04.03.2018

Abstimmungssonntag No Billag

SRG will 100 Millionen Franken sparen

Nach dem klaren Nein ist die SRG-Spitze vor die Medien getreten. Generaldirektor Gilles Marchand kündigte weitere Sparmassnahmen an. Die SRG verzichtet künftig auf regionale, zielgruppengerechte Werbung. Und: Bei Spielfilmen wird keine Werbung mehr ausgestrahlt.
Abstimmungssonntag No Billag: SRG will 100 Millionen Franken sparen
SRG-Präsident Jean-Michel Cina und SRG-Generaldirektor Gilles Marchand. (Bild: Keystone)

Die SRG will die öffentliche Kritik am Unternehmen ernst nehmen: Sie hat noch am Abstimmungssonntag tiefgreifende Reformen angekündigt. Neben einem Stellenabbau in noch unbekanntem Ausmass sollen auch die Werbung und die Onlineaktivitäten eingeschränkt werden. Die SRG-Spitze zeigte sich vor den Medien in Bern einerseits sichtbar erleichtert und bestätigt, andererseits demütig.

Spurlos ist der emotional geführte Abstimmungskampf nicht am Unternehmen vorbeigegangen - trotz dem schliesslich überraschend deutlichen Nein zur No-Billag-Initiative. «Wir stehen vor einem Neuanfang», sagte SRG-Generaldirektor Gilles Marchand. Die SRG befinde sich an einem «historischen Wendepunkt» in ihrer Geschichte und ab sofort in einem «permanenten Reformprozess».

Unbekannter Umfang des Stellenabbaus

Insgesamt kündigte der SRG-Generaldirektor wegen der Gebührensenkung von heute 451 Franken auf 365 Franken im Jahr und der sinkenden Werbeerlöse Sparmassnahmen in Höhe von 100 Millionen Franken an. Das Unternehmen werde ab dem kommenden Jahr bei der Infrastruktur, in der Verwaltung, in der Technik, bei den Immobilien, den Produktionsprozessen und in der Distribution rund 80 Millionen Franken sparen.



Wo, wie und um wie viel konkret abgebaut wird, lässt die Unternehmensführung noch offen. Klar ist: Auch Arbeitsplätze sind betroffen. Laut Marchand wird die SRG den Abbau mit den Sozialpartnern besprechen und zu gegebener Zeit kommunizieren. Weitere 20 Millionen Franken sollen reinvestiert werden. Dabei geht es darum, den Fokus des Angebots anzupassen. «Wir haben im Abstimmungskampf das junge Publikum gehört. Es will auf eine neue Art mit den Medien interagieren.»

Kein Text ohne Audio oder Video

Marchand erklärte weiter, die SRG werde künftig die Hälfte der Gebühreneinnahmen für «ausgewogene Information in vier Sprachen» aufwenden. Und sie werde das Engagement bei der einheimischen Kulturproduktion - insbesondere beim Film und den Serien - noch weiter fördern. «Alles mit dem Ziel, sich auf die Raison d'être zu konzentrieren.»

Zusätzlich setze die SRG in Zukunft auf die Verbesserung des digitalen Angebots. Dazu wolle sie eine mehrsprachige Plattform aufbauen, die es erlaube, dem Publikum möglichst alle SRG-Produktionen aus allen Sprachregionen mit entsprechender Übersetzung zugänglich zu machen. Nach eigenen Angaben verzichtet die SRG künftig darauf, Spielfilme durch Werbeblöcke zu unterbrechen. Auch würden künftig keine Texte mehr online verbreitet, ohne dass ein Audio- oder Videobeitrag zum Thema vorliege, sagte Marchand.

Kooperationen statt Alleingang

Ausserdem will die SRG den privaten Schweizer Medienanbietern ihre Archivinhalte zur Verfügung stellen. Sie wolle weiter auch keine regionale zielgruppenspezifische Werbung anbieten, auch wenn das dereinst regulatorisch möglich würde. «Wir haben die Kritik im Abstimmungskampf gehört», sagte der SRG-Generaldirektor. Ein Alleingang der SRG sei in Zukunft nicht mehr möglich. Deshalb erkläre sich die SRG bereit, gemeinsam mit anderen Schweizer Radiostationen einen nationalen Radio-Player aufzubauen. Und sie zeige sich offen für Kooperationen beim Betrieb der Musiksender Swiss Pop, Swiss Jazz und Swiss Classic.

Kein Austritt aus Admeira

Einen Austritt aus der Werbeplattform Admeira lehnt die SRG ab. «Wir wollen aber die Aufnahme neuer Aktionariatspartner unterstützen», sagte Marchand. Betreffend Nachrichtenagentur SDA sagte er, dass sie im kommenden Jahr keine weiteren Rabatte gewähren müsse. Der Vertrag mit der Agentur werde auf der Basis von 2018 um ein Jahr verlängert.

Die Pläne der SRG werden laut den Verantwortlichen im Verlauf des Sommers 2018 in detaillierter Form präsentiert. Die Umsetzung startet im nächsten Jahr und zieht sich über die nächsten fünf Jahre. (sda/wid)



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Kommentare

  • Sam Zumbuehl, 05.03.2018 00:12 Uhr
    No-Billag war gut - es zwingt die SRG endlich, von ihrem "hohen" Ross herunterzusteigen und Reformen anzugehen. Dass die Unterbrecherwerbung abgeschafft wird, ist cool. Noch cooler wäre es, eine SRG ganz ohne Werbung, oder wenigstens Werbung nur bis 20 Uhr. Die einzelnen sprachregionlalen Sender sollten auch mehr kooperieren - SRF sollte mehr Inhalte von RTS übernehmen (und umgekehrt, das gleiche gilt für das Fernsehen der italienischen Schweiz). das würde Synergien schaffen, und die französische Schweiz (resp. italienische) wäre in der Deutschschweiz etwas präsenter (und umgekehrt). Die SRG sollte die nationale Klammer werden, ich wünschte mir mehr Beiträge und Inputs von unseren Compatriots aus der französisch- und italienischsprachigen Schwei!
  • Maja Schlegel, 05.03.2018 13:00 Uhr
    Es ist weise, triumphiert die SRG nun nicht nach gewonnener Abstimmung. Denn all die Diskussionen und Internet--Foren in den letzten Wochen haben gezeigt, dass ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung unzufrieden ist mit der SRG. Bei der Abstimmung ging es aber nicht um Inhalte der SRG, sondern um das "Für" oder "Dagegen" des Öffentlichen Rundfunks. Das war zu radikal. Die SRG wird unter Dauerbeobachtung stehen, ob sie die angekündigten Reformen auch umsetzen wird. Weniger Werbung (z.B. zwischen den Spielfilmen) ist ein angenehm freudiger Entscheid des Generaldirektors. Wieso nicht auf Werbung verzichten nach 20.00 Uhr wochentags und werbefrei an den Sonntagen, so wie es ARD und ZDF vormachen? Das würde die SRG von den Privaten unterscheiden! Zu wünschen wäre auch weniger dämliche Unterhaltung und doofe Quiz, dafür mehr Kultur, spannende Reportagen (die das Leben in der Schweiz zeigen, aber auch mehr Information (In- und Ausland). Wie Herr Zumbühl anregt, wäre es zu begrüssen, wenn die einzelnen Sprachregionen vermehrt auch über die anderen Sprachregionen berichten würden. Warum könnte SRG nicht einfach mehr Beiträge von RTS übernehmen, die einfach nur noch zu übersetzen wären? So könnte viel gespart werden. Auch was die regionale Berichterstattung angeht, könnte man gewisse Sendungen von Lokalsendern übernehmen. Tele M1 hat dieses Jahr die Fasnachtsumzüge vom Schnutzigen Donnerstag und Güdismontag sowie das Monstercorso übertragen. Die lokalen Reporter zeigten dabei viel Fachkenntnis, sie waren nah dran am Ereignis. Solche Sendungen könnte die SRG doch von den Regionalsendern übernehmen - so könnte sie sparen, da sie nicht eigenes Personal hinschicken muss.

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