24.05.2019

Fall Relotius

Untersuchungsbericht zeichnet ein verheerendes Bild

Der «Spiegel» will eine Ombudsstelle einrichten und die Recherche-, Dokumentations- und Erzählstandards überarbeiten.

«Wir haben uns von Relotius einwickeln lassen und in einem Ausmass Fehler gemacht, das gemessen an den Massstäben dieses Hauses unwürdig ist», schreibt der «Spiegel» in einer Mitteilung zum Fall Relotius. Etwas mehr als fünf Monate nach Bekanntwerden des Fälschungsskandals schliesst das Nachrichten-Magazin die interne Untersuchung mit einem ausführlichen Bericht ab. In der Verdichtung zeichne dieser ein verheerendes Bild, schreibt der «Spiegel». Zwar habe es keine Mitwisser gegeben, doch die Redaktion habe Signale nicht beachtet und sei nach ersten Zweifeln «viel zu langsam in die Gänge gekommen». Zudem habe das Blatt dem Qualitätsjournalismus in Deutschland damit «einen gewaltigen Imageschaden zugefügt».

Als eine von mehreren Lehren daraus, organisiert der «Spiegel» seine Sicherungsmechanismen so, «dass sie auch nahtlos funktionieren». Dazu werde eine unabhängige Ombudsstelle eingerichtet, die etwaigen Hinweisen auf Ungereimtheiten nachgehen soll und es würden die Recherche-, Dokumentations- und Erzählstandards überarbeitet.

Zusätzlich würden drei «Spiegel»-Teams an einem neuen journalistischen Regelwerk arbeiten.

Als Konsequenz aus dem Fälschungsskandal traten mehrere «Spiegel»-Chefs aus ihren Funktionen ab: der zuständige Dokumentar, der Ressortleiter und der designierte Chefredaktor (persoenlich.com berichtete).

2048

Zum Schluss heisst es in der Mitteilung vom Freitag: «Wenn all das den Spiegel besser macht, stellen sich die Betrügereien von Claas Relotius rückblickend betrachtet vielleicht als heilsamer Schock heraus. Der Abschlussbericht war dafür ein wichtiger Schritt, aber die Aufarbeitung geht weiter.» (eh)



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