20.08.2023

Hinter den Kulissen

Sie webt ohne Aufhebens am Nachrichtenteppich

Eva Surbeck drängt sich nicht ins Rampenlicht und legt keinen Wert auf den Namen in der Autorinnenzeile. Seit über zwei Jahrzehnten schreibt sie für die Nachrichtenagentur Keystone-SDA, aktuell berichtet sie aus dem Bundeshaus. Der Weg in den Journalismus war für die ausgebildete Romanistin nicht vorgezeichnet.
Hinter den Kulissen: Sie webt ohne Aufhebens am Nachrichtenteppich
Eva Surbeck, Bundeshausredaktorin der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, bei der Arbeit. (Bild: Keystone/Gaëtan Bally)

Der Gegensatz könnte grösser kaum sein. Das Duo, das aktuell für die nationale Nachrichtenagentur aus dem Bundeshaus berichtet, besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Berufsleuten. Sebastian Gänger stand als Sprecher der Belegschaft beim SDA-Streik vor fünf Jahren tagelang im Rampenlicht und machte sich einen Namen. Eva Surbeck, seit mehr als zwanzig Jahren bei der SDA, meidet öffentliche Auftritte, die über ihre Texte hinausgehen. «Wenn es etwa darum geht, neuen Mitarbeitern das Bundeshaus zu zeigen, lasse ich gerne Sebastian den Vortritt», sagt Surbeck.

Wo man ihren Namen doch mal liest

Diese Zurückhaltung passt ganz gut zu einer Agenturjournalistin. Mit ihren Texten alimentiert sie das Nachrichtengrundrauschen in einem Grossteil der Schweizer Medien, damit sich die Redaktionen auf ihre Eigenleistungen konzentrieren können. Erst die Medienkonzentration rückte sie unverhofft ins Rampenlicht. Die Zeitungen der Somedia-Gruppe etwa, die sich selbst keine Korrespondenten mehr im Bundeshaus leisten, präsentieren die Artikel von Eva Surbeck regelmässig so prominent, inklusive Autorinnenzeile, als handele es sich um die Arbeit einer eigenen Mitarbeiterin.

Dass sie einmal über Solaroffensive, Mindeststeuer und Agrarpolitik berichten würde, war so eigentlich nicht vorgesehen. Eva Surbeck studierte Romanistik, wollte aber vor gut 30 Jahren eigentlich nicht als Französischlehrerin vor einer Klasse stehen. Dann ergab eines das andere. Neben dem Studium schrieb sie, um Geld zu verdienen, gegen Zeilenhonorar für den Zürcher Oberländer ZO. «Gemeindeversammlungen, Dorffeste, Konzertberichte», erinnert sich die Journalistin.

Wegbereiterin für pragmatische Lösungen

Als sich ihr nach Abschluss des Studiums die Möglichkeit geboten hatte, auf der Zeitungsredaktion, wo man sie schon kannte, eine Stage zu absolvieren, war das dann auch der Vorentscheid, dass es beruflich fortan in Richtung Journalismus geht. «Ich bin quasi in den Beruf reingerutscht», sagt Eva Surbeck rückblickend. Schon damals sah sie die Öffentlichkeit, die der Beruf als Journalistin nun mal mit sich bringt, als unvermeidbare Begleiterscheinung und nicht als Möglichkeit, um den eigenen Kopf herauszustrecken. Ihre Rolle sah sie darin, pragmatischen Lösungen in der Lokalpolitik publizistisch den Boden zu ebnen. «Am Beruf reizte mich vor allem die Abwechslung; dass du nie im Voraus weisst, was dich genau erwartet», beschreibt Eva Surbeck ihre bis heute anhaltende Motivation für den Journalismus.

Nach sieben Jahren Lokaljournalismus wechselte sie zur Schweizerischen Depeschenagentur SDA, zuerst ins Regionalbüro nach Aarau, bevor es sie später in die Zentralredaktion nach Bern zog. Die Arbeit auf der Agentur hatte Eva Surbeck bereits während ihrer ersten Schritte in den Beruf kennengelernt, als sie während der Stage bei der Lokalzeitung bei der SDA schnuppern konnte. «Schon damals sah ich, dass mir diese Art von Journalismus gefällt», sagt Surbeck. «Mir gefiel insbesondere die Neutralität, dass man nicht so verbandelt ist mit den Akteuren, wie das manchmal bei den Lokalzeitungen der Fall ist.»

Anders als im Zürcher Oberland, wo alle über die sie berichtet hatte, die Zeitung kannten, machte sie bei der Agentur in Aarau die neue Erfahrung, dass sie regelmässig erklären musste, für wen sie arbeitet. Man kannte die Lokalzeitung, aber nicht die Agentur. Das änderte sich schlagartig, als sie nach zwei Jahren in die Inland-Redaktion der Nachrichtenagentur nach Bern wechselte. Im politischen Zentrum des Landes ist die Nachrichtenagentur eine wichtige und geschätzte Institution; die SDA gehört quasi zum Inventar.

Andere schätzen ihr Fachwissen

Das rührt auch daher, dass deren Leute im Bundeshaus jeweils sehr lange auf ihrem Posten bleiben. Als legendär gelten etwa die Redaktoren Bernhard Gnägi und Franz Meier, die von den 1970er bis in die 2000er-Jahre eine gefühlte Ewigkeit für die Agentur aus Bundesbern berichteten. Surbeck arbeitet zwar erst eineinhalb Jahre im Bundeshaus, schreibt aber auch schon mehr als 20 Jahre über Bundespolitik. Das in dieser Zeit erworbene Fachwissen schätzen andere Medien. Wenn Kolleginnen und Kollegen gerade nicht wissen, wie ein amtliches Prozedere abläuft, gehen sie zur SDA. Da gibt dann auch Eva Surbeck gerne mal Auskunft und erklärt, wie eine PUK funktioniert oder was mit einer Parlamentarischen Initiative geschieht, wenn einer der beiden Räte sie ablehnt.

Das ist einer der wenigen Momente, wo sie von dritter Seite Wertschätzung für ihre Arbeit erfährt. Doch eigentlich rechnet sie gar nicht damit. Wenn sie am Radio eine Formulierung hört, die von ihr stammt, weil Radio SRF eine Agenturmeldung für die Nachrichten verwendet hat, dann denke sie zuerst immer: «Jetzt haben sie die gleiche Idee gehabt wie ich und komme gar nicht darauf, dass sie wohl meine Meldung übernommen haben.»

Stärker im Rampenlicht als bei der Arbeit steht Eva Surbeck in ihrer Freizeit. In verschiedenen klassischen Ensembles und Streichorchestern spielte und spielt sie Cello oder Bassgeige. Wie geht das mit ihrer zurückhaltenden Art zusammen? «Mit dem Bass stehst du zuhinterst im Orchester», sagt Surbeck. Mit dem Cello ist man aber schon etwas weiter vorn. «In der Musik stört mich das weniger, weil ich in der Gruppe bin. Das ist ein anderes Gefühl.» Eigentlich würde sie gerne etwa mehr musizieren. Aber wegen der regelmässigen Abendarbeit bei der Nachrichtenagentur liege das wohl erst nach der Pensionierung drin.

Sie wäre gerne Fotografin geworden

In jüngeren Jahren hätte sie sich schon auch überlegt, Berufsmusikerin zu werden. «Aber die damit verbundene Unsicherheit wäre mir zu gross gewesen», sagt Eva Surbeck. Eine andere Leidenschaft, die heute eher zu kurz kommt, ist die Fotografie. Auch das wäre mal ein Berufswunsch gewesen, der ihr aber schon bei der Lokalzeitung verwehrt wurde, als sie sich mal nach einem Wechsel erkundigte hatte. Jetzt bleibt die Suche nach dem schönen Bild ein Hobby.

In den knapp zehn Jahren bis zur Pensionierung gedenke sie sich beruflich nicht mehr neu zu orientieren. Die Seite zu wechseln und Medienarbeit zu machen, etwa in der Bundesverwaltung, käme für sie nie in Frage. «Zu schreiben, was ein Chef erzählt und dann die Journalisten anrufen, um sie zu bitten, den Titel zu ändern, das möchte ich nicht machen.» Dafür ist ihr zu stark an ihrer Unabhängigkeit gelegen. Einmal Journalistin, immer Journalistin. Bei Eva Surbeck ist das keine Floskel, sondern die Realität.


In der Serie «Hinter den Kulissen» stellt persoenlich.com Personen aus den Bereichen Medien, Werbung und Marketing ins Rampenlicht, deren Arbeit für die Öffentlichkeit ansonsten wenig sichtbar ist.

Bereits erschienen sind:
Simone Jehle (Beraterin Agentur Wirz)
Sandro Inguscio (Chefredaktor Blick.ch/Blick TV)
Souri Thalong, Community-Support Republik
Markus Stadelmann, professioneller Sprecher
Sofiya Miroshnyk, «Club»-Produzentin


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KOMMENTARE

Sebastian Hueber
24.08.2023 08:21 Uhr
Ein gelungenes Portrait einer soliden Journalistin. Auch ich durfte, wie Mark, einige Jahre mit ihr arbeiten. Stets unaufgeregt, kompetent und speditiv.
Mark Theiler
21.08.2023 10:09 Uhr
Ich habe jahrelang an der Seite von Eva bei der SDA gearbeitet. Sie ist genau so wie beschrieben: Kompetent, klug, fleissig, bescheiden, die ideale Agenturjournalistin, Ich nannte sie Miss Perfect. Keep going Eva!
Jan-Jesse Müller
21.08.2023 08:27 Uhr
Danke für das Portrait von Eva Surbeck! Sie war schon damals beim ZO eine bescheidene, verlässliche Kollegin. Schön, dass Eva dem Journalismus noch weiter erhalten bleibt!
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