Frau Neuhaus, das neugestaltete NZZ Folio ist ja quasi im Geburtskanal steckengeblieben. Wie froh sind Sie, dass die Geburt nun doch noch geklappt hat?
Sehr froh. Das Folio ist ein grossartiges Magazin. Es hätte mir wehgetan, wenn es seinen 30. Geburtstag im nächsten Jahr nicht erlebt hätte. Wir haben aber im April schon angekündigt, dass es im September weitergeht.
Ursprünglich vorgesehen war ja der Relaunch auf April, wurde dann aber verschoben (persoenlich.com berichtete). Sind nun die Rahmenbedingungen wieder besser?
Der Werbemarkt ist immer noch angespannt. Zum Glück haben uns viele Kunden und Agenturen die Treue gehalten. Ohne Sparmassnahmen geht es aber auch bei uns nicht: Künftig wird das Folio statt einmal im Monat nur noch alle zwei Monate erscheinen.
Hat dies Konsequenzen auf das Personal?
Nein, es bleibt bei vier Festangestellten. Ich freue mich sehr, dass meine Stellenprozente wieder besetzt werden und NZZ-Autor Flurin Clalüna zum Folio-Team stossen wird.
«Die Folio-Redaktion ist ein sehr kleines Team»
Ich habe mir sagen lassen: Hinter dem Relaunch stecken acht Monate Arbeit. Was gab es da alles zu tun?
Wir haben ja nicht nur am Relaunch gearbeitet, sondern bis zur Sommerpause Monat für Monat ein neues Magazin herausgegeben. Die Folio-Redaktion ist ein sehr kleines Team. Auf uns entfallen lediglich 340 Stellenprozente. Da braucht man schon ein paar Monate, um ein neues Konzept zu entwickeln und umzusetzen.
Werden die Leserinnen und Leser das NZZ Folio noch erkennen?
Ja. Wir sind die Aufgabe mit grossem Respekt und mit Zurückhaltung angegangen. Das Folio hat ein sehr treues Publikum: fast 100'000 Leserinnen und Leser mehr als die NZZ. Es wäre falsch gewesen, ihnen ein völlig neues Heft vorzusetzen. Hinter dem Relaunch steckt auch keine Agentur, sondern die Folio-Redaktion: Reto U. Schneider, Barbara Klingbacher, Aline Wanner, Patric Marino und ich. Mehr Folio ist fast nicht möglich.
Kurz zusammengefasst: Was ist in Sachen Design passiert?
Die Federführung hatte Creative Director Rahel Arnold von der NZZ. Mit ihrem Team hat sie grossartige Arbeit geleistet. Das Design ist moderner, frischer und gleichzeitig sehr elegant. Sie können sich darauf freuen.
«Das neue Konzept erlaubt es uns, aktueller und dringlicher zu werden»
Und auch das Konzept haben Sie geändert. Sie möchten laut Mitteilung zusätzlich ein jüngeres Publikum ansprechen. Wie?
Beim Folio war die Monothematik schon immer Stärke und Schwäche gleichzeitig. Dass wir Monat für Monat auf ein Thema setzen, ist zwar unser Alleinstellungsmerkmal. Wer sich nicht für Themen wie «Ausserirdische» oder «Die Beiz» interessiert, legt das Magazin aber möglicherweise weg. Wir bleiben auch künftig bei einem Schwerpunktthema, haben aber gleichzeitig den Rubrikenteil erneuert und erweitert. Das neue Konzept erlaubt es uns, aktueller und dringlicher zu werden. Am 7. September starten wir mit dem Thema «China und wir».
Welche Rubriken haben Sie zusätzlich aufgenommen?
Ausführliche Interviews, Essays bekannter Schweizer Autorinnen und Autoren, grosse historische Ideen, kleine Reportagen aus der Schweiz und Personenstücke aus der Welt der NZZ-Auslandkorrespondenten. Unsere Klassiker, «Wer wohnt da?», «Das Experiment» und Gerhard Glücks Cartoon «Folio Folies», haben weiterhin ihren angestammten Platz.
Sie wurden ja erst im August 2019 Chefredaktorin des NZZ Folio. Im Januar werden Sie Inlandchefin. Man könnte sagen: Sie haben in dieser kurzen Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen …
Ich glaube, meine Ernennung hat mehr mit meiner Arbeit als Inlandredaktorin zu tun als mit meinem Intermezzo als Redaktionsleiterin des Folios.
Was haben Sie eigentlich gemacht in der Zeit, in der NZZ Folio nicht erschienen ist?
Wir waren alle in Kurzarbeit. Im Rahmen des gesetzlich Erlaubten haben wir aber den ganzen Sommer gearbeitet. Aline Wanner und Barbara Klingbacher haben grossartige Reportagen für die NZZ geschrieben, Reto U. Schneider und Patric Marino haben recherchiert und an ihren Folio-Texten geschrieben, und ich habe ein, zwei Ausflüge in den Tagesjournalismus unternommen. Der grösste Teil der Arbeit entfiel jedoch auf das neue Folio zum Thema China.
Und was gibt es noch zu tun, bevor Sie Ihre neue Funktion als Inlandchefin antreten?
Eine Themen-Retraite organisieren, gemeinsam mit dem Sales-Team die Kunden von der Grossartigkeit des Folios überzeugen, Interviews in Branchenportalen geben, das Pult aufräumen …
An wen werden Sie dann die Verantwortung des NZZ Folio übergeben?
Es wird eine Folio-interne Lösung geben, eine sehr gute. Mehr verrate ich Ihnen nicht.
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07.09.2020 16:06 Uhr
04.09.2020 22:53 Uhr

