28.07.2025

Tele 1

Juan Riande macht sich selbstständig

Der 22-jährige Videojournalist verlässt den Luzerner Fernsehsender Ende August – diesmal freiwillig. Er hat Lust auf neue Herausforderungen. Ein Dokumentarfilm über eine 72-jährige Studentin und Projekte mit prominenten Schweizer Künstlern warten auf den frisch diplomierten MAZ-Absolventen.
Tele 1: Juan Riande macht sich selbstständig
Juan Riande bei Dreharbeiten: Der 22-jährige Videojournalist verlässt Tele 1, um sich als selbstständiger Filmemacher zu etablieren. (Bild: zVg)

Juan Riande macht einen ungewöhnlichen Schritt: Der 22-jährige Videojournalist verlässt am 23. August seinen Job beim Zentralschweizer Privatsender Tele 1 freiwillig, um sich als Filmemacher selbstständig zu machen. Nicht aus finanzieller Not oder wegen einer Kündigung – sondern aus eigenem Antrieb.

«Ich muss mir eine Veränderung aufdrücken, weil ich nicht mehr weiterkomme», erklärt Riande auf Anfrage von persoenlich.com seine Entscheidung. Der MAZ-Absolvent und das Vorstandsmitglied der Jungen Journalistinnen und Journalisten Schweiz sagt: «Das, was ich mache, mache ich zwar megagerne, aber es fordert mich nicht genug, dass ich zufrieden sein kann.» Die täglichen 2,5 Minuten Beitrag bei Tele 1 seien zwar «megacool, aber eben auch begrenzt».

Vom Mechatroniker zum Medienmacher

Riandes Weg in die Medien war alles andere als normal – er hätte perfekt in die persoenlich.com-Sommerserie «Quereinsteiger / Quereinsteigerin» gepasst. Der gelernte Automobilmechatroniker fand über Radio 3Fach zum Journalismus, absolvierte mehrere VJ-Ausbildungen am MAZ und arbeitet seit August 2023 bei Tele 1. Doch schon Anfang 2024 erlebte er die harten Realitäten der Medienbranche: Im Rahmen des Stellenabbaus bei CH Media Entertainment wurde ihm gekündigt. Ein Instagram-Video, in dem er öffentlich nach einem neuen Job suchte, machte ihn in der ganzen Medienbranche bekannt (persoenlich.com berichtete).

Die Rückkehr zu Tele 1 im Oktober 2024 war ein Happy End – aber nur ein vorläufiges. Statt der ursprünglich 70 Prozent erhielt Riande nur noch ein 50-Prozent-Pensum. «Das sind netto etwa 2000 Franken», rechnet er vor. «Das reicht niemandem.» Nur dank seinem Nebenjob als Unfall- und Pannenhelfer bei der Autohilfe Zentralschweiz könne er finanziell über die Runden kommen.

Die Zahlen, die Riande nennt, sprechen Bände über die Lohnsituation bei Schweizer Lokalmedien. «Wenn ich innerhalb des Gebäudes einfach einen Stock tiefer zur Zeitung wechseln würde, hätte ich 1000 Franken mehr», sagt er am Telefon. «Und ich behaupte, mein Job wäre deutlich chilliger.»

«Vielleicht falle ich auf den Latz»

Nun erfüllt sich Riande seinen grössten Traum und hat mit einem Dokumentarfilm begonnen. «Ich mache diesen Dokufilm, um zu lernen», sagt er pragmatisch. «Vielleicht falle ich auf den Latz und es kommt nie etwas raus. Schlussendlich steht meine persönliche Entwicklung im Vordergrund.»

Sein aktuelles Projekt hat es in sich: ein Dokumentarfilm über «Bildung im Alter». Die Hauptprotagonistin ist eine 72-jährige Frau mit einer bewegenden Lebensgeschichte. Als uneheliches Kind geboren und weggegeben, war sie Teil der administrativen Versorgung in der Schweiz. Mit dem Geld aus der Wiedergutmachungsinitiative holte sie mit 50 die Matura nach und studiert seither. Im April 2026 schliesst sie ihren Master in Germanistik und Geschichte ab.

«Es ist eine megaschöne Geschichte», schwärmt Riande. Der Film soll die Zuschauer dazu bringen, sich zu fragen, warum man sich weiterbildet und welchen Wert das für einen selbst hat.

Prominente Kunden in der Pipeline

Nebst dem Dokumentarfilm hat Riande bereits konkrete Aufträge in der Tasche. So wird er in den nächsten zwei Jahren prominente Schweizer Künstler begleiten, die gemeinsam ein Musical entwickeln. «Sie wollen ein bisschen Promomaterial und Videotagebuch machen», erklärt Riande. Er sei Teil des Teams, das das Projekt dokumentarisch begleiten werde.

Auch andere Projekte stehen an: Werbefilme, Livesessions und die Zusammenarbeit mit einer Velo-Influencerin, die Frauen motivieren will, sich vom Velofahren nicht abschrecken zu lassen.

Der Spagat zwischen Sicherheit und Traum

Trotz des Sprungs in die Selbstständigkeit behält Riande ein kleines Pensum als Unfall- und Pannenhelfer – eine Absicherung, die er aus seiner ersten Kündigung gelernt hat. «Deshalb habe ich mir gesagt, ich suche mir noch etwas Krisenresistenteres», sagt er pragmatisch.

Die Arbeit als Pannenhelfer – oder «Abschlepper», wie es von einigen scherzhaft genannt wird – erfüllt ihn durchaus: «Man hilft den Leuten in Not, man wird gefordert. Es ist sehr abwechslungsreich und man muss manchmal auch sehr hirnen.» 99 Prozent der Kunden seien «unglaublich dankbar».

Ob das Wagnis Selbstständigkeit aufgeht, wird sich zeigen – die ersten Aufträge sind jedenfalls schon da.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Briggle Ancellotta
31.07.2025 15:26 Uhr
Ich mag es ihm ja sehr gönnen. Definitiv. Aber ja: definitiv Sommerloch-Programm und fragwürdig bezüglich der Relevanz?
Peter Bräm
29.07.2025 17:55 Uhr
Sommerloch?
Nik Dormann
29.07.2025 06:40 Uhr
Gratulazione, mach’s guet. Gruess Nik
Kommentarfunktion wurde geschlossen