TV-Kritik

SVP-Heer demontierte «Blick»-Chef

Ein verstecktes Telefon sorgt nach wie vor für Aufregung: Ringier-Journalist Cédric Schild vom Jugendmagazin «Izzy» hatte den Zürcher SVP-Kantonsratskandidaten Stefan Locher der mutmasslichen Anstiftung zum Wahlbetrug überführt (persoenlich.com berichtete).

Weil Schild und Locher dazu lieber auf einen Auftritt bei «TeleZüri» verzichteten, kreuzten Dorer und Heer am Dienstagabend bei Hugo Bigi die Klingen. Der SVP-Nationalrat und Zürcher Wahlkampfleiter fuhr mit grobem Geschütz auf. Er warf Dorer vor, eine Schmutzkampagne zu fahren. Heer: «Ihr habt Locher in eine Falle gelockt, und er hat einen Fehler gemacht. Das rechtfertigt nicht, dass er in Ihrer tagelangen Schmierenkampagne behandelt wird, als wäre er der Massenmörder von Rupperswil. Ich finde es entsetzlich, wie tief «Blick» gesunken ist. Sie sollten sich schämen!» Und: «Was seid ihr für eine Zeitung, die aus einem Kandidaten und einem Spasstelefon eine Staatsaffäre macht?»

Christian Dorer versteht die ganze Aufregung nicht und warf Heer vor, mimosenhaft zu regieren. Der «Blick»-Chef findet die Reaktion von Stefan Locher, der sich öffentlich entschuldigt hatte, souverän: «Die von Heer ist es nicht.» Der SVP-Nationalrat machte Dorer auch Vorwürfe zur Berichterstattung über seinen Parteikollegen Luzi Stamm, der sich nach Eskalationen in ärztlicher Behandlung befindet. Heer: «Sie sollten sich auch dafür schämen, was Sie mit Leuten machen, von denen Sie wissen, dass sie ein Problem haben. Sie ziehen diese an die Öffentlichkeit und demontieren sie, damit Sie der SVP schaden können.»

Dorer bestritt, dass die SVP von seinem Blatt unfair behandelt werde: «Blick schiesst gegen alle, wenn sie Fehler machen.» Alfred Heer hatte in «TalkTäglich» noch einen weiteren Pfeil im Köcher: «Ein «Blick»-Journalist sagte einer jungen Kandidatin unserer Partei, wenn er sie im Bikini fotografieren dürfe, sorge seine Zeitung dafür, dass sie gewählt werde.» Heer nannte gar den Namen des Redaktors. Zu dieser Vorhaltung hatte Dorer, der zum Fall Locher auch bei den Zuschaueranrufen schlecht wegkam, nichts zu sagen.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

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Kommentare

  • Robert Weingart , 20.03.2019 07:17 Uhr
    Von einem Chefredaktor, der von Donald Trump ein Autogramm holt, ist wohl nicht viel anders zu erwarten. Schade, was aus Christian Dorer geworden ist.
  • VictorBrunner, 21.03.2019 07:03 Uhr
    Der SVP Mann Heer hat einfach die Realität ausgeblendet und munter drauf losgeschwafelt, dabei natürlich Fakten weggelassen. Aus Locher hat er einen armen, naiven Zeitbürger gemacht, der scheinbar nicht einmal wusste was Unterschriftsfälschung ist. Immerhin ist er Doktor. Den BLICK hat er als SVP feindliches Blatt abgestempelt. Dabei kommen Herr Blocher und Frau Martullo öfters zu Wort, mehr als andere Politiker. Die ganze Sendung war peinlich, ein Moderator der überfordert war, ein SVP Mann der an Peinlichkeit nicht zu überbieten war, der Chefredaktor des BLICK der mit Schmuddeljournalismus sein Blatt über Wasser halten muss. Am Schluss des Talk Täglich die üblichen Anrufer, allesamt wie immer aus SVP hörigen BürgerInnen!
  • Edith Hugentobler, 21.03.2019 10:13 Uhr
    Chefredaktor--Herr Dorer ??????? Unmöglich .
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