20.08.2026

HWZ

«Bedeutung wird zum knappen Gut»

Ursula Nötzli und Iris Blättler haben schon bei der TX Group zusammengearbeitet – nun tun sie es wieder, als Doppelspitze zweier CAS-Studiengänge zur Kommunikation im Zeitalter der künstlichen Intelligenz an der HWZ. Im Interview erzählen sie, wie es dazu kam und warum für sie menschliches Urteilsvermögen zur eigentlichen Führungsaufgabe wird.
HWZ: «Bedeutung wird zum knappen Gut»
«Wer nur informiert, verliert. Wer orientiert, gewinnt»: Ursula Nötzli (links) und Iris Blättler, Studiengangsleiterinnen CAS Corporate Communications with AI und CAS Strategisches Kommunikationsmanagement mit KI an der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich. (Bild: zVg)

Ursula Nötzli und Iris Blättler, Sie haben einst bei der TX Group eng zusammengearbeitet – und tun das jetzt wieder an der HWZ. Hätten Sie das damals für möglich gehalten?
Iris Blättler: Daran, dass sich unsere Wege wieder kreuzen, habe ich immer geglaubt. Dass dies an der HWZ sein wird, ist wohl der überraschende Punkt an der Geschichte. Ich kenne die Hochschule bisher nur als begeisterte Studentin. Dass ich da nun zusammen mit Ursula den Unterricht mitgestalten kann, erfüllt mich mit Stolz.

Ursula Nötzli: Iris war immer eine herausfordernde Sparringpartnerin. Das schätze ich enorm, denn genau dieser Austausch bringt mich weiter. Dass sich unsere Wege wieder kreuzen, hat mich deshalb nicht überrascht: Es war volle Absicht!

«Herausfordernde Sparringpartnerin» – das kann auch negativ verstanden werden. Wie meinen Sie das?
Nötzli: Das ist als Kompliment gemeint, und zwar als grosses. Iris nickt nicht einfach, sie hinterfragt, bringt Gegenargumente und schaut aus einer anderen Perspektive auf dieselbe Sache. Genau das macht Resultate besser, denn wer nur Zustimmung um sich hat, entwickelt sich nicht weiter. Gerade in der Kommunikation ist das eine Schlüsselqualität.

«Die Konstellation hat sich nur auf dem Papier verändert»

Frau Blättler, Sie waren bei der TX Group Stellvertreterin von Frau Nötzli. Jetzt übernehmen Sie die Co-Leitung der beiden CAS Corporate Communications with AI und CAS Strategisches Kommunikationsmanagement mit KI (persoenlich.com berichtete). Wie verändert sich diese Dynamik gegenüber damals?
Blättler: Die Konstellation hat sich nur auf dem Papier verändert. Die Hierarchie im Kommunikationsteam bei der TX Group war flach – Ursula und ich haben da schon diverse Themen in einer Co-Führung umgesetzt. Die Dynamik stimmt und wir nehmen diesen Schwung nun mit an die HWZ.

Wie kam es überhaupt zu dieser gemeinsamen Berufung – wer hat wen angefragt?
Nötzli: Die HWZ hat mir die Leitung eines zweiten CAS – Corporate Communications with AI – angeboten. Mir war sofort klar: Das mache ich zusammen mit einer Partnerin, die mich ergänzt und der ich vertraue. Ich habe Iris angefragt, und sie hat zum Glück nicht lange gezögert.

Das Pensum wäre also zu gross geworden, um beide CAS alleine zu leiten?
Nötzli: Als Beraterin bin ich nah an den Fragen, die Unternehmen gerade umtreiben, und genau davon leben die beiden CAS: Beratung und Lehre ergänzen sich ideal. Zwei Studiengänge immer auf dem neusten Stand zu halten, ist aufwendig. Entscheidender war aber der fachliche Austausch. Ich bin überzeugt, dass die besten Lösungen im Dialog entstehen.

Die Leitung der beiden CAS ist kein Vollzeitpensum. Was machen Sie daneben beruflich?
Nötzli: Ich bin seit einem Jahr Partnerin bei Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten, einer führenden strategischen Kommunikationsberatung in der Schweiz. Ich begleite Unternehmen dabei, Kommunikation als Führungsinstrument einzusetzen: von der Kapitalmarktkommunikation über den Schutz der Reputation in Krisensituationen bis zur KI-Integration in die Kommunikationsstrategie. Mandat und Unterricht sind für mich zwei Prüfstände desselben Themas: In der Beratung sehe ich, wie KI unter echtem Druck eingesetzt wird, an der HWZ, was Fachkräfte brauchen, um sie souverän zu nutzen. Dort zeigt sich sehr schnell, was trägt und was Hype ist.

Blättler: Die Neuausrichtung der beiden Studiengänge nimmt aktuell etwas mehr Zeit in Anspruch, weil wir mit allen Dozierenden Gespräche führen, um ein möglichst rundes Studienprogramm zu gestalten. Mit jeder Durchführung wird der Aufwand wohl überschaubarer. Daneben bin ich als Verantwortliche Corporate Communications tätig – ich trete im September eine neue Stelle an.

Können Sie mehr zur neuen Stelle sagen? Bei welchem Unternehmen ist das?
Blättler: Die Details zu meinem neuen Job werde ich zu gegebenem Zeitpunkt kommunizieren. So viel sei verraten: Ich wechsle in eine neue Branche und freue mich sehr darauf.

«Entscheidend ist nicht, wie ein Kapitel endet, sondern was man aus dem nächsten macht»

Frau Nötzli, Sie haben die TX Group 2024 aus eigenem Antrieb verlassen, Frau Blättler, Sie mussten Goldbach im Rahmen eines Stellenabbaus verlassen. Prägt dieser Unterschied – Kündigung versus Entlassung – Ihre Zusammenarbeit heute in irgendeiner Form?
Blättler: Die Zusammenarbeit in dieser intensiven Zeit bei TX hat unsere Beziehung auf jeden Fall geprägt. Diese gemeinsamen Erfahrungen spiegeln sich sicherlich einerseits in der Auswahl der Themen wider, die wir vermitteln und diskutieren möchten, und andererseits in der Art und Weise, wie wir die Inhalte gestalten.

Nötzli: Entscheidend ist nicht, wie ein Kapitel endet, sondern was man aus dem nächsten macht. Bei mir war es ein bewusster Entscheid: Ich wollte nach den Jahren als Kommunikationschefin nochmals eine andere Richtung einschlagen. Ein solcher Schritt braucht Mut: Es gibt keine vorgegebenen Strukturen mehr, den Antrieb schaffe ich mir selbst, und ich trage die volle Verantwortung. Genau das fordert und inspiriert mich zugleich.

Auch in einem CAS geht es unter anderem um Führung und Transformation. Werden Sie Ihre eigenen Erfahrungen bei der TX Group – Abbau, Kündigung, Neuorientierung – auch als Fallbeispiele einbringen?
Nötzli: Punktuell fliesst das mit der nötigen professionellen Distanz ein: Restrukturierungen, Führungswechsel und Neuorientierung gehören heute zur Realität von Organisationen. Die Studierenden schätzen es, wenn wir nicht nur Modelle vermitteln, sondern auch einordnen können, wie sich solche Situationen von innen anfühlen und was in der Kommunikation dann wirklich zählt. Genau diese Praxisnähe in Kombination mit der Wissenschaft zeichnet die HWZ aus, und dafür stehen wir beide.

Apropos Praxis: Wie teilen Sie sich die Leitung der beiden CAS auf?
Blättler: Wir haben keine thematische Arbeitsteilung, sondern machen beide alles – was gerade anfällt.

Wo ergänzen Sie sich am meisten, wo gibt es die grössten Reibungspunkte in der Zusammenarbeit?
Blättler: Ursula und ich haben ein ähnliches Tempo und ergänzen uns in der Art und Weise, wie wir an Themen rangehen, sehr gut.

Nötzli: Das sehe ich genauso. Auch die Neugier auf neue Entwicklungen ist bei uns beiden sehr gross. Ich bringe etwas mehr Erfahrung in der Finanzkommunikation ein, Iris dafür im Change mit. Echte Reibungspunkte gibt es kaum, dafür eine Diskussionskultur, in der das bessere Argument gewinnt.

An wen richten sich die beiden CAS konkret – wer sitzt bei Ihnen im Kurs?
Nötzli: Bei uns sitzen Menschen im Kurs, die Kommunikation wirksamer machen wollen und mit KI einen Schritt voraus sein möchten. Der CAS Strategisches Kommunikationsmanagement mit KI richtet sich an erfahrene Kommunikationsprofis, Führungskräfte und Beratende, die Kommunikation als strategisches Führungsinstrument verankern wollen. Der CAS Corporate Communications with AI ist breiter angelegt: für alle, die in der Unternehmens- und Marketingkommunikation arbeiten oder einsteigen möchten.

«KI darf vorbereiten, simulieren und beschleunigen. Verantworten müssen wir Menschen»

Wo hört für Sie der sinnvolle Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) in der Unternehmenskommunikation auf – gibt es rote Linien?
Blättler: Die roten Linien gibt es. Ich bin der Meinung, dass gerade bei der Kommunikation von heiklen Themen der Mensch im Zentrum stehen sollte. KI sollte da mit Vorsicht zum Einsatz kommen.

Nötzli: Ja, und es gibt für mich ein einfaches Prinzip: Je heikler die Aussage, desto wichtiger werden menschliches Urteil, Freigabe und Transparenz. Konkret heisst das: Kein Krisenstatement ohne menschliche Prüfung, keine vorgetäuschte Echtheit, keine vertraulichen Daten in offenen Tools. KI darf vorbereiten, simulieren und beschleunigen. Verantworten müssen wir Menschen.

Wie verändert sich die Rolle einer Kommunikationschefin, wenn KI zunehmend auch strategische Beratung der Geschäftsleitung übernehmen kann?
Nötzli: Die Rolle wird noch wichtiger, denn KI ist längst kein Tool-Thema mehr, sondern ein Führungs- und auch ein Vertrauensthema. Wenn Analysen und Texte auf Knopfdruck entstehen, wird Bedeutung zum knappen Gut: einordnen, priorisieren und der Geschäftsleitung auch unbequeme Empfehlungen geben. Kommunikation wird weniger Sender und mehr Kompass, und Orientierung geben kann nur, wer selbst Haltung hat. Kurz: Wer nur informiert, verliert. Wer orientiert, gewinnt.

Blättler: Absolut, unsere Aufgabe bleibt es, die Themen in einen grösseren Kontext einzubetten und den richtigen Tonfall zu finden. Was KI zudem nicht kann, ist Verantwortung übernehmen. Sie kann Szenarien durchspielen und Antworten formulieren. Sie kann aber nicht entscheiden, welche Risiken eine Geschäftsleitung einnehmen soll – und wann es vielleicht auch schlauer ist, zu schweigen. Da kommen dann die Kommunikationsexpertinnen und -experten ins Spiel.

Was ist Ihr gemeinsames Ziel für die nächsten drei Jahre mit diesen beiden CAS – und woran würden Sie in einem Jahr messen, ob es ein Erfolg war?
Blättler: Ich wünsche mir, dass wir den Absolventinnen und Absolventen ein derart interessantes Wissenspaket schnüren, dass es sich über persönliche Empfehlungen weiterverbreitet.

Nötzli: Mein Ziel ist, dass unsere beiden CAS als das führende Angebot für Kommunikation im KI-Zeitalter in der Schweiz wahrgenommen werden. Erfolg messen wir konkret: an vollen Kursen, an Weiterempfehlungen und daran, dass unsere Absolventinnen und Absolventen KI in ihren Organisationen verankern.


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