16.07.2025

UKW-Aus

Widerstand gegen Konzessionsverlängerung

Der Verband unabhängiger Radios und Audiomedien Unikom wendet sich gegen eine erneute Verlängerung der UKW-Konzessionen. In einem offenen Brief kritisiert der Verband die statistische Grundlage der Privatradios. Mediapulse widerspricht der Darstellung und verweist auf eine deutlich grössere Datenbasis über das ganze Semester.
UKW-Aus: Widerstand gegen Konzessionsverlängerung
Das UKW-Aus kommt am 31. Dezember – die Frage bleibt, in welchem Jahr. (Bild: KI-generiert, ChatGPT)

Der Verband unabhängiger Radios und Audiomedien Unikom (früher: Union nicht-kommerzorientierter Lokalradios) hat sich in einem offenen Brief an Bundesrat Albert Rösti, die parlamentarischen Kommissionen und das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) gegen eine weitere Verlängerung der UKW-Konzessionen ausgesprochen.

Die Unikom kritisiert darin die Daten, auf deren Basis Privatradios eine erneute Verlängerung fordern. Nach Angaben des Verbands basieren die von Mediapulse berechneten Reichweitenverluste der SRG auf lediglich 116 Mediawatch-Uhren. Bei SRF entspreche der berechnete Hörerrückgang von 378'600 Personen nur 79 Uhrenträgern, bei RTS seien es 28 und bei RSI 9 Uhrenträger.

Der Verband argumentiert, dass die Mediawatch-Methode für kurzfristige Entwicklungen im Radiomarkt ungeeignet sei. Zudem erfasse das System keine Kopfhörer, obwohl diese beim digitalen Hören über Smartphones zentral seien.

Mediapulse widerspricht

Mediapulse widerspricht der Darstellung der Unikom. Die im Brief genannte Anzahl von 116 Uhrenträgern beziehe sich nur auf einen einzelnen Tag und sei nicht auf das ganze Semester übertragbar, so Isabelle Waser, Head of Marketing & Communications bei Mediapulse, gegenüber persoenlich.com.

Die Radiomessung basiere auf einer rollierenden Stichprobe, bei der sich über das Semester hinweg eine deutlich grössere Fallzahl ergebe. Im ersten Semester 2025 hätten 8641 Personen Daten für insgesamt 298'252 Messtage geliefert. Die als signifikant gekennzeichneten Unterschiede zum Vorjahressemester seien grösser als der messbedingte Schwankungsbereich.

Für belastbare Aussagen zur Entwicklung der Hörerzahlen empfehle Mediapulse Analysen basierend auf mindestens einem Kalenderquartal. Mediapulse betont, dass die Radioforschung und die Stichprobenziehung den etablierten Standards der empirischen Sozialforschung entsprechen. Dies bestätigten regelmässige Audits der Medienwissenschaftlichen Kommission.

Weitere Argumente gegen Verlängerung

Die Unikom führt mehrere zusätzliche Argumente gegen eine UKW-Verlängerung an. Die Attraktivität der Schweizer Programme liege in ihrer lokalen Relevanz, nicht am Verbreitungsweg. Menschen interessierten sich für Inhalte aus ihrer Region, nicht aus dem Ausland. Ausländische UKW-Programme berichteten nicht über Schweizer Lokalpolitik.

Der Verband betont, dass die Verbreitung von DAB+, IP-Radios und Smart-Speakern weiter zunehme. Der Umstieg der SRG habe die Verkaufszahlen der DAB+-Empfangsgeräte «regelrecht explodieren» lassen. Auch die im Juli publizierten DigiMig-Forschungsdaten würden eine rapide Zunahme der digitalen Radionutzung belegen.

Zudem kritisiert die Unikom eine Wettbewerbsverzerrung: Solange UKW in Betrieb sei, berücksichtige die klassische Radiowerbung UKW-Radioveranstalter «ungleich stärker». Dies sei eine «nicht zu rechtfertigende Wettbewerbsverzerrung».

Der Verband wirft den UKW-Veranstaltern vor, nicht in Innovation investiert zu haben. «Kein einziges kommerzielles UKW-Radio hat in den letzten Jahren in Innovation investiert, Entwicklungsabteilungen fehlen überall», heisst es im Brief. Nur die SRG und einzelne Unikom-Sender hätten «wirklich Neues gewagt».

Ausgangslage der UKW-Abschaltung

Die Schweizer Radioverbände hatten sich 2014 auf den 31. Dezember 2024 als letztmögliches Abschaltdatum geeinigt. 2015 stimmten die SRG sowie über 80 Prozent der privaten Radiostationen diesem Entscheid zu. Der Bundesrat schuf 2017 den rechtlichen Rahmen für die UKW-Abschaltung.

Das Bakom verlängerte die ursprünglich 2008 erteilten UKW-Funkkonzessionen im Dezember 2019 um fünf Jahre bis 2024. Ende 2023 verlängerte der Bundesrat die Konzessionen per Verordnung ein letztes Mal bis Ende 2026 (persoenlich.com berichtete).

Die SRG schaltete ihre UKW-Sender plangemäss per 31. Dezember 2024 ab. Privatradios müssen ihre Sender spätestens Ende 2026 abschalten, fordern jedoch eine erneute Verlängerung. Während die Unikom gegen eine Verlängerung argumentiert, sprechen sich die Verbände VSP (Verband Schweizer Privatradios) und RRR (Regionalradios Romandie) für ein weiteres Hinausschieben der Abschaltung aus.

Forderungen der Unikom

Sollte der Bundesrat dennoch eine weitere Verlängerung beschliessen, fordert die Unikom eine öffentliche Ausschreibung der UKW-Frequenzen. Seit 2008 sei keine UKW-Frequenz mehr öffentlich ausgeschrieben worden. Die heute gültigen Konzessionen seien noch unter Bundesrat Moritz Leuenberger erteilt worden.

Der Verband argumentiert, dass UKW-Frequenzen gemäss Artikel 93 Absatz 4 der Bundesverfassung und dem Fernmeldegesetz in einem transparenten, fairen Ausschreibungsverfahren vergeben werden müssten.

Die Unikom verweist auf Norwegen, das UKW bereits 2017 vollständig abgeschaltet habe. Dort sei die Reichweite nach anfänglichen Einbussen innerhalb von zwei Jahren wieder auf das frühere Niveau gestiegen. (pd/cbe)


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KOMMENTARE

Beat Sieber
17.07.2025 12:45 Uhr
Warum schneidet man nicht endlich die alten Zöpfe aus der Leuenberger-Zeit ab und zieht den Stecker bei den Serafe-Gebühr finanzierten Komplementärradios? Diese haben eh kaum relevante Hörerzahlen. Aus Norwegen habe ich gehört, dass dort Privatradios weiter via UKW gehört werden. Niemand wird die Unikom-Radios vermissen, wenn die ihre UKW-Sender abstellen. Wenn die "innovativen" Komplementären so gut wären, müssten ja deren Hörerzahlen auch höher sein. Der Run auf DAB-Radios, das behauptet die SRG.
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