und 20 Minuten gab es wüste Kommentare, Badran erhielt zahlreiche E-Mails. Auch eine Morddrohung sei eingetroffen, wie sie gegenüber der Medienwoche schildert. Unterzeichnet sei das Schreiben «von einem ‹Mitglied des Glarner-Fanclubs›» gewesen.

«Die Medien merken nicht, was sie mit so einer unautorisierten Berichterstattung alles anrichten können. Für sie ist es eine Aufreger-Geschichte mehr. Für mich ist es mein Leben», so Badran. (cbe)



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Kommentare

  • Adrian Erni, 16.10.2020 15:29 Uhr
    Bitte ganzes Interview lesen, bevor da schon wieder von Ewiggestrigen rumgenölt wird. Etwas vom besseren was ich die letzten Jahre über unsere Medienlandschaft gelesen habe. Amen. https://medienwoche.ch/2020/10/15/das-ist-kein-journalismus-sondern-eine-zumutung/
  • René Lüchinger, 16.10.2020 10:27 Uhr
    Wie wäre es damit, Frau Badran: erst denken, bevor Sie Unausgegorenes in ein Mikro hinein posaunen?
  • Mike Helmy, 16.10.2020 05:16 Uhr
    Von einer Politikerin, welche sich bewusst in den Trubel hinein begibt und somit eine Sgenda hat, erwarte ich genau das: sich professionell zu verhalten und zu dem zu stehen, was sie sagt. Was heisst unautorisiert? Habe mich nie damit anfreunden können, Zitate vorlegen zu müssen, das kennt nur die Schweiz. In anderen Ländern gilt auch bei langen Interviews: Gesagt ist gesagt.
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